• Stadtpräsident Thomas Rufener erläuterte die ersten Schritte zur zukünftigen Entwicklung und Gestaltung des Bahnhofareals. · Bild: hml

31.10.2016
Langenthal

Bahnhofareal vor grossen Veränderungen

Langenthals Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) informierte am Presse-Café über die aktuelle Situation der Kernstücke des Entwicklungsschwerpunkts (ESP) Bahnhof. Dass hier Stadt, SBB, Aare Seeland mobil und Private involviert sind, erschwert die Fortschritte des Projekts.

Von Hans Mathys · Thomas Rufener sprach an dieser Medienkonferenz von einem «Schlüsselprojekt für Langenthal», von einem «komplexen Projekt mit vielen Beteiligten.» Es werde noch viel Kraft und Geduld brauchen. Der Ende dieses Jahres abtretende Langenthaler Stapi, dessen Nachfolger Reto Müller (SP) ist, zeigte ein Bild des uralten Bahnhofgebäudes, das vor 160 Jahren gebaut wurde – am damaligen Dorfrand. Heute teile die Bahnlinie die Stadt in zwei Teile. «Nicht attraktiv» sei der Bahnhof heute und entsprechend keine Visitenkarte für Langenthal. Das soll sich mit der Neugestaltung der öffentlichen Infrastrukturen Passage, Bahnhofplatz Süd und Bahnhofplatz Nord ändern. Dabei müsse alles mit den verschiedenen Playern abgestimmt und die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt werden. Dies ganz im Gegensatz zum neuen 3M-Gebäude beim Bahnhof, das sehr rasch realisiert worden sei: «Für die Stadt eine unheimliche Erfolgsgeschichte.»

Vorgaben der Stadt
Das Langenthaler Stimmvolk hatte im September 2014 dem Rahmenkredit von 6,45 Millionen Franken zur Projektierung des ESP Bahnhof Langenthal deutlich zugestimmt. In der Folge konnten die Vorbereitungsarbeiten zum Projektierungsstart in Angriff genommen werden. Die Stadt hat dann mit der SBB eine Vereinbarung zur SBB-seitigen Projektierung der neuen Bahnhofpassage unterzeichnet. Der Gemeinderat löste dazu einen ersten Objektkredit von 1,1 Millionen Franken aus. SBB-seitige Projektanpassungen verzögerten in der Folge die Erarbeitung des Bauprojekts. Die Vorhaben der Stadt: Umgestaltung des bestehenden Bahnhofplatzes Süd, Bau des neuen Bahnhofplatzes Nord, Umgestaltung/Ausbau der Personenunterführung zur neuen, velogängigen Bahnhofpassage, bessere Anbindungen der Fussgänger-/Veloverbindungen an den Bahnhof.

Wem gehört was?
Stadtpräsident Thomas Rufener präsentierte eine Visualisierung des Kernstücks Passage. Hier sei gar nicht so klar, wem eigentlich gehöre, was unterirdisch ist – und wer für Unterhalt sowie Betrieb verantwortlich ist. Das Ganze sei also auch eine Frage der Kosten. Die SBB würden für eine geringere Breite der Bahnhofpassage plädieren. Dies im Gegensatz zur Stadt. Diese argumentiert, dass die Passage auch für den Langsamverkehr befahrbar sein soll. «Man muss sich finden. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass unmittelbar neben der Passage der Hochwasserkanal verläuft», so der Stapi. Ladenlokale in der Pas-sage sieht er aber nicht: «Das würde den Rahmen für den Bahnhof Langenthal sprengen. Langenthal ist nicht Zürich.»

Unterirdisches Parkhaus
Auch die Aare Seeland mobil melde mit einem unterirdischen Sozialraum – Aufenthaltsraum und WC – Begehrlichkeiten an. Im Süden seien unterirdisch knapp 400 Veloabstellplätze geplant, im Norden wesentlich weniger. Nicht aufzuheben gedenke man die bestehenden gedeckten oberirdischen Veloabstellplätze auf der Südseite des Bahnhofs. Angedacht sei auf der Nordseite des Bahnhofs auf dem Areal des Agrarlogistikunternehmens Geiser Agro.com AG, das von Langenthal nach Rüdtligen-Alchenflüh umziehen will, ein unterirdisches Parkhaus «in der Grössenordnung von 120 Parkplätzen.» Rufener: «Diese Lage wäre ideal.» Auch hier gelte es, die Interessensituation zu berücksichtigen und die Schnittstellen auszudiskutieren. Die heute 90 Parkplätze auf der Nordseite – 60 gehören der SBB, 30 der Stadt – sollen verschwinden. Im Zuge einer Umnutzung des heutigen Industrieareals soll gemäss Stadtbaumeister Enrico Slongo bei einem Rückbau des Geiser-Areals ein Architektenwettbewerb verschiedene mögliche Nutzungen aufzeigen.
Veränderungen werde es auch beim Bahnhofplatz Süd geben. «Wo sind künftig die Bus-Haltestellen?» sei eine Frage, die sich stelle, so Rufener. Nach aktuellem Stand würden diese tendenziell eher Richtung Westen verlegt. Diesbezüglich habe die SBB die Federführung übernommen, die in diesem Zusammenhang auch mit den «Täxelern» im Gespräch sei. Zweifellos interessiert es die Bevölkerung und hier primär die Benutzer des öffentlichen Verkehrs, wie sich der Bahnhof Langenthal entwickelt und was rund herum vorgesehen ist – oberirdisch wie unterirdisch. «Deshalb will die Stadt auch künftig Zwischenentscheide kommunizieren», so Rufener.

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