• Die Hinterarni-Bauprojekte stiessen auf grosses Interesse zahlreicher Besucherinnen und Besucher und alle zeigten sich beeindruckt, von dem was hier geleistet wurde. · Bilder: Ulrich Steiner

  • Hinterarni-Präsident Hansruedi Tanner (links) und Hirt/Wirt Jürg Reist stellen das neue Wohnhaus vor.

08.10.2018
Emmental

Die Hinterarnialp AG investiert in die Zukunft

Für insgesamt 2,5 Millionen Franken wurde seit 2014 die Infrastruktur der Hinterarnialp-Gesellschaft zukunftstauglich gemacht. Schwerpunkte waren die Wohnungssanierungen im Vorderried und im Rindergrat sowie zwei Neubauten auf dem Hinterarni. Letzten Freitag besichtigten die Aktionäre das gelungene Resultat.

Wasen · Die Hinteranialp AG wurde im Jahr 1863 von 35 Bauern aus der Region Oberaargau in Herzogenbuchsee gegründet. Aktuell sind die 300 Namensaktien im Besitz von 170 Aktionären. Im Eigentum der Gesellschaft befinden sich 193 Hektaren Wald und 235 Hektaren Landwirtschaftliche Nutzfläche. Auf den sechs Hirtschaften werden gesamthaft 430 Rinder gesömmert. Zudem hat jeder Hirt einen eigenen Viehbestand und erledigt im Winterhalbjahr Holzerarbeiten.

Im Schlafzimmer unter Null
Nachdem die Hinterarnialp AG zusammen mit den jeweiligen Pächtern in den letzten vier Jahren 2,5 Millionen Franken für Wohnungssanierungen und Neubauprojekte investierte, lud sie die Aktionäre letzten Freitag zu einer Objektbesichtigung ein. Im Hornbachgraben liegt das Vorderried. Es wird seit 50 Jahren von Familie Daniel Jutzi bewirtschaftet. Diese Wohnung wurde 2014 für 470 000 Franken komplett saniert und mit einer Stückgutheizung ausgestattet. Mutter Hanni weiss den Wohnkomfort zu schätzen: «Früher ist es schon vorgekommen, dass es im Schlafzimmer unter null Grad war.»

Die fünfte Generation
Auf dem steilen alten Arni-Strässchen sind 2016 für 80 000 Franken Fahrspurplatten eingebaut worden. Über dieses gelangt man auf den Rindergrat, wo heuer die fünfte Generation Röthlisberger das Zepter übernommen hat. Margrit und Patrick Wymann-Röthlisberger sind neuerdings ebenfalls für die Hirtschaft Fischgraben zuständig. Die ausgebildete Landwirtin benützt für die täglichen Kontroll- und Botengänge vorzugsweise ihr geländegängiges Motorrad.
Freude haben die Frischverheirateten natürlich auch am komplett neuen Wohnteil. Dafür wurden total 450 000 Franken investiert.

Neubauten aus eigenem Holz
Nach zweijähriger Planungsphase erfolgte am 12. April auf dem Hinterarni der Spatenstich für den Neubau eines Zweifamilien-Wohnhauses und eines Wagenschopfs inklusive Schnitzelheizung und 24 000kWh-Fotovoltaikanlage. Das 1,5 Millionen Franken teure Bauvorhaben begründete Hirt und Wirt Jürg Reist mit den engen Platzverhältnissen und den immer strengeren Gastroauflagen.
Kurz vor Abschluss der Bauarbeiten orientierte der verantwortliche Planer Matthias Krall von der gleichnamigen Sumiswalder Holzbaufirma die zahlreichen Besucher über die Besonderheiten. Ein Bauvorhaben im Perimeter des «Napfberglandes» von nationaler Bedeutung sei schon eine spezielle Herausforderung, erklärte Krall. Punkto Nachhaltigkeit verwies er auf die 330 Kubikmeter Holz aus den eigenen Wäldern und auf den Solarstrom, welcher zwei Drittel des Eigenbedarfs abdecken wird. Das Wohnhaus und die Fotovoltaikanlage ist im Baurecht durch die Pächterfamilie erbaut worden. Der Wagenschopf und die Schnitzelheizung gehen zu Lasten der Alpgesellschaft, wie der Präsident Hansruedi Tanner (Sumiswald) erklärte.
Unter den vielen Gästen war auch Barbara Schütz-Aebi (58) aus Kästhal AG. «Mich verbinden schöne Kindheitserinnerungen mit dem Hinterarni. Mein Vater besitzt eine Aktie und hat jeweils hier gesömmert», schwärmt die gebürtige Sumiswalderin.

Tradition und Innovation
Der Präsident des Berner Bauernverbandes Hans Jörg Rüegsegger bezeichnete auf Anfrage die Leistungen der Emmentaler Alpwirtschaft generell als hervorragend. Dies basiere auf bewährter Tradition angereichert mit Innovation. In diesem Sinn und Geist hat letztes Jahr auch die Lüderenalp-Genossenschaft 450 000 Franken für die Sanierung einer Hirten-Wohnung aufgewendet. Nur so bleiben die Jungen bei der Stange, lautete der einhellige Tenor an diesem wunderschönen Herbsttag auf 1220 Meter über Meer.

Von Ulrich Steiner

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