Das neue Windrad auf dem Schaber hat eine Leistung von 25kW und produziert Strom für rund zehn bis zwölf Haushaltungen. · Bilder: Barbara Heiniger
Windenergie auf dem Schaber hat Tradition
Auf dem Schaber in Wyssachen dreht sich wieder ein neues Windrad. Dank der Initiative von Lukas Meister und der Wyssacher Energietechnikfirma clevergie ag kann auf dem markanten Standort wieder Energie gewonnen werden. Die Geschichte um die Windräder auf dem Schaber ist spannend und reicht bis ins Jahr 1993 zurück. Mit dem neuen Windrad wird Strom für rund zehn bis zwölf Haushalte, oder zirka 70 Prozent des Verbrauchs von clevergie, produziert.
Wyssachen · «Das Windrad könnte fast noch etwas grösser sein, Platz wäre ja hier genug vorhanden», stellten Christian Aebi, Projektleiter bei clevergie, und Lukas Meister, Geschäftsleiter clevergie, mit einem feinen Lächeln fest. Die beiden Männer waren aktiv am Gelingen des Projektes beteiligt und freuen sich über die Inbetriebnahme der neuen Windkraftanlage. Zuvor aber galt es, einige Herausforderungen zu bewältigen.
Tief verankert und elegant in der Luft
Um das neue Windrad fest im Boden zu verankern, musste zuerst ein gutes Fundament gebaut werden. Dabei kam für die Betonlieferung sogar ein Helikopter zum Einsatz. Damit konnten Landschäden vermieden werden, und die Arbeiten rund um das Betonieren waren sehr effizient. Als das Fundament fest war, konnte einige Zeit später die dänische Windturbine, vom Hersteller «SolidWindPower», fachgerecht montiert werden. Sogar ein Ingenieur des Herstellers war vor Ort, um auf dem Schaber hautnah zu verfolgen, ob alles klappt. Einen ganzen Tag dauerte es, bis das Windrad, hergestellt in Dänemark, auf dem Schaber senkrecht stand und sich die Flügel elegant in der Luft drehten. Dabei waren viele handwerkliche Fähigkeiten nötig und einige ausgewiesene Fachleute an der Arbeit. Das Windrad auf dem Schaber hat eine Leistung von 25kW und produziert Strom für rund zehn bis zwölf Haushalte oder rund 70 Prozent des Verbrauchs der clevergie ag. Rund zwei Drittel der Energie produziert das Windrad im Winterhalbjahr, was sehr gut zum höheren Stromverbrauch passt. «Das ist perfekt für beispielsweise eine Wärmepumpe: Wenn im Winter die Bise das Haus auskühlt, macht das Windrad den Strom für die Heizung», erklärt Lukas Meister.
Wirtschaftlicher Betrieb
Der Strom vom Windrad auf dem Schaber wird mittels lokaler Elektrizitätsgemeinschaft (LEG), welche ab 2026 möglich wird, bei der clevergie ag im Möösli gebraucht. Dieser Stromhandel innerhalb des Gemeindegebiets ermöglicht einen wirtschaftlichen Betrieb, da man so nicht von den Rückliefertarifen der BKW abhängig ist. Dieser Tarif ist momentan sehr tief, so dass er sich für die Nutzer kaum lohnt. Die Kosten sind beim Bau von Windrädern ebenfalls ein Thema mit diversen Fragen. Während grosse Windräder mit bis zu 60 Prozent der Investition gefördert werden, gibt es für kleinere Windräder keine Förderung. Da stelle sich die Frage nach dem «Warum?». Einmal mehr seien die kleineren Projekte benachteiligt, was ganz klar auch die ländlichen Randregionen betreffe, erkennt Lukas Meister.
Spannende Geschichte
Die Geschichte um das Schaber-Windkraftwerk kennt der Geschäftsleiter der clevergie ag bestens. Bereits 1990 erkannte die Firma Meteotest in Bern, dass für eine sichere Stromversorgung ein Umlenken auf die erneuerbaren Energien nötig ist. Windmessungen auf dem Schaber ergaben, dass der Standort mit einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 4,8 Meter pro Sekunde (17,3 km/h) gute Windverhältnisse für eine Kleinwindanlage aufweist. Der Schaber liegt auf der Krete oberhalb des Oberwaldes, an der Grenze der Gemeinden Sumiswald und Wyssachen. Nach einer dreijährigen Planung sowie umfangreichen Bewilligungsverfahren konnte die Pionieranlage 1993 ihren Betrieb aufnehmen. «Weil der Betrieb einer Windkraftanlage nicht ins Kerngebiet der Firma Meteotest gehörte, wurde die Anlage an die Energiegenossenschaft ADEV verkauft. Die Anlage lief einige Jahre und produzierte Energie. Der Wartungsaufwand durch Techniker war für die kleine Anlage nicht rentabel, und so wurde sie an die Proma Energie und dann an die Elaqua AG in Glattbrugg verkauft», erinnert sich Lukas Meister. Die Firma Südwind GmbH, Hersteller dieses Windrad-Typs, war in Konkurs gegangen und Ersatzteile waren nicht mehr lieferbar. Es wurde nach Lösungen gesucht, um das Windrad wieder betriebstüchtig zu machen. Es war eine komplette Revision aller Anlagenteile notwendig geworden. Die Elaqua AG entschloss sich, das Windrad zu verkaufen oder stillzulegen und den Standort definitiv aufzugeben.
Und das Windrad dreht sich weiter
Ohne zu zögern erwarb Lukas Meister, damals im Jahr 2011, das alte Windkraftwerk. Die Elaqua AG war froh, dass jemand bereit war, die Anlage weiterzuführen. Der Wyssacher studierte damals an der Zürcher Fachhochschule in Wädenswil Umweltingenieur und war auf der Suche nach einem geeigneten Thema für seine Facharbeit. Das Windkraftwerk wieder in Stand zu setzen war für ihn genau das Richtige. René Dalbert aus Einsiedeln war der motivierte Mitstudent, der als gelernter Elektromonteur wertvolle Inputs einbrachte. Lukas Meister und René Dalbert liessen sich auf diesem herrlichen Flecken Erde gerne den Wind um die Nase wehen, und sie konnten das Windrad im Sommer 2011 wieder in Betrieb nehmen. Nachdem das mittlerweile über 30-jährige Windrad zuletzt mehrfach Störungen und Defekte hatte, ist mit der neuen Lösung die Windkraft auf dem Schaber, einmal mehr, für die kommenden Jahre gesichert. Dies dank innovativen Menschen, die immer wieder bereit sind, auch in ländlichen Gebieten zukunftsgerichtete Projekte zu verwirklichen. Für Lukas Meister hat der Ort sogar noch eine ganz besondere Bedeutung, wurde er doch einst an der Schaber-Predigt getauft. Nun dreht sich das Windrad auf dem Schaber wieder und produziert wertvollen Strom – die erneuerbaren Energien werden so einmal mehr aufs Beste genutzt.
Von Barbara Heiniger