• Zwei Huttwiler Schützenlegenden und Freunde: Hanspeter Mathys (links) und Rudolf Steffen. Steffen hält sein ehemaliges Sturmgewehr 90 in der Hand, mit dem am Feldschiessen 2026 im Häbernbad gleich zwei Kränze geschossen wurden. · Bild: Stefan Leuenberger

  • Hanspeter Mathys gewinnt 2009 den JU+VE-Final mit noch heute bestehendem Rekordtotal. · Bild: zvg

  • Rudolf Steffen wird 2021 mit der Häbernbad-Gruppe Vize-Schweizer-Meister an der Gruppenmeisterschaft 300 m. · Bild: zvg

02.06.2026
Sport

Zwei Legenden tragen das Schiessen im Herzen

Wie gehen zwei Huttwiler Schiesssport-Legenden damit um, dass sie nicht mehr ausüben können, was ihr Leben massiv mitgeprägt hat? Rund um das Feldschiessen, das grösste Schiesssport-Volksfest der Welt, äussern sich der 92-jährige Rudolf Steffen (Feldschützen Häbernbad) und der 81-jährige Hanspeter Mathys (Sportschützen Huttwil) zu ihrer grossen Liebe zum Schiessen.

Schiesssport · Das Feldschiessen ist das grösste Schützenfest der Welt. Jede Schützin und jeder Schütze will bei diesem sportlichen Volksfest dabei sein – egal, ob ambitioniert oder nicht. Es ist zugleich ein Treffpunkt mehrerer Generationen. Neben dem sportlichen Fokus auf der Schiessanlage steht das soziale Miteinander im Zentrum.

Nur noch als Zuschauende dabei
Am Feldschiessen 2026 waren im Stand der Feldschützen Häbernbad am Samstagabend auch zwei Huttwiler Schiesssport-Legenden zugegen – allerdings nur beim Abendessen in der Schützenstube im Festzelt. Dort erhielten sie von allen Anwesenden Schulterklopfer. Alle wollten einen kurzen «Schwatz» mit dem Duo abhalten. Kein Wunder: Rudolf Steffen und Hanspeter Mathys sind zwei Schützen, die über Jahrzehnte hinweg für Furore sorgten. Aktuell sind beide in der Situation, ihren geliebten Schiesssport nicht mehr ausüben zu können. Aber wie gehen sie damit um?

Es ist gut, wie es ist
«Ich habe im Schiessen so wunderbare Momente und auch Erfolge erlebt – die werde ich nie vergessen. Nun ist es aber vorbei. Und für mich stimmt es so, wie es ist», erklärt Rudolf Steffen, der seit 66 Jahren Mitglied der Feldschützen Häbernbad ist. «Sehen würde ich noch recht gut. Doch zuletzt kämpfe ich immer etwas mit Schwindelanfällen», erklärt der ehemalige Baugeschäft-Besitzer. «Es wäre mir unwohl dabei, wenn mir meine lieben Schützenkollegen im Schiessstand helfen müssten, abzuliegen und wieder aufzustehen», sagt Steffen, der am Feldschiessen 1989 71 Punkte schaffte und damit als bester Emmentaler den Feller-Preis gewann. Als 87-Jähriger wurde er im Jahr 2021 im immer extrem stark besetzten Schiessstand Häbernbad Feldschiessen-Schützenkönig. Insgesamt hat Rudolf Steffen das Feldschiessen 71 Mal absolviert. «Weiter geniere ich mich ein bisschen, mit zwei Gehstöcken im Schiessstand aufzutauchen. Etwas unangenehm ist es mir auch, wenn ich nicht mehr alle Schiesskameradinnen und -kameraden auf Anhieb beim Namen nennen kann», so der im Weieracker-Quartier wohnhafte Huttwiler. «Wenn ich aber wie heute meine langjährigen Schiessport-Weggefährten treffen und mich mit ihnen etwas austauschen kann, blühe ich so richtig auf.» Rudolf Steffen blickt auf eine sehr lange Schützenkarriere zurück, die als 13-Jähriger in Zell begann, wo Steffen seine Kindheit und Jugend verbrachte. Sein Vater war  Landwirt, Jäger und Wildhüter, womit der Filius quasi mit der Hand am Lauf aufwuchs. Die Liste an beeindruckenden Schiesserfolgen ist endlos. Für Steffen selber bleiben vor allem der Sieg am Morgartenschiessen im November 2000 (Sieg mit dem Punktemaximum im Feld von 2109 Schützen) sowie die Grosserfolge mit der Häbernbad-Gruppe an der Schweizer Gruppenmeisterschaft 300 m in Erinnerung. In Emmen wurde er 2021 am GM-Final mit der Häbernbad-Formation Vize-Schweizer-Meister im Feld E.

