• Die angehende Hufschmiedin Laura Schär nimmt im September an den SwissSkills teil. · Bilder: Felix Ott

  • Der Beruf ist körperlich anstrengend und bedarf dennoch Feingefühl.

  • Beim Einbrennen sieht Schär, wo die Nägel hin müssen.

  • Jedes Hufeisen wird passgenau in Form gebracht.

  • Mit gezielten Hammerschlägen werden die Eisen am Huf befestigt.

22.08.2025
Oberaargau

Vom Stall an die Meisterschaft

Zwischen Hufeisen und Amboss lebt Laura Schär ihre Leidenschaft für Pferde und Handwerk. Mit jeder präzisen Bewegung beweist die 19-Jährige, warum sie zu den vielversprechendsten Nachwuchshufschmiedinnen der Schweiz gehört – und bald bei den SwissSkills antreten wird.

Rohrbachgraben · Der Duft von Eisen liegt in der Luft, während das rhythmische Klopfen auf den Amboss durch die kleine Werkstatt in Linden hallt. Laura Schär hält konzentriert einen Pferdehuf zwischen den Beinen, während das Tier ge­duldig die Ohren spitzt. Mit geübten Bewegungen raspelt sie den Huf, bis er gerade ist. Man spürt sofort: Hier wird Tradition gelebt. Für die 13-jährige Stute ist die Prozedur nichts anderes als eine Pediküre. Nachdem die Hufeisen entfernt wurden, werden die Hufe gekürzt – mit Zangen und Raspeln, die nur etwas grösser sind als in einem herkömm­lichen Nagelstudio.

Pendeln war keine Option
Die 19-jährige Hufschmiedin wohnt eigentlich in Rohrbachgraben, eine gute Autostunde von ihrem Lehr­betrieb entfernt. Unter der Woche lebt sie deshalb bei einer Gastfamilie auf einem Bauernhof in der Nähe ihres Betriebs. «Zum Pendeln ist der Weg einfach zu weit», sagt sie. «In meiner Gastfamilie wurde ich wie ein Familienmitglied aufgenommen. Wir unternehmen viel zusammen.» Der Beruf der Hufschmiedin ist hart: lange Stunden auf den Beinen, schwere Werkzeuge heben, präzise schneiden und Raspeln – jeder Handgriff muss sitzen. «Ich mag den Beruf sehr», sagt Laura. «Die Verbindung von Handwerk und Arbeit mit Tieren gibt es sonst nirgends.» Die Tiere reagieren sofort auf jede Bewegung; ein falscher Griff, ein unruhiger Moment, und das Pferd wird nervös. «Man muss stark sein, aber gleichzeitig ruhig und einfühlsam», erklärt sie. Die Stute Ida, die gerade beschlagen wird, ist entspannt. Mit dreizehn Jahren ist sie die Prozedur gewohnt. Anders sehe es bei jungen Pferden aus, verrät Lehrmeister Benedikt Huber. Er selbst habe bereits Hirnerschütterungen und geprellte Rippen davongetragen. Die Arbeit am Pferd erfolgt daher immer zwischen Metallrohren. So können sich die Hufschmiede rasch zurückziehen, wenn das Pferd unruhig wird.

Vom Schmieden bis zum perfekten Sitz
Nachdem die Hufe vorbereitet wurden, kommen die Hufeisen zum Einsatz. Diese werden zwar vorbereitet angeliefert, müssen aber immer auf das jeweilige Pferd angepasst werden. In einem Gasofen der mobilen Werkstatt werden sie erhitzt, bevor das eigentliche Formen beginnt. Mit Hammer und Amboss werden die Hufeisen genau in Form gebracht – ein Schritt, der viel Gefühl und Augenmass verlangt. Die noch heissen Eisen werden auf den Huf gesetzt, um zu prüfen, ob die Löcher für die Nägel an der richtigen Stelle sitzen. Sind die Hufeisen abgekühlt, werden sie mit präzisen Hammerschlägen und Nägeln am Huf befestigt. Anschliessend werden die Nagelspitzen, die aus dem Huf ragen, umgebogen und vernietet. In der Schmiede werden die Hufe zudem mit Sandpapier geglättet und geölt – so entsteht ein schöner Glanz. «Das ist wie die Visitenkarte eines Hufschmieds», erklärt Huber. «Früher ritten die Pferde nach der Behandlung durch das ganze Dorf.»

Auf dem Weg zu den SwissSkills
Huber ist stolz auf seine Lehrtochter. Laura Schär hat sich in diesem Jahr für die zentralen Schweizer Berufsmeisterschaften, die SwissSkills, qualifiziert. Vom 17. bis 21. September wird sie dort ihr Können unter Beweis stellen. «Ich kann es kaum fassen, dass ich an diesem Wettkampf teilnehmen darf», sagt sie. Der Wettbewerb umfasst acht Aufgaben, bei denen die Teilnehmenden sämtliche Fertigkeiten anwenden, die sie während ihrer Ausbildung erlernt haben. Dazu gehören unter anderem die Herstellung von Hufeisen und Werkzeugen sowie das Säubern, Ausschneiden und Beschlagen eines Hufpräparats. Die Konkurrenz ist gross, aber nicht völlig unbekannt: Viele der 12 Teil­nehmerinnen und Teilnehmer kennt Laura Schär bereits von den Vorausscheidungen oder der Berufsschule. «Es ist ein harter Wettbewerb, aber ich will mich messen. Ich möchte zeigen, dass ich den Beruf meistere und gleichzeitig Freude daran habe», sagt Schär.

Zukunft auf dem Familienhof
Nach ihrer Lehre möchte sie noch einige Jahre im Beruf arbeiten. Danach plant sie, ein Bauernlehrjahr zu absolvieren, um schliesslich den Hof ihrer Eltern zu übernehmen. Für Laura Schär ist die Arbeit mit den Pferden weit mehr als ein Beruf – sie ist Leidenschaft, Herausforderung und tägliches Lernen zugleich. Jeder Huf, jeder Schlag auf den Amboss ist ein Stück Handwerk, das Geschichte und Zukunft miteinander verbindet. Und egal, wie spannend die SwissSkills werden: Für Laura bleibt am Ende vor allem die Freude an ihrem Beruf und an den Tieren, die sie begleitet. Mit diesem Engagement und dieser Begeisterung ist klar: Die junge Hufschmiedin wird ihren Weg gehen – Schritt für Schritt, Huf für Huf.

Von Felix Ott