• Christian Waber blickt auf drei schöne, erfolgreiche Jahre als Gemeindepräsident zurück und übergibt seinem Nachfolger eine geordnete, entwicklungsfähige Gemeinde. · Archivbild: Marcel Bieri

06.01.2017
Emmental

«Alles hat seine Zeit»

Als Christian Waber im Oktober 2013 als neuer Gemeindepräsident von Sumiswald in die «Bresche» sprang, liess er schon damals verlauten, dass er «nur» die Legislatur beenden würde. Anfangs dieses Jahres hat Fritz Kohler nun seine Nachfolge übernommen. Im Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler» blickt Christian Waber auf zwar anspruchsvolle, aber wunderschöne drei Jahre zurück – und gleichzeitig auf das Ende einer eindrücklichen politischen Karriere.

Sumiswald · Rund 30 Jahre lang prägte politisches Engagement das Leben von Christian Waber. Von 1984 bis 1992 war er – damals mit einem eigenen Baugeschäft und als Vater von vier Kindern – Gemeinderat von Sumiswald. 1990 bis 1997 gehörte er dem Grossen Rat des Kantons Bern an, ab Juni 1997 dem Nationalrat. In dieser Zeit sass Waber (EDU) in der Geschäftsprüfungskommission und in der Gerichtskommission für das Eidgenössische Versicherungsgericht, ausserdem war er Mitglied des Nationalratsbüros – nebst vielen andern Tätigkeiten im Dienste seiner Mitmenschen. 

Als furchtloser Verfechter seines Glaubens und ebenso seiner Haltung zu politischen Geschäften und gesellschaftlichen Umgangsformen geriet er oftmals ins Rampenlicht. Nach 12 Jahren im Amt als Nationalrat trat er im August 2009 zurück, wollte sich Beratungen widmen, seine Pensionierung regeln, sich mehr Zeit für seine Grosskinder und die Familie nehmen. So sagte er es damals beim Besuch des «Unter-Emmentaler». 


Zurück in die Politik – und zur Basis

Vier Jahre später sass der «UE» wieder in seiner hellen, freundlichen Stube in Wasen. Christian Waber hatte eben das Amt des Gemeindepräsidenten von Sumiswald übernommen, arbeitete sich intensiv in die Akten ein. 

Eine neue Zeit, die nochmals über-mässiges Engagement forderte, begann. Begrenzt auf gut drei Jahre, bis am 31. Dezember 2016.

«Es waren drei wunderschöne Jahre», blickt er nun zurück. «Ich hatte die Menschen gern, und sie mich.» Die Verantwortung war wiederum enorm, der Unterschied zur Nationalratszeit insbesondere im gesellschaftlichen Bereich jedoch gross. Im Bundeshaus ging der Bezug zur Basis weitgehend verloren. Als Gemeindepräsident aber war Christian Waber nahe am Volk. Seine Sprechstunden für die Gemeindebürgerinnen und -bürger waren gut besucht. Häufig riefen ihn Menschen in verschiedensten Lebenslagen an und baten um Rat oder um eine fachliche Stellungnahme. 

Zu den Gemeindegeschäften und -angelegenheiten kamen unzählige Kontakte zu Behörden, Gremien, CEOs. In der Regionalkonferenz erhielt er neuen Einblick in kantonale Belange, und an Einladungen für Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten durfte er öffentliche Anlässe von BLS, Schiffsgesellschaften, aber auch Weltcups, Eidgenössische Feste und vieles mehr hautnah und als VIP miterleben. «Da stand meist nicht das abgehobene Dinner im Vordergrund. Vielmehr bestand die Gelegenheit, mit anderen Gemeindeverantwortlichen zu kommunizieren», stellt er fest.


Ausgezeichnete Zusammenarbeit

Über allem aber stand der aussergewöhnlich harmonische Teamgeist im Gemeinderat: «Wir arbeiteten ausgezeichnet zusammen. In wichtigen Entscheidungen herrschte nicht selten Einstimmigkeit. Das war auch gegen aussen spürbar, hat in den Dörfern Frieden gebracht», ist er dankbar. 

Das war nötig. Die Schliessung der Mewag, die Turbulenzen in der Mopac, die Veränderungen im Bildungswesen, die Unsicherheit um die Nutzung des Schlosses und vieles mehr beschäftigte die Gemeinde in den letzten Jahren. Die Ruhe und die gemeinsamen Bemühungen an der Front brachten manche heikle «Ladung» auf die Schienen zurück – auch dann, wenn Weichen neu gestellt werden mussten. Zu allem hin kam die sehr gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Zuverlässigkeit und gegenseitiges Vertrauen führte auch hier zu erfolgreichen Lösungen. Der Wechsel vom langjährigen Gemeindeschreiber, Sumiswalds «Urgestein» Edi Müller, zu Martin Affoltern ging problemlos über die Bühne. «Der Leitspruch von Sumiswald ‹Fortschritt hat Tradition› ist einer der besten der Welt», ist Christian Waber überzeugt. 

Der besondere Platz als offizielles Subzentrum, welcher dem Dorf im Kantonalen Richtplan zugewiesen worden sei, biete dem Ort viele Chancen für seine Entwicklung. «Es ist wichtig, diese Chancen zu erkennen und zu nutzen», hält er fest. «Die ganze Bevölkerung kann dabei profitieren.» Sumiswald verfüge über wertvolle Perlen in der Industrie und im Gewerbe; sie seien die Stärken der Gemeinde. Es gelte sie zu erhalten und zu fördern.

So nennt er eben diese Entwicklung im Rahmen der Raumplanung, dazu die Zukunft des Schlosses sowie die Bildungsstrategie in der Gemeinde die drei grössten Anliegen, «bei welchen ich gerne noch mitarbeiten würde». Doch dies liege nun in den Händen der Nachfolge. Er sagt es ohne Bedauern: «Alles hat seine Zeit. So steht es in Prediger 3,1, daran halte ich mich.» 

«Servir et disparaitre» – Dienen und Verschwinden nennt Christian Waber seinen Rückzug im Polit-Jargon: «Das ist meine Devise.»

Von Liselotte Jost-Zürcher

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