Luca und Jonas Ruch haben sich zu einem Wechsel vom UHC Grünenmatt zum UHC Thun entschieden. Beim NLB-Leader sind die Ruch-Brüder die absoluten Goalgetter. · Bilder: Lars Kauz
Von der Strasse ins NLB-Rampenlicht
Wer im Schweizer Unihockey von der NLB spricht, kommt am Namen Ruch kaum vorbei. Bis zur letzten Saison trugen Joël, Jonas und Luca Ruch gemeinsam das Trikot des UHC Grünenmatt – nun ist das erfolgreiche Trio getrennt. Während der älteste Bruder Joël dem Stammverein treu blieb, zog es Jonas und Luca Ruch ins Berner Oberland zum UHC Thun. Und dort sorgen die beiden Emmentaler gleich für mächtig Wirbel: Nach 15 Spielen führt Jonas die NLB-Skorerliste mit 39 Punkten vor seinem Bruder Luca mit 33 Punkten an.
Joël, Jonas und Luca Ruch, Unihockeyspieler aus Sumiswald · Mit diesen hohen Skorerpunkten ist dem Brüder-Duo Jonas und Luca Ruch aus Sumiswald ein Traumstart in einem neuen Umfeld gelungen. Doch die Geschichte der Ruch-Brüder beginnt weit früher, nämlich auf dem Platz vor dem Elternhaus in Sumiswald, im Emmental.
Ein Familienunternehmen
«Mit unserem Vater haben wir schon früh zusammen Unihockey gespielt – er noch mit einem richtigen Hockeystock, wir mit Plastikstöcken», erinnern sich Jonas und Luca im Gespräch lachend. Unzählige Stunden verbrachten die drei Brüder zusammen mit ihren Cousins zwischen zwei Unihockeytoren, oft auch auf Inlineskates. Sport bestimmte den Alltag – und tut es bis heute. Die Familie spielte dabei eine zentrale Rolle. Alle sind im Unihockey irgendwie involviert. Vater Reto engagierte sich als Zeitnehmer, Mutter Rosmarie half im Bistro und bei den Eintritten. Fahrdienste gehörten bei beiden zum Alltag. «Unsere Eltern haben immer alles möglich gemacht – sogar Fahrten bis nach Zuchwil für Joël», erzählen die Brüder dankbar. Trotz sportlicher Ambitionen war Konkurrenz unter den Brüdern nie ein Thema. Jonas: «Seit der gemeinsamen Zeit im selben Team wurde unser Verhältnis noch enger, auch weil wir denselben Kollegenkreis haben.» Luca ergänzt: «Wir konkurrenzieren uns nicht – wir wachsen daran. Man ist ehrlicher zueinander als mit einem Teamkollegen.»
Das «Ruch-Trio» beim UHC Grünenmatt
Über viele Jahre prägten die Brüder den UHC Grünenmatt. Joël spielt seit 16 Jahren für den Verein, Luca ebenfalls seit 16 Jahren und Jonas sogar bereits seit 20 Jahren – inklusive Abstechern zu anderen Klubs. Jonas spricht liebevoll vom «Wohnzimmer», wenn er das Forum meint, wo der UHCG seine Heimspiele austrägt. Sportlich gab es Höhepunkte: Jonas stand in der Saison zwischen 2015 und 2017 mit dem UHC Grünenmatt in der NLA auf dem Feld. «Es war cool, mit Spielern wie Flühmann oder Beer zu spielen», erinnert er sich. Luca nennt als emotionalsten Moment ein Derby in den Playouts gegen Eggiwil, das Grünenmatt in einem alles entscheidenden und hart umkämpften Spiel mit 3:2 gewann. Gemeinsam mit den Brüdern zu spielen, war stets ein Vorteil. «Wir verstehen uns blind – die Laufwege sind automatisiert», erklärt Luca. Jonas ergänzt: «Es ist speziell und wunderschön zugleich, diesen Teamsport gemeinsam auszuüben.»
