• Bei hochsommerlichen Temperaturen blieb das Wuhrplatzfest am Freitag und Samstag gut besucht. · Bild: Felix Ott

  • Die Langenthaler «Fassduubeli» zeigten, wofür sie seit 45 Jahren bekannt sind. · Bild: Felix Ott

  • Im schrägen Look spielten «Tinto Brass» bei knapp 35 Grad im Schatten. · Bild: Felix Ott

  • Auf dem ganzen Wuhrplatz waren überall Bereiche für ein gemütliches Beisammensein verteilt. · Bild: Felix Ott

19.08.2026
Langenthal

Wo Musikvielfalt auf Sommerhitze trifft

Das Wuhrplatzfest hat am Freitag und Samstag einmal mehr ein breites Publikum ins Langenthaler Stadtzentrum gelockt. Dazu trugen neben dem Wetter vor allem das musikalisch ungewöhnlich breite Programm und die enge Einbindung der lokalen Betriebe bei.

 

Wer am vergangenen Wochenende über den Wuhrplatz schlenderte, musste sich musikalisch auf einiges gefasst machen. Kaum hatte man sich an einen Stil gewöhnt, klang es von der nächsten Bühne bereits wieder ganz anders. Genau diese Mischung gehört inzwischen zum Charakter des Wuhrplatzfests. Rock, Rap, südamerikanische Rhythmen, Synth-Pop, Mundart, Indie-Folk, Brass, Balkanklänge, Reggaetronic und Ska-Punk fanden innerhalb von zwei Tagen auf demselben Platz zusammen.

Am Freitag eröffneten die Langenthaler «Fassduubeli» ihr 45. Jubiläumsjahr mit zwei Auftritten am Fest. Danach sorgte «Trash Tongue» mit einer Mischung aus Garage-Rock und ungewöhnlicheren Klängen für einen ersten Kontrast. Später standen mit «El Mercader» südamerikanisch geprägte Cumbia, mit «Big Zis» und «DJ Nyancrimew» Schweizer Rap und mit «Paraphon» verträumter Synth-Pop auf dem Programm. Auch nach den Konzerten war noch nicht Schluss. In der «Fräne» und im Chrämerhuus wurde bis in die frühen Morgenstunden weitergefeiert.

Der Samstag begann deutlich familienorientierter. Das magische Puppenorakel bespielte den Platz während mehrerer Stunden, beim «Kinder-Flohmi» wechselten Spielsachen ihre Besitzerinnen und Besitzer und am «Handwerks-Märit» gab es Selbstgemachtes zu entdecken. Mit «Tinto Brass» und dem inklusiven Bandprojekt «SchallwellA» rückte am Nachmittag wieder die Musik stärker in den Mittelpunkt. Am Abend folgten unter anderem «Prince Jelleh», das neunköpfige Projekt «MOIRA X OTRAVA» sowie «iLLBiLLY HiTEC». Den musikalischen Schlusspunkt setzte «Skassapunka» mit einer Mischung aus Ska und Punk.

Vielfalt erreicht musikoffenes Publikum

Gerade diese Vielfalt dürfte mit ein Grund dafür sein, dass das Wuhrplatzfest ein Publikum erreicht, das sich nicht auf eine bestimmte Musikrichtung eingrenzen lässt. Das Fest ist vielmehr ein Entdeckungsort. Wer kommt, kennt nicht zwingend alle Bands. Dafür gehört es zum Konzept, sich auf Neues einzulassen. Gleichzeitig bleiben vertraute Bestandteile erhalten. Dazu zählt das Dampfbad direkt an der Langete. Mit Liegen und Schwitzhütte gehört es inzwischen zu den festen Bestandteilen des Rahmenprogramms. Ebenfalls wieder eingerichtet war die «Badi Knöcheltief». Bei den hohen Temperaturen wurde der Bereich an der Langete für eine kurze Abkühlung oder eine Pause genutzt. Zum weiteren Rahmenprogramm gehörten die während des ganzen Fests geöffnete Secondhand-Boutique «2te Rosa», das lokal gebaute «Pacemaker»-Soundsystem und die «Fräne» als kleiner Partyraum bei der Langete-Brücke.

Die Hitze stellte die Veranstaltenden gleichzeitig vor eine praktische Aufgabe. Wer über Stunden auf dem Platz blieb, musste genügend trinken. Gratis Wasser wurde deshalb bei der «WUPF»-Bar so-wie beim «Awareness-Stand» abgegeben. Dass Wasser unkompliziert zugänglich war, erwies sich an diesem Wochenende nicht als Nebensache, sondern als wichtiger Teil der Infrastruktur.

Auch kulinarisch bleibt das Wuhrplatzfest eng mit seinem Standort verbunden. Die rund um den Platz ansässigen Bars und Restaurants sind in das Fest eingebunden und ergänzen das Angebot der weiteren Stände. 

So zeigte sich am Wochenende erneut, was das Wuhrplatzfest seit Jahren auszeichnet. Es verbindet Konzertbetrieb mit Stadtfest, lokale Verankerung mit musikalischen Entdeckungen und professionelles Programm mit bewusst unkomplizierter Atmosphäre. Das heisse Sommerwetter half bei der Stimmung. Dass der Wuhrplatz über viele Stunden belebt blieb, lag aber nicht allein an den Temperaturen.

Von Felix Ott