Der historische Handwerkermarkt auf dem Areal der Spycher-Handwerk AG in Schwarzenbach liess während zweier Tagen vergangene Jahrhunderte lebendig werden – mit altem Handwerk, gewandeten Teilnehmenden, Spiel, Musik, Spektakel und mittelalterlicher Kulinarik. · Bilder: Barbara Heiniger
Wo Kakerlaken rennen und Handwerk lebt
Während zweier Tage wurde der historische Handwerkermarkt zu einer lebendigen Zeitreise durch vergangene Jahrhunderte. Über 70 Teilnehmende zeigten auf dem Areal der Spycher-Handwerk AG in Schwarzenbach alte Handwerkstechniken, boten Einblicke in längst vergangene Arbeitswelten und sorgten mit Spiel, Spektakel, Musik und Kulinarik für mittelalterliche Stimmung.
Die Wachleute am Tor liessen das zahlreich erschienene Volk zum Markttreiben ein – allerdings nur jene, die vor ihren strengen Augen Gnade fanden. Zwischen den Ständen flanierten unzählige gewandete Menschen und liessen vergangene Jahrhunderte lebendig werden. In welchen Lederbeuteln und Leinentaschen die Handys versteckt waren, blieb der Fantasie überlassen. «Der Aufbau verlief gut, die Leute sind zufrieden, und es herrscht eine schöne mittelalterliche Stimmung. Sehr viele freiwillige Helferinnen und Helfer stehen im Einsatz – ohne sie wäre es unmöglich, solche Anlässe zu organisieren», sagte Regula Rathgeb, die erstmals die Leitung der Themenmärkte des Mittelaltermarkts innehatte.
Wenn Balduin gewinnt und Agatha sich umdreht
Die alte Zeit war gewiss nicht immer nur gut. Am Handwerkermarkt zeigte sich jedoch, dass Spiel und Spass schon früher ihren festen Platz hatten. Küchenschaben-Wettrennen sollen bereits seit Jahrhunderten überliefert sein. Die Küchenschaben – auch Kakerlaken genannt – gelten seit Urzeiten als Meisterinnen des Überlebens; ihre Evolutionsgeschichte reicht mehr als 300 Millionen Jahre zurück. Einige dieser prächtigen Exemplare traten am Handwerkermarkt in Bestform zum Wettrennen an. Zehn Bahnen standen bereit, jede mit einem Namen versehen. Kunigund, Kasimir, Odin, Walburga und Gallus warteten geduldig, bis sich das Startfenster öffnete. Agatha dagegen fehlte offenbar die nötige Konzentration: Sie drehte sich immer wieder um. In einem der Durchgänge wurde Balduin zum Sieger ausgerufen – und sein Wettpate durfte sich über einen Preis freuen. Auch die übrigen Teilnehmenden gingen nicht leer aus: Etwas Süsses kam bestens an.
Gleich nebenan wurde Mäuse-Roulette gespielt – allerdings nicht mit lebenden Mäusen, sondern mit einer Holzkugel und einer schwingenden Holzschüssel. Fand die Kugel den Weg in eines der kleinen Handwerkerhäuschen, gab es auch dort glückliche Gewinnerinnen und Gewinner.
Handwerkskunst in voller Blüte
Eine spannende Zeitreise durch die Jahrhunderte erlebten die Besucherinnen und Besucher während zweier Tage am historischen Handwerkermarkt. Über 70 Teilnehmende zeigten, wie früher gearbeitet, gestaltet und gelebt wurde. An den liebevoll eingerichteten Marktständen präsentierte sich eine Fülle prächtiger Gegenstände – Unikate, denen man die unzähligen Arbeitsstunden kaum ansah, die in ihnen steckten. Besonders eindrücklich waren die zahlreichen Vorführungen. Zu bestaunen gab es Handwerkskunst in höchster Vollendung: Frivolité, Fellnähen, Bandweben, Stein- und Eisenbearbeitung, Kammmacherei, Haarpflege sowie Arbeiten mit Gold, Federn und Leder. Auch die Gutenberg-Druckerei führte vor Augen, wie bereits im Mittelalter Neuigkeiten zu Papier gebracht wurden. Kräuterkundige und Baderinnen rundeten das vielfältige Bild ab. Um all die Eindrücke, Begegnungen und besonderen Auftritte dieses gelungenen Anlasses einzufangen, reichten zwei Tage kaum aus. Für Kinder bot ein spezielles Programm zahlreiche Erlebnisse und Attraktionen. Hunger und Durst liessen sich in der Schenke stillen, wo das Volk «Spys und Trunk» vorfand, oder an den verschiedenen Marktständen. Ritterkämpfe, Feuershow und Bogenschiessen sorgten für Spannung, während Gaukler, Tänzerinnen und Tänzer sowie «Musikusse» mit historischen Instrumenten kulturelle Farbtupfer setzten. Über dem prächtigen historischen Markt lag ein Hauch von leichtem, fröhlichem Leben aus vergangener Zeit. «Alles hat geklappt: Die Mirage-Züge transportierten viele Passagiere zum Marktplatz, und auch die Parkplatzeinweisung funktionierte», stellte Regula Rathgeb dankbar fest. Nach der Ablösung einiger langjähriger Marktverantwortlicher seien die «Neuen» froh gewesen, von den Erfahrungen der Ehemaligen profitieren zu können. Nun richtet sich der Blick bereits nach vorn: Auf den nächsten historischen Handwerkermarkt am ersten Juli-Wochenende 2027 freuen sich Beteiligte und Besuchende schon jetzt.
Von Barbara Heiniger