Ein schwerer Abschied – aber zur richtigen Zeit
Dreimal gelang dem UHC Grünenmatt mit dem Ruch-Trio der Einzug in die NLB-Playoffs – dreimal schied man ohne Sieg aus. «Irgendwann stimmte für uns der Aufwand und der Ertrag nicht mehr überein», sagen Jonas und Luca rückblickend. Der Entscheid, Grünenmatt zu verlassen, fiel den beiden nicht leicht. «Meine Verbundenheit ist riesig, ich vermisse mein Wohnzimmer schon noch», gibt Jonas lächelnd zu. Auch für Luca war es schwierig: «Man lässt alles zurück – aber irgendwann musste eine Veränderung kommen. Wenn nicht jetzt, wann dann?» Dass der Wechsel «innerhalb der Liga» stattfand, war bewusst gewählt – auch wenn klar war, dass man dem Ex-Verein und dem eigenen Bruder nun als Gegner begegnen würde. «Man hat deutlich gespürt, dass man uns in Thun wirklich will – und bewusst auf ausländische Verstärkung verzichtet», sagt Jonas.
Neue Heimat im Berner Oberland
Beim UHC Thun fanden die Brüder rasch Anschluss. «Wir wurden extrem gut aufgenommen – auch ein Team-event im Wallis hat geholfen», erzählt Luca. Und Jonas schmunzelt: «Wir sind fast immer die Letzten, die nach dem Training nach Hause gehen – das war in Grünenmatt schon so.» Ein fester Bestandteil ist der sogenannte Kulturabend anschliessend an das Donnerstagtraining, bei dem Spieler abwechslungsweise für Essen sorgen: Von Chips über Burger, Lasagne, Fajitas bis hin zu Raclette und Fondue ist mittlerweile alles dabei. Der Verein sei familiär, aber zugleich professionell geführt. Das klare Saisonziel: der Aufstieg in die NLA. Im neuen Team sind die Rollen klar: Tore schiessen, Verantwortung übernehmen, Spiele entscheiden. «Das erwarten Trainer und Mitspieler von uns – und wir auch von uns selbst», so Jonas. Dennoch betonen beide: «Nicht nur wir können Spiele entscheiden – das ist unsere grosse Stärke als Team.»
Skorerkönige mit Bodenhaftung
Mit 39 Skorerpunkten nach 15 Spielen steht Jonas mit sechs Punkten Vorsprung auf seinen Bruder Luca an der Spitze der Skorerliste in der NLB. Doch der Fokus bleibt auf dem grossen Ziel. «Ein Tor in einem Match zu erzielen, ist in diesem Moment das schönste Gefühl überhaupt», sagt Jonas. «Aber am Ende zählt nicht die Einzelwertung, sondern der NLA-Aufstieg. Allein kann man nichts bewirken.» Auch Luca bleibt bodenständig: «Die Punkte geben Sicherheit und stärken das Selbstvertrauen – aber das kann sich schnell ändern.» Intern herrscht keine Rivalität – oder doch? «Wir spornen uns gegenseitig an – auch neben dem Feld», erzählen sie lachend. Nachdem Jonas mitbekommen hatte, dass Luca mehrere Kilometer joggen gegangen war, schnürte er kurzerhand selbst die Laufschuhe und zog ebenfalls los – und bezahlte dies mit heftigem Muskelkater.
Doppelbelastung: Sport Beruf und Studium
Beide Brüder investieren enorm viel in ihr Hobby: drei Mannschaftstrainings, bis zu zwei Krafteinheiten pro Woche, dazu die Spiele am Wochenende. Daneben stehen Beruf und Studium. Luca arbeitet als Logistiker in Burgdorf, Jonas studiert an der PH Bern und unterrichtet mit einem 50-Prozent-Pensum als Lehrer in Lützelflüh. Die Disziplin ist gross – der Traum von der NLA lebt. Trotz Tabellen- führung bleiben die Brüder kritisch. «Wir haben wichtige Spiele verloren – im Cup gegen GC klar, gegen Kloten-Dietlikon ebenfalls», analysiert Jonas. «Konstanz ist der Schlüssel. In den Playoffs beginnt alles wieder bei null.» Und wie sieht es mit einem allfälligen Wechsel zu einem NLA-Team aus? Jonas sagt klar: «Ich will Wirkung erzielen – nicht bei einem «grossen» Verein wenig spielen oder gar auf der Bank sitzen, das ist nicht mein Ziel.» Luca hält fest: «Ich kann mir gut vorstellen, mit Thun in der NLA zu spielen.» Ob der grosse Traum vom Aufstieg Wirklichkeit wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Sicher ist: Die Reise der Ruch-Brüder bleibt spannend – und das «UE»-Gebiet blickt mit Stolz ins Berner Oberland. ar