• Christen schätzt die Gelassenheit von Trakehner Emil, hier bei den Berner Dragonern 1779.

  • Peter Christen an einer Concours-Complet-Prüfung. · Bilder: zvg

  • Der Rohrbacher mit dem 14-jährigen Trakehner Emil und dem 10-jährigen irischen Sportpferd Point. · Bild: Karin Rohrer

10.10.2025
Oberaargau

Wie Peter Christen die Reitsportszene prägte

Peter Christen kennt die Schweizer Reitsportszene, hat sie als aktiver Reiter wie auch als Richter, Trainer oder im Verbandsvorstand beeinflusst. Seine zwei Warmblutpferde bedeuten für ihn Erholung, Wurzeln und immer ein Nachhausekommen.

Aufgewachsen ist Peter Christen in Rohrbach, wo er noch heute sein Domizil hat, obwohl er mit seinen zwei Pferden ein «Nomadenleben» führt und die Hälfte der Woche in Deisswil im Stall Kläy anzutreffen ist. Von klein auf hatte er ein Flair für Natur, Landwirtschaft und Tiere: «Speziell hingezogen fühlte ich mich zu den Pferden. Das grosse Tier mit so viel Kraft und trotzdem im Dienst des Menschen, das hat mich immer fasziniert.» So kamen für ihn eigentlich nur Landwirtschaft oder Tierarzt in Frage als Berufswunsch. «Sprachen waren jedoch nicht so meine Stärke und ich wollte das Lateinlernen weder mir noch einem Lehrer zumuten. Deshalb habe ich zwei bäuerliche Lehrjahre absolviert», schmunzelt Christen. Es folgte ein Jahr Praktikum auf einem grossen Milchwirtschaftsbetrieb in der Normandie und zwei Winter an der landwirtschaftlichen Schule Waldhof. Weitere zwei Jahre stand Christen im Militärdienst, von Rekrut bis Leutnant, alles in Aarau bei der Kavallerie: «Dort habe ich von Grund auf den Umgang und das Reiten nach militärischem Aspekt gelernt. Eine harte Schule, aber man lernte, den Details Beachtung zu schenken. Und man nahm sich die Zeit für eine saubere Trense nach dem Reiten oder einen guten Hufbeschlag. Diese Zeit für Details fehlt heute etwas, denn es ist nicht mit dem Reiten getan. Eine gute Bindung mit einem Fluchttier aufzubauen braucht eine gewisse Zeit», sinniert der 76-Jährige.

Allrounder auf vier Hufen
Sein Vater kaufte ihm 1969 nach der Rekrutenschule den ersten «Eidgenoss», eine Irländerstute. Eine wahre Allrounderin, die für Landwirtschaft, Militärdienst, Fahren, Dressur, Springen und Military eingesetzt werden konnte. Dies vermisst Christen heute und er ist der Meinung, dass der Wunsch nach Spezialisierung in der Zucht, die Vielseitigkeit und Robustheit etwas verdrängt hat. Er erinnert sich an Springprüfungen in Langenthal, an denen Reiter aus der ganzen Schweiz teilnahmen. Diese reisten mit ihren Pferden per Eisenbahn an und nach ihrer Rückkehr am Montag wurden die Vierbeiner wieder für die Landwirtschaft eingesetzt. Peter Christen war vielseitig unterwegs, im Spring- oder Dressursattel. «Man hatte im Reitverein einmal die Woche Training und sonst war nicht viel los, wir hatten viel Zeit für Pferd, Verein und Kameradschaft. Mit der Zeit wurde alles schnelllebiger, durch Mobilität und Computerwelt, ein grosser Wandel hat stattgefunden», sinniert Christen.

Verschiedene Führungstätigkeiten
Nach dem Militärdienst absolvierte Christen das landwirtschaftliche Technikum (heute HAFL) auf Tierzucht und Tierernährung, war Betriebsleiter im Jura und dann während 23 Jahren bei der Fenaco/UFA und 15 Jahre bei Proviande. Als Bereichsleiter konnte er seine Passion ausleben, mit Menschen zu arbeiten. Dies hat ihm immer gefallen: «Durch diese Führungstätigkeiten habe ich gelernt, die Menschen nach ihren Fähigkeiten einzusetzen. Und dies konnte ich auch in über 20 Jahren Vereinspräsidium und in vielen Jahren als OK-Präsident ausleben.» Als 27-Jähriger wurde Christen Vizepräsident im Zentralschweizerischen Kavallerie- und Pferdesportverband (ZKV) und leitete diesen acht Jahre als Präsident. Hier erlebte er den Umbruch durch Aufhebung der Kavallerie und die Veränderungen im Vereinsleben. Nebst Vereinstrainer und Jurypräsident war er Richter verschiedener Pferdesportdisziplinen und 17 Jahre im Pferdesportverband: «Es waren alles Herausforderungen, die ich gerne angenommen habe.»

Bewährtes Zweiersystem
Als 25-Jähriger hat Christen erstmalig zwei Pferde gleichzeitig geführt und diesem Prinzip ist er treu geblieben. Ein Pferd läuft im Sport und nebenher wird ein Jungpferd ausgebildet. Er reitet heute noch gerne, auch mal in einer Dressurstunde oder an einem Dragonerspringen. Christen hatte als leidenschaftlicher Concours-Complet-Reiter immer ein Flair für hoch im Blut stehende Warmblüter. Er freut sich, dass in Sachen Pferdehaltung viele Fortschritte gemacht wurden. «Ein Pferd braucht nicht wöchentlich einen Therapeuten, sondern vernünftige Haltung und Arbeit. Immer mehr Pelz und Glitzersteine machen die Tiere nicht glücklicher. Man soll dem Wesen Pferd die nötige Zeit und Aufgaben geben, es reiten, ohne ihm Schaden zuzufügen. Ich hoffe, dass auch in Zukunft die Menschen die Zusammenarbeit mit dem Pferd suchen, sich mit ihm beschäftigen und an den gemeinsam erreichten Fortschritten erfreuen können.»