• Romano Geninazzi, Lukas Köchli und Yannic Weber erzielten mit ihrer Maschine die besten Ergebnisse. · Bilder: Felix Ott

  • Einige Teilnehmende mussten beim Test noch ein paar Kleinigkeiten anpassen.

16.09.2025
Langenthal

Von der Idee bis zur fertigen Maschine

Angehende Polymechanikerinnen und Polymechaniker zeigten in Langenthal, was in ihnen steckt. Acht Wochen lang haben sie in Dreiergruppen an der Entwicklung und am Bau einer Trowalisiermaschine gearbeitet. Die Resultate überzeugten durch Vielfalt und Einfallsreichtum. Im Wettbewerb zeigte sich, welche Maschine nicht nur durchdacht konstruiert, sondern auch leistungsfähig war.

 

Ein Surren ertönte, als die sechs Maschinen gleichzeitig zu arbeiten begannen. Während einige Lernende entspannt auf ihre zuverlässig arbeitenden Maschinen blickten, nahmen andere hektisch noch die letzten Anpassungen vor. Die gleiche Situation spielte sich im gegenüberliegenden Raum ab. Nur, dort blieb eine Maschine still. Sie war nicht rechtzeitig zum Test fertig geworden. Die Szene spielte sich im Keller der Berufsfachschule in Langenthal ab. Bei den Lernenden handelt es sich um angehende Polymechanikerinnen und Polymechaniker. Sie haben in den vergangenen acht Wochen in Dreiergruppen eige-ne Trowalisiermaschinen entwickelt und selbstständig gebaut. Beim Trowalisieren handelt es sich um das Gleitschleifen von gefrästen Kleinteilen. Diese werden zusammen mit Schleifsteinen in einen Behälter gegeben. Durch Bewegung des Behälters in verschiedenen Achsen werden die scharfen Grate der Kleinteile abgeschliffen.

Von der Theorie zur Praxis
Die Aufgabe war anspruchsvoll: Eine in der Praxis einsetzbare Gleitschleifmaschine sollte nach klar definiertem Pflichtenheft entworfen und gebaut werden. Beispielsweise sollte die Maschine eine Bewegung in zwei Achsen erzeugen und dazu die Grundfläche eines A3-Blattes nicht überschreiten. Dabei galt es, Wissen aus verschiedenen Disziplinen wie Werkstofftechnik, Fertigungstechnik, Physik oder Kostenrechnung zusammenzuführen. Für die Lernenden im dritten und zu Beginn des vierten Lehrjahres ist dieses Projekt eine grosse Prüfung, da es Fachwissen und Teamarbeit gleichermassen fordert. Die Vielfalt der Maschinen, die daraus entstanden sind, ist erstaunlich. Sie alle unterscheiden sich in Form und Funktionsweise. Auch in der Herangehensweise unterscheiden sich die elf Gruppen teilweise stark. Während eine Gruppe eine Marktanalyse durchführte, orientierten sich andere an der Kostenberechnung. Das Ergebnis sind elf Trowalisiermaschinen, die allesamt in der Industrie einsatzfähig seien, so Lorenz Sigrist, Fachlehrer bei der Berufsfachschule Langenthal. Die Lernenden seien sehr motiviert an die Aufgabe herangegangen, sagt Sigrist weiter. Und dies auch trotz einiger Herausforderungen, wie die Projektpräsentationen zeigten. Einerseits fand das Projekt über die Sommerferien statt, was die Kommunikation zwischen den Lernenden erschwerte. Zudem seien einige Betriebe im Betriebsurlaub gewesen, sodass die benötigten Maschinen nicht zur Verfügung standen. Andererseits sorgten auch Lieferfristen und Preise bei den benötigten Teilen für Schwierigkeiten. Doch schlussendlich sorgte die Ideenvielfalt für die wohl grösste Herausforderung. Mehrere Gruppen betonten, sie hätten Zeit verloren, weil sie zwischen zu vielen Ideen auswählen mussten.

Rückhalt aus den Lehrbetrieben
Natürlich ist so ein Projekt nur durch die Unterstützung der Lehrbetriebe möglich. Die Lernenden durften die Infrastruktur und das Know-how der verschiedenen Betriebe nutzen. Viele Gruppen bauten die Maschinen aus Resten, die in den Firmen nicht mehr benötigt wurden. In einigen Fällen unterstützten Elektroniker oder Messtechniker aus den Betrieben die Lernenden bei der Arbeit. Im Gegenzug erhalten die Betriebe motivierte Lernende, die viel aus dem Projekt lernen konnten. Nach einer halben Stunde war es wieder ruhig im Keller der Berufsfachschule. Der Test der Trowalisiermaschinen war beendet. Anschliessend mussten die Kleinteile, die in den Behältern behandelt wurden, abgegeben werden. Danach wog und untersuchte Lorenz Sigrist die Teile, um zu ermitteln, welche Maschine am effizientesten gearbeitet hatte. Nach einem Tag waren die Ergebnisse da. Den Wettbewerb gewonnen haben Romano Geninazzi, Lukas Köchli und Yannic Weber. Ihre Maschine hat in einer halben Stunde die beste Wertung erhalten. Aber auch die anderen Lernenden gehen nach diesem Projekt nicht mit leeren Händen nach Hause. Sie alle haben einiges an Fachwissen gewonnen.

Von Felix Ott