Mit «Huttu-United» geglänzt
Steffen war als passionierter Karabinerschütze bekannt, der den Sturmgewehr-90-Schützen meist den Meister zeigte. Im fortgeschrittenen Alter freute sich Rudolf Steffen vor allem über die Erfolge mit der auf seine Initiative hin gegründeten Veteranen-Formation «Huttu-United». Dort brachte er es fertig, Mitglieder der Feldschützen Häbernbad und der Schützengesellschaft Huttwil (heute Sportschützen Huttwil) zu einer äusserst erfolgreichen Gruppe zu vereinen. «Ich habe stets mit allen Huttwiler Schiesssportausübenden ein schönes Verhältnis gepflegt, egal, welchem Schützenverein sie angehören.» Gerne blickt Steffen im Keller seines Hauses mit seinen Schützenkameraden, die im Laufe der Jahre zu Freunden fürs Leben gewachsen sind, auf seine schöne Schützenzeit zurück. Er hat sich dort ein schmuckes Schützenstübli errichtet, in dem auch alle seine Auszeichnungen zu bestaunen sind. «Sowieso fühle ich mich in meinem ‹Heimetli› am wohlsten. Ich habe einen so schönen Garten, in dem ich es mit meiner Frau geniesse. Ich muss mit bald 93 Jahren nicht mehr ins Tessin reisen. In unserem Garten blüht es genauso schön», meint Steffen mit seinem so typischen Schalk. «Weil das Autofahren nicht mehr so gut geht, machen wir höchstens noch ab und zu einen Ausflug auf den Huttwil-Berg, wo wir dann ein bisschen spazieren.»  Mit seiner Frau Rosmarie ist Rudolf Steffen seit 66 Jahren glücklich verheiratet.

Der eiserne Wille
Steffens langjähriger Schiesssport-Wegbegleiter und Freund Hanspeter Mathys (Sportschützen Huttwil) war am Feldschiessen 2026 ebenfalls nur als Zaungast dabei. Und zwar im Rollstuhl. Der treue Anhänger der SCL Tigers besuchte am 25. Januar 2025 die Partie gegen den HC Davos und erlitt einen Hirnschlag. «Seither bin ich auf der linken Seite gelähmt», sagt der einstige Maschinenmechaniker. «Ausserdem sehe ich auf dem rechten Auge nach einer Thrombose praktisch nichts mehr.» Seit diesem Zwischenfall konnte der passionierte Sportgewehr-Schütze den Schiesssport nicht mehr ausüben. Hanspeter Mathys ist nicht nur im Schiesssport als sportverrückter Motivator bekannt. Unbändigen Willen und Trainingsfleiss hat der erfolgreiche Trainer vielen Leuten vermittelt. Nun nutzt er sie für sich selber. «Ich habe mit dem Schiesssport noch nicht abgeschlossen», sagt der 81-Jährige in seiner ansteckend positiven Art. «Es ist mein grosses Ziel, wieder schiessen zu können – und zwar nächstes Jahr. Aber freihändig. Das gehört sich so», sagt die Kämpfernatur in seiner humorvollen Art. «Ich trainiere momentan wie ein Spitzensportler, damit ich Schritt für Schritt wieder stehen und auch gehen kann. Ich erziele in der Therapie ständig kleine Fortschritte.» Eine wichtige Stütze ist  seine Ehefrau Verena, mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist. «Sie tut wahnsinnig viel für mich, wofür ich ihr sehr dankbar bin.»

