In den Hallen der Jorns AG wird etwa ein Viertel der Maschinen für den US-Markt produziert. · Archivbild: Patrick Jordi
US-Zölle beschäftigen die lokale Wirtschaft
Donald Trump erhebt auf Schweizer Produkte 39 Prozent Zoll – mehr als doppelt so viel wie für EU-Staaten. Für den Biegemaschinenhersteller Jorns AG in Lotzwil könnte das zu einem grösseren Problem werden.
Lotzwil/Wasen · Die Jorns AG stellt mit 70 Mitarbeitenden in Lotzwil Biegemaschinen her. Und könnte vor einem grösseren Problem stehen, wenn die von US-Präsident Donald Trump verhängten 39 Prozent Zoll über längere Zeit fällig werden. Die Jorns AG exportiert zwischen 25 und 28 Prozent ihrer Maschinen in die USA. Diese muss der nordamerikanische Händler, mit dem die Jorns AG zusammenarbeitet, bezahlen, sobald die Maschine in die Vereinigten Staaten eingeführt wird. Den Aufschlag wird er, zumindest zu einem grossen Teil, den Abnehmern im Land weiter verrechnen müssen. Kein Problem wäre dies, wenn der Zoll für die EU-Länder gleich hoch wäre. Trump hat jedoch die EU mit nur 15 Prozent Zoll belegt. «So wird das Schweizer Produkt viel teurer als jenes aus der EU, der US-Markt wird wegfallen», sagt Reto Staeger, stellvertretender CEO der Jorns AG. Nicht möglich ist es, den Zoll zu umgehen, in dem die Maschine nach Kanada eingeführt wird, wo der nordamerikanische Händler einen kleineren Teil der Produkte vertreibt, und sie von dort aus in die USA einführt. Steht «Made in Switzerland» darauf, wird der Ansatz für die Schweiz fällig. Momentan produziert die Jorns AG noch mit Volllast, bis Oktober ist der Auftragsbestand gut. Sollte der US-Zoll auch danach noch so hoch sein, müsste Kurzarbeit eingeführt werden. Dies kann jedoch höchstens für 18 Monate geschehen, also nicht bis zum Ende der Trump-Administration im Januar 2029. Daher sind gravierende Konsequenzen wie Entlassungen nicht ausgeschlossen, sollte sich die Situation bezüglich US-Zölle nicht verbessern. Eine Verlagerung des Produktionsbetriebs etwa nach Deutschland ist für den standortgebundenen Familienbetrieb Jorns nicht möglich. «Ich vertraue jedoch unserer Politik, dass eine für die Schweiz gute Lösung gefunden werden kann», sagt Staeger.
Weitere Verhandlungen nötig
Die PB Swiss Tools in Wasen stellt international gefragte Werkzeuge und medizinische Instrumente her, bedient den Fachhandel und ist auch im Bereich Operationstechnik tätig. Das Unternehmen ist mit einem kleinen einstelligen Prozentsatz des Unternehmensumsatzes in den USA engagiert. «Wir waren überrascht vom Zollentscheid in den USA, dem zweitwichtigsten Exportmarkt der Schweiz. Die Verhandlungen müssen auf politischer Ebene weitergeführt werden, das ist insbesondere auch für die Schweizer Tech-Industrie und die volkswirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz von hoher Bedeutung», sagt Verwaltungsratspräsidentin Eva Jaisli. «Wir haben weiterhin Hoffnung, dass die Verhandlungen auf politischer Ebene zu einer Reduktion führen.»
Lagerbestände aufgestockt
Aktuelle herrscht Planungsunsicherheit. Die PB Swiss Tools hat beispielsweise in eine Tochtergesellschaft in den USA investiert. «Die herausfordernde Frage ist: werden wir das
Potenzial dieser Tochtergesellschaft nutzen können? Zumindest wahrscheinlich nicht kurzfristig, weil die Wettbewerbsnachteile markant sind», ergänzt Jaisli. Man habe dafür gesorgt, die Lagerbestände in den USA aufzustocken, als das Thema hohe Zölle aufkam. «So kann vor Ort verkauft werden», sagt die VR-Präsidentin der PB Swiss Tools. Kein grösseres Problem sollte für die PB Swiss Tools der Entscheid der Post darstellen, keine Waren mehr in die USA zu spedieren. «Es sind nur kleinere Sendungen, die per Post in die USA gehen», sagt Jaisli. «Das meiste transportieren wir per Flugzeug oder Schiff.»
Von Reto Pfister