Nur noch bis Ende Jahr hier tätig: Die Marmobisa AG konzentriert ihre Tätigkeiten am Hauptsitz in Ebersecken und schliesst den Standort Huttwil. · Bild: zvg
Wieder verlässt ein Unternehmen Huttwil
Erneut verlässt ein namhaftes Unternehmen Huttwil. Die Marmobisa AG hat mitgeteilt, dass sie ihre Tätigkeiten am Hauptsitz in Ebersecken konzentriert und auf Ende Jahr den Standort Huttwil aufgibt. Das Gebäude soll verkauft werden.
Es sind keine guten Nachrichten für die Gemeinde Huttwil, welche die Marmobisa AG vor wenigen Tagen verkündet hat. Im Hinblick auf das 40-jährige Bestehen im Jahr 2026 richtet das Unternehmen seine Organisation neu aus und konzentriert seine künftigen Tätigkeiten auf den Hauptsitz im luzernischen Ebersecken, wie das Unternehmen mitteilt. Hier soll ein modernes Kompetenzzentrum für Bad, Wellness, Boden- und Wandbeläge entstehen. Dafür investiert die Marmobisa in erweiterte Büroräume und Ausstellungsflächen. Neben Ebersecken wird das Unternehmen weiterhin die Standorte Cham und Ittigen betreiben.
Schaffung eines Kompetenzzentrums
Gemäss Marmobisa-Mitinhaber Daniel Bircher ist die geografische Nähe der beiden Standorte Huttwil und Ebersecken der Hauptgrund für die Schliessung des Standortes Huttwil. «Zwei so grosse Ausstellungs-Standorte zu betreiben, die lediglich 15 Autominuten voneinander entfernt liegen, macht wirtschaftlich keinen Sinn», begründet er und fügt hinzu, dass ein solches Konstrukt viel zu kostenintensiv sei. Gleichzeitig kämpfe man am Standort in Ebersecken seit geraumer Zeit mit Personalmangel. Aus diesem Grund werden auch alle Mitarbeitenden aus Huttwil übernommen, womit niemand seinen Arbeitsplatz verliert, erläutert Bircher gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Damit endet eine relativ kurze Episode von Marmobisa in Huttwil, die im Jahr 2019 die damalige Keramikland AG und deren Firmensitz übernahm. «Die Zusammenführung in Ebersecken ist für uns ein konsequenter Schritt, um unsere Stärken zu bündeln und die Zukunft der Marmobisa AG gemeinsam mit allen drei Standorten erfolgreich zu gestalten. Wir investieren gezielt in die Region und schaffen ein Kompetenzzentrum, das unseren Kundinnen und Kunden einen ech-
ten Mehrwert bietet», gibt Daniel Bircher mit Blick in die Zukunft zu verstehen.
Käufer für Firmengebäude gesucht
Verständlicherweise nicht gerade erfreut über diese Entwicklung ist Adrian Wüthrich, Gemeindepräsident von Huttwil. «Jeder Abgang einer Firma schmerzt», sagt er zum «UE». Die Marmobisa sei ein Blickfang gewesen am Ortseingang von Huttwil bei der Anfahrt aus dem Kanton Luzern. Viele Leute hätten es geschätzt, in Huttwil die Ausstattung für ihr Badezimmer oder ihren Wellnessbereich zu beziehen. Wüthrich zeigt aber auch Verständnis für das Vorgehen des Unternehmens. «Aus der Sicht von Marmobisa ist dieser Schritt nachvollziehbar.» Obwohl die Gemeinde zuletzt mit dem Wegzug der Afag, der Frilo AG, der Heilpädagogischen Schule oder der Schliessung der Flyer-Produktion gewichtige Abgänge und Arbeitsplatzverluste habe verkraften müssen, sieht Wüthrich keinen direkten Zusammenhang mit Huttwil als Standort. «In jedem Fall gab es individuelle, spezielle Argumente und Gründe für die Verlegung des Firmensitzes oder der Produktion.» Wüthrich ist deshalb überzeugt, dass Huttwil weiterhin ein guter Standort für Unternehmen ist. Dabei verweist er auf die kürzliche Ankündigung der Stiftung Lebensart, die das alte Spital in Huttwil gekauft hat und hier ein Pflege- und Wohnangebot schaffen will. Der Gemeinderat unternehme alles, damit Huttwil ein attraktiver Wirtschaftsstandort ist und versuche gute Rahmenbedingungen für die Unternehmen zu schaffen. Das Firmengebäude, in dem sich bis Ende Jahr die Ausstellung der Marmobisa befindet, ist im Besitz des Luzerner Unternehmens. Gemäss Daniel Bircher soll dieses verkauft werden. Erste Gespräche mit möglichen Käufern würden noch diesen Herbst aufgenommen, erwähnte er. Darin sieht auch Adrian Wüthrich einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft. Der Huttwiler Gemeindepräsi-dent sagt dazu: «Natürlich hoffen wir, dass sich hier wieder ein Unternehmen ansiedelt, das vielleicht sogar noch mehr Mitarbeitende als Marmobisa beschäftigt und damit zusätzliche Arbeitsplätze in unserer Gemeinde schafft.»
Von Walter Ryser