Adrian Wüthrich bei seiner Festrede auf dem Rathausplatz in Altdorf. · Bild: Gabriela Graber
Vom Brunnenplatz zu Wilhelm Tell
Die Gemeinde Huttwil feierte die Bundesfeier dieses Jahr gleich zweimal: am 31. Juli auf dem hiesigen Brunnenplatz und am 1. August als Gastgemeinde in Altdorf. Für die Feier in der Innerschweiz reiste eine rund 150-köpfige Huttwiler Delegation in den Kanton Uri.
Auf dem Altdorfer Rathausplatz, wo der Sage nach einst Wilhelm Tell einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Walter schoss und wo heute das bekannte Telldenkmal steht, versammelte sich am Samstag allmählich die Festgemeinde. In einer Ecke waren Personen in für Huttwilerinnen und Huttwiler wohlbekannten Uniformen zu erkennen: jene der Stadtmusik Huttwil. Um Punkt 11 Uhr hob die Stadtmusik zum Spiel an. Mit dem «Altdorfer Tellenmarsch» eröffnete sie die Bundesfeier der Innerschweizer Gemeinde, die dieses Jahr Huttwil als Gast eingeladen hatte. Nach einem weiteren Stück namens «Huttwil 1999» trat Altdorfer Gemeindepräsident Sebastian Züst ans Rednerpult.
Im Zusammenspiel zum Erfolg
Seine Rede stand im Zeichen des Teamgeists und bediente sich zahlreicher Fussballmetaphern. Er zog dabei einen Vergleich zwischen Fussball und Politik. Den Kanton Uri mit seinen 19 Gemeinden verglich er mit einem Team aus 19 Mitspielerinnen und Mitspielern. «Wir haben alle unterschiedliche Rollen, aber nur im Zusammenspiel der 19 Gemeinden führt das zum Erfolg vom Team Uri.» Er appellierte daran, dass man Lokalpatriotismus leben und auch liebevoll zelebrieren dürfe, aber gleichzeitig die Grenzen der eigenen Gemeinden im Kopf überwinden solle. «Wenn wir zusammenstehen, können wir noch viel mehr erreichen.» Zum Schluss räumte er das «Feld» für die «Stars» des Tages, wie er sie nannte – für die Huttwiler – und überliess Adrian Wüthrich das Rednerpult.
Zwei Kapitel derselben Geschichte
In seiner Ansprache schlug Wüthrich den Bogen von den beiden Gemeinden – ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden – zu den beiden Figuren, mit denen sie verbunden sind: Wilhelm Tell und Niklaus Leuenberger. Beide stünden für Freiheit und Mitbestimmung. «Sie erzählen zwei Kapitel von derselben Geschichte», sagte Wüthrich. Altdorf und Huttwil würden daran erinnern, dass Demokratie nicht geschenkt werde: «Sie wird erkämpft, aufgebaut und von jeder Generation neu belebt.» Er rief dazu auf, sich für die Demokratie einzusetzen. Diese bedeute mehr als nur abzustimmen oder an Gemeindeversammlungen teilzunehmen – dazu gehörten auch das Zuhören, das Prüfen von Fakten, der Schutz von Minderheiten und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen. «Die Schweiz ist nicht stark, weil bei uns immer alle gleicher Meinung sind. Sie ist stark, weil wir mit unseren Unterschieden einen gemeinsamen Weg finden», hielt er fest.
Huttwiler Stände vor Ort
Nach dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne und der Übergabe des Huttwiler Geschenks an Altdorf – eines der Pflanzenmodule, die seit diesem Frühling die Strassen des Städtlis zieren – ging die Festgemeinde zum Apéro über. Neben dem Festzelt waren mehrere Huttwiler Stände aufgestellt: Das Restaurant Tusk kochte afrikanische Speisen, die Landfrauen Huttwil verkauften hausgemachte Landfrauenspezialitäten, der Verein «In Memoriam 1653» präsentierte seine Anliegen, die Metzgerei Flückiger war mit Huttwiler Fleischwaren vor Ort und das Spycher Handwerk verkaufte seine Produkte. Am gemeinsamen Stand von Pro Regio und der Gemeinde konnten Interessierte mehr über die Region erfahren – und die Kinder erhielten einen Ballon in leuchtendem «Huttwil-Blau». Im Schatten des Festzeltes ging die Feier weiter und die Festbesucherinnen und Festbesucher genossen gemeinsam das Mittagessen und die musikalische Unterhaltung durch die Stadtmusik Huttwil. Im Anschluss luden rund 60 Marktstände im Dorfkern zum Schlendern und Entdecken ein. Die Anwesenden spazierten umher, schlossen neue Bekanntschaften und lauschten der Livemusik an einem schattigen Plätzchen. Insgesamt waren an diesem Tag mehrere Tausend Personen in Altdorf unterwegs. Um 18 Uhr fuhren die beiden Huttwiler Cars zurück in den Oberaargau. Sebastian Züst und Adrian Wüthrich blickten auf einen gelungenen Anlass zurück. «Es hat uns sehr gefreut, dass die Huttwiler mit so einer grossen Delegation erschienen sind», so Züst. Das sei nicht selbstverständlich und habe das Altdorfer Dorffest verschönert. Wo das Geschenk von Huttwil platziert werden solle, wisse er noch nicht genau. «Ich kann aber garantieren, dass es ins Dorfzentrum kommt – dort, wo wir es sehen und nutzen können.» Auch Adrian Wüthrich zeigte sich nach der Feier zufrieden. «Das Feedback war rundum positiv und auch die Standbetreiber berichteten von grossem Interesse und guten Gesprächen.» Ein Moment berührte Wüthrich ganz besonders: «Auf dem Rathausplatz vor dem Telldenkmal zu stehen, in die Runde zu schauen und so viele Menschen aus Huttwil und Altdorf zu sehen, die gemeinsam die Bundesfeier feiern – das war schon sehr emotional.»
2027 nur auf dem Brunnenplatz
Die Feier in Altdorf war ein einmaliges Erlebnis für die Gemeinde, denn nächstes Jahr werde man wieder in gewohnter Weise auf dem Brunnenplatz feiern, so Wüthrich. Auch dieses Jahr hatte es dort am Freitagabend eine Feier gegeben – wenn auch in etwas kleinerem Rahmen als sonst und ohne die Stadtmusik. Nichtsdestotrotz hatten sich ebenfalls rund 150 Huttwilerinnen und Huttwiler vor Ort eingefunden, das Znacht und das Zusammensein genossen und der Musik des Duos «Fredy Pi. und Joli» gelauscht, das bis in die Nacht hinein Rock- und Pop-Klassiker zum Besten gegeben hatte.
Von Gabriela Graber