Die Oberaargauer Maritz-Batterie übte auf dem Armee-Schiessplatz «Buechighus» den scharfen Schuss mit der Kanone. Auf dem Bild wird die Lunte zur Zündung vorbereitet. · Bilder: Ulrich Steiner
Wo Schwarzpulver die treibende Kraft ist
Seit zehn Jahren üben die Oberaargauer Maritz-Batterie und die Compagnie 1861 aus dem Zürcher Oberland auf dem Armee-Schiessplatz «Buechighus» den scharfen Schuss. Am vergangenen Samstag herrschte im Hornbach wiederum militärische Disziplin wie anno dazumal.
Wasen · Die 1983 im Oberaargau gegründete Maritz-Batterie repräsentiert die kantonale Berner Artillerie aus historischer Zeit (18./19. Jahrhundert). Sie ist eine aktive Sektion im Unteroffiziersverein Langenthal. Mit der korrekten Handhabung der Vorderlader-Geschütze nach damaligen Reglementen pflegen und beleben die Kanoniere das Kulturgut der Milizarmee. Die Einsätze erfolgen meist an historischen Märkten (Gotthelf-Märit, Sumiswald), militärische Zeremonien, Hochzeiten, Jubiläen, Eröffnungsfeiern, Geburtstage, scharfer Schuss und anderes mehr. Zweimal jährlich wird auf dem Armee-Schiessplatz «Buechighus» im Hornbach hinter Wasen mit Vorderlader-Waffen das scharfe Schiessen geübt. Mit von der Partie ist jeweils auch die befreundete Compagnie 1861 aus dem Zürcher Oberland.
Die 2-Pfünder-Maritz-Kanone
«Als einfacher Handwerker stellte der Burgdorfer Johannes Maritz (1680– 1743) zu Beginn des 18. Jahrhunderts Rohre für Kanonen und Mörser her. Zu Ruhm und Ehre gelangte er durch die Erfindung einer Geschütz-Bohrmaschine. Heute benützen wir ein originalgetreues Replikat einer 2-Pfünder- Maritz-Kanone mit Kaliber 6,3 cm. Für die Geschütz-Kommandos gilt das Bedienungsreglement der Berner Artillerie von anno 1793», erklärte Heinz Greub, Kommandant der Maritz-Batterie. Auch wenn die Szenerie von viel Schall und Rauch geprägt war – die Treffsicherheit auf ein Ziel in 180 Metern Entfernung war erstaunlich hoch. Sämtliche der 14 selbst gegossenen Kanonenkugeln trafen die Zielscheibe im Gegenhang. Anschliessend sammelte die originalgetreu uniformierte eidgenössische Compagnie 1861 Erfahrungen in der Handhabung ihrer Vorderlader-Flinten und -Gewehre im gezielten Einzelfeuer.
Nutzung des Schiessplatzes ist unsicher
Ob der Armee-Schiessplatz «Buechighus» weiterhin für die Ausbildung an den historischen Vorderlader-Waffen genutzt werden kann, ist unsicher. Aufgrund der verschärften Lärmschutzvorschriften und mit Rücksicht auf die Freizeitbedürfnisse der Bevölkerung seien viele Schiessplätze am Wochenende gesperrt, erklärten die Verantwortlichen der beiden Vereine beim kameradschaftlichen Mittagessen aus der Feldküche. Dass das Militär auf diesen Anlagen Vorrang habe, sei richtig und wichtig. «Allerdings sollten Schiessübungen an Samstagen weiterhin möglich sein, damit sich ausserdienstlich engagierende Schützen dafür nicht noch zusätzliche Ferientage nehmen müssen.»
Von Ulrich Steiner