• Das Notfall- und Krisenkonzept trägt bereits Früchte, wie Pierre Zesiger (von links), Donat Gächter und Matthias Mürner zeigen. In jedem Schulhaus gibt es einen Fluchtplan (an der Türe) sowie eine Notfallmappe mit Leuchtweste, Klassenliste und Trillerpfeife. · Bild: Leroy Ryser

21.03.2018
Huttwil

Die Schule wappnet sich für den Notfall

Die Gesamtschule Huttwil hat ein Notfall- und Krisenkonzept ausgearbeitet, in dem das Handeln in unterschiedlichen Situationen aufgezeigt wird. Das Blumenstädtchen ist damit momentan noch besser vorbereitet als Kleindietwil und Langenthal.

Was passiert, wenn es in einer Schule brennt, ein Kind verunfallt, chemische Substanzen austreten oder gar jemand Amok laufen will? Es sind haarsträubende Szenarien, von denen man hofft, dass sie nie eintreten. Und dennoch: Ausschliessen, dass etwas passiert, kann niemand. Auch deshalb ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen und sich für den Notfall vorzubereiten. «Vorbereitet waren wir lange Zeit auf so etwas nicht. Und das hat mir Bauchschmerzen bereitet», sagt Pierre Zesiger, Huttwils Gesamtschulleiter. Er hat deshalb Donat Gächter, stellvertretender Schulleiter der Oberstufe, sowie Matthias Mürner, stellvertretender Kindergarten- und Primarschulleiter, den Auftrag erteilt, ein Notfall- und Krisenkonzept zu erarbeiten. «Wir wollten definieren, wie wir in Krisen reagieren, wie wir vorbeugen können, wie wir Lehrpersonen schulen und wir wollten uns mit der Evakuation der Schulhäuser auseinandersetzen und dazu passende Pläne ausarbeiten», erklärt Pierre Zesiger die vorangegangenen Ziele. Zu Beginn haben Donat Gächter und Matthias Mürner viel recherchiert, selbst Schwerpunkte gesetzt und sich dann an das Ausarbeiten des Konzeptes gemacht. Als Grundlage diente derweil ein ähnliches Konzept der Pädagogischen Hochschule in Bern.

Alle Fälle thematisiert
In der Huttwiler Ausgabe enthalten sind nun verschiedene Checklisten, die im Krisenfall helfen sollen. Was passiert bei einem Brand? Wie reagiert man, wenn ein Lehrer, ein Schüler oder Eltern eines Schülers sterben oder Suizid begehen? Oder wie wird kommuniziert, wenn eine Krise – chemischer Unfall, sexueller Missbrauch oder Amoklauf beispielsweise – die Schule heimsucht? Und nach welchen Abläufen wird in solchen Fällen gehandelt? «Das Konzept richtet sich nicht nach Wahrscheinlichkeiten, sondern will möglichst viel der plausiblen Fälle abdecken», informiert Donat Gächter. Online ist es derweil auf der Schul-Homepage einsehbar, damit auch Eltern wissen, wie die Schule in Extremfällen handeln will. Definiert sind derweil auch Sammelplätze aus-serhalb des Schulhauses, wenn es beispielsweise brennt.
Das Notfall- und Krisenkonzept hat bereits Konsequenzen nach sich gezogen. So wurde in sämtlichen Schulhäusern die Notfall-Beschilderung überarbeitet, Flucht- und Rettungspläne erstellt, eine Notfall-Karte in Kreditkartengrösse mit wichtigen Telefonnummern und Verhaltensweisen wurde erarbeitet und zudem befindet sich in jedem Zimmer eine Notfallmappe, die bei Alarmsituationen den Lehrerinnen und Lehrern weiterhelfen soll. «Darin ist eine Leuchtweste für die Lehrperson, eine Trillerpfeife zum Auslösen eines Alarms, ein Leuchtstab der durch Rauch hindurch leuchtet und eine Klassenliste enthalten», erklärt Matthias Mürner. Damit werden auch die Lehrpersonen ständig darauf aufmerksam gemacht und für Gefahren sensibilisiert.

