Die Woodwork AG ist ein echter Familienbetrieb: Die Familie Ruch freut sich gemeinsam über die Auszeichnung mit von links Thomas, Daniel, Alexandra, Andreas, Therese, Christoph und Monika Ruch. · Bilder: Thomas Peter
Woodwork AG erhält Label «Schweizer Holz»
Die Woodwork AG hat über 4 Millionen Franken in die einstige Halle der Cargobull Schmitz investiert, eine neue Hülle gebaut und das Gebäude aufgestockt. Vergangene Woche wurde dem Huttwiler Familienbetrieb das Label «Schweizer Holz» überreicht. Ein Zertifikat, das man nur erhält, wenn mindestens 80 Prozent inländisches Holz verwendet wird und die Veredelung dementsprechend in der Schweiz vorgenommen wurde. «Damit zeigen wird, dass wir auf Nachhaltigkeit setzen und den Schweizer Markt unterstützen. Das entspricht unserer Firmenphilosophie», sagt Christoph Ruch. Die Nachhaltigkeit der Woodwork AG unterstreicht die Photovoltaikanlage, die pro Jahr 1,62 GWh Strom liefert, was etwa einem Viertel des Stromverbrauchs von Eriswil entspricht.
Die Verleihung der Auszeichnung fand nicht im stillen Kämmerlein statt, sondern wurde gleich in den Frühlingsanlass des Schreinermeisterverbands Kanton Bern integriert, der in Huttwil über die Bühne ging. So wurden rund 50 Augenpaare Zeugen der Übergabe des Zertifikats durch Jürg Rothenbühler, Sektionspräsident und Präsident der Holzwirtschaft des Kantons Bern, der die Plakette von Lignum Holzwirtschaft Schweiz, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft, an Firmengründer Andreas Ruch übergab. Diese Auszeichnung erhält man nicht einfach so, wie Jürg Rothenbühler klar machte. Es gelten etliche Kriterien zu erfüllen: «Mindestens 80 Prozent des verbauten Holzes muss Schweizer Holz sein, und die Wertschöpfung muss auch in der Schweiz stattfinden. Man kann also nicht Schweizer Holz nehmen, es im Ausland veredeln lassen und es wieder in die Schweiz zurück einführen. Die Holzkette muss vom Waldbesitzer bis hin zum Kunden zusammenhängend sein», hielt Jürg Rothenbühler fest. Und diese Kriterien erfüllte der Bau der Woodwork AG. Hier wurden 708 m3 gelabeltes Schweizer Holz verbaut. Dafür seien rund 1600 m3 Rundholz verwendet worden, so Rothenbühler. «Es hat also relativ viel Holz gebraucht, das aber innerhalb von 34 Minuten im Schweizer Wald wieder nachwächst. Darin sind rund 520 Tonnen CO₂ gespeichert, das somit für viele Jahrzehnte der Atmosphäre entzogen wird.» Dies entspreche der Menge, die 103 Menschen pro Jahr verursachen. Das klinge zunächst nach nicht viel, «doch wenn wir dranbleiben und möglichst viel Schweizer Holz verbrauchen, so ergibt dies doch eine ansehnliche Menge.»
Schweizer Wald ist unternutzt
Zwar gäbe es immer mehr solcher Hallen, wie sie hier in Huttwil erstellt wurde, erklärte Rothenbühler. «Aber man kann immer noch viel mehr bauen, der Schweizer Wald ist nur zur Hälfte genutzt, deshalb wäre es gut, wenn wir noch mehr Schweizer Holz brauchen würden. Wenn der Wald genutzt wird, dann wächst er auch besser nach und man hat dann noch mehr Holz zur Verfügung.» Das Zertifikat sei fast so etwas wie ein Bio Label. «Das rote Logo ist quasi der Schweizer Pass für einen der wenigen Rohstoffe, die unser Land hervorbringt. Wer Holz kauft, das mit dem Label Schweizer Holz versehen ist, darf auf den Schweizer Ursprung vertrauen.» Konsequent angewendet betone das Label die Merkmale von Schweizer Holz, signalisiere eine geschlossene Wertschöpfungskette und trage dazu bei, die gesamte Schweizer Wald- und Holzwirtschaft langfristig zu stärken. Und es setze überall ein klares Zeichen für Qualität, Herkunft, Nachhaltigkeit, Regionalität und Vertrauen – ein klares Zeichen für Schweizer Holz. Holz leiste ja auch einen grossen Beitrag zum Klimaschutz. «Wenn man Holz verwendet, ist man sehr nachhaltig. Und die Firma Woodwork spricht nicht nur von Nachhaltigkeit, sondern sie setzt das auch wirklich in die Tat um. Ihr dürft stolz sein, ihr habt dieses Label wirklich verdient.»
