• So werden die Gebäude nach Fertigstellung von der Strasse her aussehen. · Bild: zvg

  • Eine der Wohnungen von innen mit einer möglichen Möblierung. · Bild: zvg

  • So sieht die Baugrube in Langenthals Zentrum derzeit aus. Mit den Arbeiten wurde vor Kurzem begonnen. In etwas weniger als zwei Jahren kann hier im Herzen der Stadt gewohnt werden.

  • In der Zeitkapsel befindet sich unter anderem eine Ausgabe des «Unter-Emmentalers» vom 24. Februar 2026. · Bilder: Reto Pfister

09.03.2026
Langenthal

Wohnen an der Eingangspforte

Die Bauarbeiten sind bereits gestartet, der Grundstein ist gelegt. In den nächsten zwei Jahren entstehen in Langenthals Zentrum 29 Eigentumswohnungen und zwei Gewerbeeinheiten. Vorausgegangen ist eine mehr als zehnjährige Planung.

 

Wenn man vom Langenthaler Bahnhof in Richtung Zentrum marschiert, fällt an der Kreuzung der drei wichtigen Achsen Bahnhof-, Bützberg- und Tellstrasse ein leerstehendes Areal auf. Lange wird es aber nicht mehr leer stehen. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, am letzten Freitag wurde offiziell der Grundstein zum Projekt «Wohnen am Brunnenplatz» gelegt. In einem symbolischen Spatenstich wurde unter anderem eine sogenannte «Zeitkapsel» im Boden versenkt. In dieser befinden sich Unterlagen über das Projekt, Glückwünsche der anwesenden Käuferschaft, aber auch lokale Zeitungen. Dazu gehört die Ausgabe des «Unter-Emmentalers» vom 24. Februar 2026 mit den Bildern der lokalen Olympia-Medaillengewinnerinnen Carole Howald und Lara Christen auf der Frontseite. Bald wird das Projekt auch in der Höhe sichtbar sein. Bis Anfang 2028 werden 29 Eigentumswohnungen sowie zwei Gewerbeeinheiten gebaut. Langenthals Innenstadt erhält somit an einem markanten Punkt ein neues und modernes Element.

Keine Einsprachen
An der Grundsteinlegung wurde noch einmal auf die Geschichte des Bauprojekts zurückgeblickt. Projekte dieser Grössenordnung, erst noch an einem zentralen Ort, bedürfen einer ausgeklügelten und langen Planung. Diejenige beim Projekt «Wohnen am Brunnenplatz» begann vor mehr als einem Jahrzehnt. «Es war ein langer Weg, den wir zurückgelegt haben», sagte Gian Kämpf, der CEO der federführenden Architekten Ducksch Anliker, an der Grundsteinlegung. 2013 begann die Planung, das Unternehmen Ducksch Anliker stellte bei der Stadt Langenthal einen Antrag, für das zentrale Areal an der Kreuzung Bützberg-, Bahnhof- und Tellstrasse eine gemeinsame Planung zu erarbeiten. Denn dieses Areal steht nicht an einem x-beliebigen Ort. Es ist nicht weniger als die Eingangspforte zur Innenstadt, die hier neu errichtet wird und quasi automatisch wahrgenommen wird, wenn man hier vorbeifährt oder -geht. 2015 folgte ein Workshop, aus dem ein Richtprojekt hervorging, das vom Lausanner Büro Bakker Blanc erarbeitet wurde. In den folgenden Jahren wurden die baurechtlichen Grundlagen in einer Überbauungsordnung festgehalten. Im Sommer 2025 erhielt das Projekt schliesslich die rechtskräftige Bau­bewilligung. Das Besondere am ganzen Prozess: Es ging keine einzige Einsprache dagegen ein, sodass mit den Arbeiten auf dem Gelände bereits vor der Grundsteinlegung begonnen werden konnte. An dieser wurde der Grundstein in die Zeitkapsel gelegt. Die Zeitkapsel wurde anschliessend auf dem Bauplatz in die Erde versenkt. Sie wird in das Fundament eingemauert. Wenn also jemand irgendwann dort gräbt, wird er oder sie anhand der Ausgabe des «Unter-Emmentalers» feststellen, dass der Grundstein zum aktuellen Projekt unmittelbar nach dem Ende der Olympischen Winterspiele 2026 gelegt worden ist. 

Spielfläche im Kreuzfeld
In Projekten dieser Art ist Verschiedenstes zu beachten. So kommt es sowohl auf Seiten der Verwaltung als auch bei den ausführenden Unternehmen in der Spanne eines Jahrzehnts immer wieder zu Personalwechseln. Dies stellt aber gemäss Lorenzo Baruzzo von Baruzzo Architekten + Immobilien, der für den Verkauf der Wohn- und Gewerbeeinheiten zuständig ist, kein Problem dar. Die Fortschritte in solchen Projekten werden stets detailliert dokumentiert. Eine Baufachperson, die neu dazustösst, kann sich rasch in die Dokumentation einlesen und bekundet keine Mühe, sich in ein laufendes Grossprojekt einzuarbeiten. Dann stellt sich auch heraus, dass diese oder jene Vorschrift auch noch zu beachten ist. «Hier müsste man eigentlich eine Ecke als Spielfläche ausscheiden», gab der bei der Grundsteinlegung ebenfalls anwesende Stadtpräsident Reto Müller (SP) bekannt. Bei einem Projekt, das auf drei Seiten von wichtigen Strassen und zudem von bestehenden Bauten umgeben ist, gestaltet sich dies ziemlich schwierig. Für das «Wohnen am Brunnenplatz» konnte schliesslich definiert werden, dass der Spielplatz im Schulzentrum Kreuzfeld als Spielfläche angerechnet werden kann. So konnte auch diese Klippe umgangen und diese Vorschrift erfüllt werden. 

Zwei Drittel bereits verkauft
Die Überbauung besteht aus drei in der Höhe gestaffelten Mehrfamilienhäusern, die an der Bützbergstrasse angeordnet sind. Insgesamt 29 Eigentumswohnungen werden zum Kauf angeboten, dazu kommen zwei Gewerbeeinheiten. Die Wohnungen umfassen zweieinhalb bis fünfeinhalb Zimmer, verkauft werden sie zu Preisen zwischen 695 000 und 945 000 Franken. Das Projekt greift die historische Gliederung des Strassen- und Hochtrottoirbereichs auf. Entlang der Bützbergstrasse führt das öffentlich zugängliche Hochtrottoir über den Brunnenplatz bis zur Talstrasse. Die Eingänge zu den Gebäuden A und B liegen erhöht am Hochtrottoir, das Haus C ist direkt vom Brunnenplatz aus zugänglich. Wohnen in urbanen Zentren ist heutzutage beliebt, dementsprechend ist das Interesse am Projekt hoch. «Der Verkauf ist erfreulich angelaufen», konnte Lorenzo Baruzzo an der Grundsteinlegung verkünden. Bereits zwei Drittel der Wohneinheiten konnten verkauft werden. Der Brunnenplatz hat seinen Namen vom histo­rischen Brunnen, der sich an diesem Ort befand. Dieser wird wieder aufgestellt und in das neue Gestaltungskonzept des Areals integriert. Bezugsbereit sollen die Wohnungen zu Beginn des Jahres 2028 sein. Dann kann im Herzen Langenthals modern gewohnt werden. 

Von Reto Pfister