Langenthal und Kleindietwil: Bisher noch ohne Konzepte
Kein ähnlich komplettes Sicherheitskonzept gibt es derweil in Kleindietwil. «Es steht bei mir auf der Prioritätenliste nicht zuoberst», sagt Schulleiter Bernhard Bühler und begründet mit fehlenden Ressourcen. Feueralarme werden jährlich geübt, einzelne Konzepte über Krisensituationen – beispielsweise wie kommuniziert wird – gebe es zwar, aber ein allgemeines Sicherheits- oder Notfallkkonzept sei nicht vorhanden. «Ich würde nicht sagen, dass es unnötig ist», so Bühler weiter, «aber wenn wir ein Problem hätten, würden wir nicht ein Konzept schreiben, sondern mit der Polizei sprechen und bei ihr Hilfe suchen.» Lehrer seien angehalten, mit aktiven Sensoren Schule zu geben, entsprechend werden gefährdete Lagen auch im Kollegium angesprochen. «Ich sehe derzeit aber keinen Anlass, dass ein solches Konzept in der Prioritätenliste steigen sollte. Da gäbe es noch anderes, das vielleicht noch wichtiger wäre», so Bühler weiter.
Daran gearbeitet wird derweil in Langenthal. Bei der Sanierung des Kreuzfeldes sei erstmals ein Panic-Button zur Alarmierung ein Thema gewesen, informiert Gemeinderat Matthias Wüthrich, aktuell wird ein System überprüft und je nach Resultat der Tests in allen Schulhäusern eingesetzt. «Wir haben erkannt, dass das nötig ist und deshalb befassen wir uns derzeit damit», so der Gemeinderat weiter. Einzelne Weisungen bei Gefährdungsverdacht sind derweil bereits erfasst. Nun soll aber auch noch ein für sämtliche Langenthaler Schulhäuser geltendes Konzept entstehen.

Soll kein Papiertiger sein
Huttwil hat damit bei den grossen Schulen der Region zweifellos eine Vorreiterrolle inne. Wer solche Konzepte schreibt, muss aber auch aufpassen, dass sie nicht zum nutzlosen Papiertiger verkommen. Damit es nicht nur aufgeschrieben ist, sondern auch in den Köpfen der Verantwortlichen präsent bleibt, sind in Huttwil die Herren Gächter und Mürner zuständig. «Wir wollen in jedem Jahr sicherlich zwei Übungen abhalten und irgend einen Kurs anbieten», informieren die beiden. Im November bei-
spielsweise ist für die Lehrerinnen und Lehrer ein Besuch in Aarwangen beim ZAR geplant, wo unter anderem der Umgang mit Feuerlöschern gelernt werden soll. Bereits durchgeführt wurde eine Weiterbildung zum Thema Amoklauf. Daneben soll auch das Notfall- und Krisenkonzept immer mal wieder aktualisiert werden, damit die Schulen auf dem neusten Stand bleiben. Präsent bleibt das Konzept derzeit auch, weil es noch nicht abgeschlossen ist. Die Alarmierung beispielsweise ist ein noch nicht gelöstes Thema. «Wir überprüfen derzeit, welche Investitionen nötig sind», so Zesiger, «und werden dann dem Gemeinderat einen Antrag stellen.» Die Schule Huttwil steht damit für das Notfall- und Krisenkonzept mittendrin in der Umsetzungsphase, die in die Fertigstellung überleiten wird. Dafür sind beispielsweise auch noch Evakuationsübungen geplant. Aber zweifellos wird der derzeitige Weg, eine möglichst gute Abdeckung für den Notfall garantieren. «Ich bin zufrieden mit den Resultaten», sagt der Huttwiler Gesamtschulleiter Pierre Zesiger. Logischerweise bleibt aber das Hoffen aller Beteiligten, dass das Konzept dennoch nie gebraucht wird.

Von Leroy Ryser

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