Ein Bau, der der Firmenphilosophie entspricht
Ein sichtlich gut gelaunter Christoph Ruch freute sich über die Auszeichnung: «Wir machen unsere Wertschöpfung hier in der Schweiz, dementsprechend ist es natürlich schön, wenn wir auch möglichst viel Schweizer Holz hier verbauen durften und nicht auf Importware zurückgreifen mussten. Das entspricht auch unserer Firmenphilosophie. Auch die CO2-Menge, die wir hier in Form dieses Baus speichern können, entspricht eigentlich unserem Grundgedanken, möglichst nachhaltig zu bauen und dementsprechende Ressourcen einzusetzen.» Durch dieses Zertifikat werde die Woodwork AG sicher nicht mehr Umsatz oder Kunden generieren können, «doch wir haben gezeigt, dass wir auf Nachhaltigkeit setzen und den Schweizer Markt unterstützen», ist Christoph Ruch überzeugt. «Die Verwendung von Schweizer Holz hat uns natürlich schon etwas mehr Kosten verursacht», macht er keinen Hehl daraus. Äussere Umstände hätten dies aber begünstigt. «Baustart war auch gerade noch Mitten in der Zeit von Corona. Dies war aber auch ein Vorteil für das Schweizer Holz, zumal eine Importvariante zum damaligen Zeitpunkt, als wir gebaut haben, wohl nicht viel günstiger gewesen wäre. Dies war für uns noch ein weiteres Argument dafür, dass wir Schweizer Holz verwenden. Heute ist der Preis von Importholz derart wahnsinnig tief, dass das Schweizer Holz schon kämpfen muss.»
Lifestage Solutions AG als Mieter
Auslöser für den Neubau war eigentlich die notwendige energetische Sanierung der bestehenden einstigen Halle der Cargobull Schmitz. Um die Ziele zu erreichen, musste man eine neue Gebäudehülle schaffen. Allein die Sanierung sei schon mit relativ hohen Investitionen verbunden gewesen. Deshalb habe man den Entschluss gefasst, nicht nur eine Gebäudehülle zu erstellen, sondern die Halle gleich auch noch aufzustocken. Und dies hat zu einem unerwarteten Nebeneffekt geführt, den Christoph Ruch zusätzlich freut: «Es ist schön, dass wir mit diesem Bauprojekt die Firma Lifestage Solution AG als neuen Mieter nach Huttwil holen konnten. Das sind immerhin 25 Arbeitsplätze.» Ursprünglich hatte man die Idee, hier eine Ballsporthalle für die Region zu bauen. Doch während der Bauphase sei die Lifestage Solution AG auf die Woodwork AG zugekommen, ob es eine Möglichkeit gäbe, um Räumlichkeiten zu mieten. «Wir haben nicht aktiv nach Mietern gesucht. Doch haben wir uns das natürlich überlegt und sind zum Schluss gekommen, dass dies für uns sehr interessant wäre, zumal das Investitionsvolumen mit rund 4,5 bis 5 Millionen Franken doch gross ist. So haben wir einen besseren Kostenteiler dazu gewinnen können, als wenn wir eine Ballsporthalle realisiert hätten.» Die Lifestage Solution AG war zuvor in der Mopac in Eriswil. Die Räumlichkeiten seien ihr dort zu klein geworden und auch die Zugänglichkeit für LKWs sei nicht gerade günstig gewesen. Deshalb sei die Firma aufgesprungen und nutze seit gut einem Jahr im Obergeschoss rund 2500 m² Fläche. Die Lifestage Solutions AG begann 2014 als kleines Start-Up-Unternehmen und wurde 2021 als immer noch eigenständiges Unternehmen Teil der Galenica Gruppe. «Die Lifestage Solutions AG hat ein jährliches Wachstum von rund 30 %», sagt Christoph Ruch.
Mietbarer Mehrzweckraum für die Bevölkerung
Im Mai/Juni 2024 war der Bau weitestgehend fertiggestellt. Durch die Aufstockung sind zusätzliche Zwischengeschosse entstanden. «Das ist auch der Grund, weshalb wir hier einen solchen Veranstaltungsraum schaffen konnten. Diesen Raum mit Beamer wurde im Dezember 2024 fertig und wir nutzen ihn auch betriebsintern. Doch er bietet sich natürlich ideal auch für die lokale Bevölkerung an. Wir haben hier einen Mehrzweckraum für bis zu 100 Personen, den man zum Beispiel für ein Forum oder eine Vereinsversammlung nutzen kann. Wir befinden uns in einem Industriegebiet und an den Wochenenden stört man hier niemanden.» Die Woodwork AG hatte denn auch bereits vier, fünf Anfragen von Interessenten gehabt, die hier einen privat Anlass durchführen wollten.
Von Thomas Peter