• Der in Rüegsauschachen wohnhafte Manuel Buser absolviert zurzeit die Ausbildung als Ranger. Als Gebiets-Götti schaut er ab und an beim Naturschutzgebiet Schlossweiher in Sumiswald nach dem Rechten. · Bild: Marion Heiniger

10.12.2024
Emmental

Vermittler zwischen Mensch und Natur

Manuel Buser würde gerne den Menschen die Natur etwas näherbringen. Damit er das auch beruflich tun kann, absolviert der gelernte Landschaftsgärtner gegenwärtig die Ausbildung zum Ranger.

Emmental · Mit grossen Schritten stapft Manuel Buser beim Schlossweiher in Sumiswald durch den Schnee, der tags zuvor die Region still und leise in eine mystische Märchenlandschaft verwandelt hatte. Enten schlittern flatternd über das hauchdünne Eis und brechen kurz darauf ein. Es scheint, als würden sie sich ein Spiel daraus machen. «Es ist wunderschön hier», schwärmt Manuel Buser, während er sein Fernglas vor die Augen hält, um nach Vögeln Ausschau zu halten. Im Auftrag der Freiwilligen Naturschutzgebietspflege (FNP) Unteremmental- und Oberaargau ist er der Gebiets-Götti vom kleinen Sumiswalder Naturschutzgebiet. Ab und an schaut er dort nach dem Rechten. Gegenwärtig absolviert Manuel Buser den Lehrgang zum Ranger mit Diplom BZW Lyss, bei dem er – grob zusammengefasst – zum Vermittler zwischen dem Menschen und der Natur ausgebildet wird. Neben Themen wie Naturschutzgesetze, Ökologie und Umweltbildung lernen die angehenden Ranger und Rangerinnen vor allem, auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen in manchmal auch schwierigen Situationen zu kommunizieren. Ihre Aufgabe ist es, die Flora und Fauna zu schützen, indem sie die Menschen für die empfindlichen Lebensräume der Natur sensibilisiert. Denn wenn diese das Naturerlebnis in Naturschutzgebieten suchen, kann es zu Konflikten kommen. Schneeschuhwandern abseits der vorgegebenen Routen, Freizeitaktivitäten in einem Vogelreservat, Bräteln in einem Hochmoorgebiet oder wilde Mountainbike-Abfahrten durch den Wald sind in den meisten Fällen nicht mit dem Naturschutz vereinbar. Oft steckt dahinter nicht böse Absicht, sondern lediglich Unwissenheit. In solchen Situationen suchen Ranger mit den Erholungssuchenden das Gespräch und klären auf, welche Folgen gewisse Handlungen für das empfindliche Ökosystem haben.

Beruf als Landschaftsgärtner aufgegeben
Doch noch ist Manuel Buser nicht so weit. Diesen August hat er mit der Ausbildung zum Ranger begonnen, nächstes Jahr im September werden die Abschlussprüfungen sein. Gelernt hat Manuel Buser Landschaftsgärtner, aber bereits seit über zehn Jahren arbeitet er nicht mehr auf seinem erlernten Beruf. «Während meiner Zeit als Landschaftsgärtner hatte ich mehrheitlich den Eindruck, als biege man die Natur zurecht, so, wie es der Mensch gerne haben möchte. Die Natur selbst hatte dabei nicht wirklich Platz», bedauert der Rüegsauschacher. Deshalb räumte er damals seiner wirklichen Leidenschaft, der Musik, mehr Platz ein. Sein Job als Landschaftsgärtner war zum Geldverdienen verkommen. Als Gitarrist spielte Manuel Buser in einer Band. Vor etwa sechs Jahren war bei ihm plötzlich die Luft aus der Kreativität raus, er legte eine Musikpause ein und wollte herauszufinden, was das Leben sonst noch zu bieten hat. «In dieser Zeit habe ich mich viel draussen in der Natur bewegt und angefangen, mich mit der Vogelwelt zu beschäftigen. Schnell wurde mir klar, dass ich künftig etwas mit Natur machen will.» Manuel Buser hörte sich um, musste aber erkennen, dass die Auswahl an Fortbildungsmöglichkeiten ohne Berufsmatura stark eingeschränkt war. «Möglich war zum Beispiel die Ausbildung zum Wildhüter. Deshalb hatte ich auch mit der Theorie zur Jagdprüfung begonnen, dabei aber schnell gemerkt, dass ich niemals auf ein Tier schiessen könnte», gesteht er. Die Ausbildung zum Ranger passte wesentlich besser zu seinen Vorstellungen, da ihm – unterdessen seit bald zehn Jahren als Schema-Zeichner angestellt – im beruflichen Alltag der intensive Kontakt zu den Menschen fehlte.

Wild zusammengewürfelte Klasse
Die Kenntnisse der Natur werden im Ranger-Lehrgang nicht ausführlich behandelt, diese muss man selbst mitbringen oder erlernen. «In diesem Punkt ist es von Vorteil, wenn man wie ich einen ‹grünen› Beruf erlernt hat. Früher war das für die Ausbildung zum Ranger noch Bedingung, seit Kurzem ist das nicht mehr so», erklärt der gebürtige Sumiswalder. Selektioniert wird trotzdem bei einem intensiven Zulassungsgespräch. Es ist denn auch eine wild zusammengewürfelte Klasse, in der Manuel Buser ist. « Etwa fünf Leute haben eine ‹grüne› Ausbildung, weiter gibt es zum Beispiel einen Pöstler, eine Anwältin, einen Schreiner oder einen Unternehmensberater in der Klasse. Der Jüngste ist 19 Jahre alt und kommt frisch von der Försterschule, der Älteste ist 63 Jahre alt und als Wanderleiter tätig», erzählt der 36-jährige Manuel Buser. Die Ausbildung zum Ranger ist beliebt, die Klassen meist gut gefüllt, auch wenn die Aussichten auf eine Anstellung nach der Ausbildung als gering einzustufen sind. «Wie man uns vor der Ausbildung mitgeteilt hat, finden nur etwa 40 Prozent der Schulabgänger anschliessend einen Job als Ranger, und diese arbeiten im Schnitt in einem 40-Prozent-Pensum. Vollzeitanstellungen sind sehr selten», weiss Manuel Buser. Das passt aber gut zu seinen Zukunftsplänen, denn aufgeben möchte er seinen aktuellen Job nicht. Vielmehr sucht er einen Ausgleich im Berufsleben.

Abschlussarbeit mit Zukunftsaussichten
Ein wichtiger Teil der Ausbildung ist die Abschlussarbeit, ein Projekt, das einen starken Bezug zur Tätigkeit eines Rangers haben muss. «Dafür braucht man einen realen Arbeitgeber, der sich mit dem gewählten Thema einverstanden erklären kann. Wenn man für seine Abschlussarbeit ein Gebiet findet, wo beispielsweise Abklärungen zum Besucherdruck oder sensiblen Naturwerten in Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten sinnvoll sind, kann man das Projekt mit ein wenig Glück vielleicht auch nach der Ausbildung noch weiterverfolgen», wagt Manuel Buser einen hoffnungsvollen Blick in seine berufliche Zukunft. Ein verheissungsvolles und spannendes Thema hat er für seine Abschlussarbeit schon gefunden, auch ist er mit den entsprechenden Personen bereits im Gespräch. Um welches Thema es sich handelt und in welchem Gebiet er tätig werden möchte, verrät Manuel Buser, bevor die Schule nicht ihr Einverständnis dazu gegeben hat, aber noch nicht.