• Der Pelzhändler nimmt die Felle der Jäger entgegen. · Bild: Verena Nyfeler

06.03.2017
Oberaargau

1023 Felle zum Markt in der «Linde» getragen

Hunderte von Jägern und Interessierten fanden den Weg zum Fellmarkt im Gasthaus Linde in Rohrbachgraben. Das Wirtepaar Heidi und Rudolf Kölliker mit Team erwartete die Gäste gut vorbereitet.

Rohrbachgraben · Die Zeiger der Uhr rücken gegen Acht, als die ersten Jäger mit ihren Fellen eintreffen. Auch die Pelzhändler Johann (Senior) und Peter (Junior) Ho-stettler  aus Flawil SG mit ihren Helfern sind schon vor Ort. Sie schauen, dass die Paletten für die Felle und die Mitglieder der Jagdgruppe Rohrbachgraben bereitstehen. Um neun Uhr geht es los. Jedes einzelne Fell, von Rotfuchs, Dachs, Steinmarder und Edelmarder, wird akribisch beäugt und durch die Händler taxiert. Denn die «Schönheit» der Pelze sowie die Nachfrage  bestimmen deren Preis. Es gibt Jäger, die bringen Dutzende Bälge an einer Stange über der Schulter hängend, andere wiederum hatten nicht so viel Glück. Doch trotzdem sah man nur zufriedene Gesichter.  Waidmännern ist  die Kameradschaft sehr wichtig. Viele sehen sich ja nur am jährlichen Fellmarkt, da ist die Wiedersehensfreude jeweils umso grösser.

Fuchsräude ist Dauerthema
Ein stetes Thema am Fellmarkt ist die Fuchsräude. Von der Räude (Milben)befallene Tiere kratzen sich die Haut blutig, bis sie ihr Fell total verlieren. Sie verenden dann  an einem Kreislaufzusammenbruch oder erfrieren elendiglich, werden sie nicht von einem Jäger von ihrem Leiden erlöst. Oft verkriechen sie sich aber irgendwo, in Scheunen und Hauseingängen. Dort darf der Wildhüter aber nicht schiessen. Im Jahre 2012 war die Krankheit besonders weit verbreitet, dies zeigen die Abschusszahlen der Statistik auf. Waren es 2008 etwas über 3600, so stieg die Zahl im Jahre 2012 auf rund 6000 erkrankte Tiere. Drei Jahre später halbierte sich die Anzahl der befallenen Füchse und im letzten Jahre ging die Krankheit nochmals stark zurück, der Bestand hat sich gut erholt. Da die Räude für Hunde ansteckend ist, empfiehlt es sich, diese beim Waldspaziergang an die Leine zu nehmen.
Am späteren Nachmittag konnte der Pelzhändler die letzten der begutachteten Bälge auf die Paletten legen, seinen Notizblock schliessen und zufrieden die Ware verladen. Insgesamt wechselten 16 Edelmarder-, 103 Steinmarder-, 40 Dachs-, 848 Fuchsfelle sowie 16 «Diverse» den Besitzer. Zwischenzeitlich waren die begehrten Plätze im Restaurant sowie im Aussenzelt rar geworden. Doch gerne rückten die Waidmänner noch etwas enger, um auch dem letzten Gast Platz zu machen. Das «Linde»-Team verwöhnte mit Speis und Trank, zur Unterhaltung spielten die vier «Quattrophonis» bis spät in die Nacht.  

Von Verena Nyfeler

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