Als Trainer ein Topmotivator
Trotz der aktuellen Handicaps ist Hanspeter Mathys stets bestens informiert, was im Schiesswesen läuft. «Ich treffe mich regelmässig mit meinen langjährigen Emmentaler Schützenkameraden. Der Austausch tut mir gut. Ausserdem besuche ich weiterhin Schützenwettkämpfe und informiere mich über alle Kanäle», sagt Mathys. Mit den hochtalentierten Sportschützinnen Emely und Vivien Jäggi aus Niederbuchsiten, die zur absoluten Weltspitze im Gewehrschiessen gehören, chattet Mathys regelmässig. Hanspeter Mathys erzielte grosse Erfolge im Drei- sowie Zweistellungsmatch. Er gehörte über Jahre zu den besten Schweizer Sportschützen, erreichte an vielen nationalen Titelkämpfen Spitzenklassierungen. Im fortgeschrittenen Alter glänzte er am prestigeträchtigen Schweizerischen Jugend- und Veteranen-Einzelfinal (JU+VE), an dem er 2009 in der Kategorie der Sportwaffen den Titel holte. Die damals erzielten 296 von 300 möglichen Punkten bedeuten noch heute Rekord. 2013 gewann Mathys am JU+VE-Final auch noch eine Bronzemedaille. Bei den Sportschützen Huttwil und bei den Kadetten Huttwil brachte der Motivator unzähligen Nachwuchsleuten das ABC des Schiessens bei. Auf höherer Stufe feierte er als Schützencoach Grosserfolge. So beispielsweise beim Eidgenössischen Ständematch 2010 anlässlich des «Eidgenössischen» in Aarau, wo er als Coach der Auswahl des Berner Schiesssportverbands den prestigeträchtigen Festsieg in der Kategorie Gewehr 300 m Liegendmatch holte – am «Eidgenössischen» 2021 in Luzern folgte noch Bronze. Gerne blickt Hanspeter Mathys auf seine vielen schönen Momente zurück. Aber zeitgleich auch voraus: «Ich trainiere täglich, damit ich zurückkehren kann.» Für seinen Kameraden Rudolf Steffen gab es am Feldschiessen im Häbernbad-Schiessstand eine Mitteilung, die ihn sichtlich rührte: Mit seinen Waffen (Karabiner und Sturmgewehr 90), die nun im Besitz seines Schützenkollegen Christian Gerber sind, wurden am Feldschiessen 2026 insgesamt drei Kränze geschossen...

Schützenkönigs-Ausstich Häbernbad
Rangliste: 1. Marcel Sommer, FS Häbernbad, 139 (Feldschiessen: 71/Ausstich: 68); 2. Philipp Fiechter, FS Häbernbad, 137 (69/68); 3. Marcel Fiechter, FS Häbernbad, 136 (68/68); 4. Walter Mühle, SG Wyssachen, 133 (67/66); 5. Simon Bieri, FS Häbernbad, 133 (67/66); 6. Benedikt Bieri, FS Häbernbad, 133 (68/65); 7. Simon Hiltbrunner, FS Häbernbad, 133 (68/65); 8. Stefan Christen, FS Häbernbad, 133 (69/64); 9. Simon Carlo Schär, FS Häbernbad, 131 (68/63); 10. Verena Leibundgut, SG Wyssachen, 127 (67/60).    
Feldschiessen Schiessstand Häbernbad
Auszug aus der Rangliste: 71 Punkte:  Häbernbad FS: Sommer Marcel. – 70: Häbernbad FS: Sommer Stefan. – 69: Häbernbad FS: Christen Stefan; Fiechter Philipp. – 68: Häbernbad FS: Bieri Benedikt; Fiechter Marcel; Hiltbrunner Simon; Schär Simon Carlo. – 67: Häbernbad FS: Bieri Simon; Greub Matthias; Hiltbrunner Urs; Minder Andreas; Ruch Christian; Sommer Manuela. Wyssachen SG: Leibundgut Verena; Mühle Walter. – 66: Häbernbad FS: Güdel Thomas; Reinhard Fritz; Sommer Daniel. Wyssachen SG: Heiniger Edith; Schär Fritz. – 65: Häbernbad FS: Strub Patrick. Huttwil IS: Niederhauser Lukas. Wyssachen SG: Eggimann Bruno; Mai Hanspeter. – 64: Häbernbad FS: Grossenbacher Felix; Güdel Bruno; Mathys Andreas; Reitnauer Jürg; Sommer Jeannie.  Huttwil IS: Gerber Christian; Muster Beat; Ruch Jonas. Wyssachen SG: Eggimann Kurt; Feldmann Hanspeter; Hess Marco; Schär Andreas. – 63: Häbernbad FS: Bassa Michael; Fiechter Daniel; Köchli Lukas; Kurth Lukas; Röthlisberger Christa; Ruch Eliane; Scheidegger Roman. Huttwil IS: Bärtschi Hans; Ruch Otto; Tausch Marius; Winter Yvan. Wyssachen SG: Loosli Manuela; Meister Christian. – 62: Häbernbad FS: Fiechter Friedrich; Kurth Armin; Lüdi Oliver; Reitnauer Christoph; Richiger Marcel; Steiner Christoph. Huttwil IS: Auf der Maur Roland; Bärtschi Monika; Güdel Werner; Walker Peter. Wyssachen SG: Miceli Daniela. 

Von Stefan Leuenberger