• Wollen Rätselfieber entfachen: Emanuel Mai, Roman und Andrin Eggimann (von links) sind «Die Vierte Wand». · Bild: Leroy Ryser

03.10.2018
Langenthal

«Die Vierte Wand» will ein Rätselfieber auslösen

Emanuel Mai (33), Roman (32) und Andrin Eggimann (30) lancieren in Langenthal ein neues Angebot. In der Marktgasse entsteht eine Erlebniswelt, in deren Zentrum zwei Escape-Räume aufgebaut wurden. Geplant ist, irgendwann ganz verschiedene Spiele

in- und outdoor anzubieten und damit unterschiedliche Kundschaft anzulocken. Vorerst sorgt aber unter anderem eine mittel-

alterliche Geheimorganisation namens Murum Quartus für Fragezeichen.

Der Raum ist dunkel, Schaffelle, eine Truhe und eine Öllampe prägen das Bild. Auf einem Pergament steht ein Auftrag, zuoberst aufgeführt ist die Jahreszahl 1298. «Die Mächte in Europa sind am Schwanken. Unser Bund wird nun mehr denn je benötigt, um den König von Frankreich auf dem Thron zu halten.» Das Pergament ist vergilbt, die Schrift verschnörkelt. Nur das heilige Relikt der Vorväter, das ausgerechnet in der Taverne zu Langatun bewacht wird, kann das Zünglein an der Waage sein. König Philippe IV le Bel von Frankreich und Navarra greift deshalb auf die mittelalterliche Geheimorganisation Murum Quartus zurück. «Viel Erfolg – und möge das Auge mit euch sein», steht zuletzt geschrieben. Das Spiel kann beginnen.

Emanuel Mai sowie Roman und Andrin Eggimann sitzen in der Lounge an der Marktgasse 28. Sie sind alle ein bisschen aufgeregt, steht ihnen doch bald die Eröffnung ihrer Erlebniswelt bevor. Zu dritt haben sie in den letzten Monaten zwei Escape-Räume gestaltet, Geschichten dazu geschrieben und Rätsel verfasst. Am 13. Oktober wird «Die Vierte Wand» ihre Türen öffnen und Besucher empfangen, welche die von den Initianten geschriebenen Rätsel in 60 Minuten lösen und die Spiele gewinnen sollen. «Vor ein paar Jahren haben wir uns zusammengesetzt, weil wir etwas auf die Beine stellen wollten», erinnert sich der Wyssacher Roman Eggimann. Es kamen viele Ideen zusammen, unter anderem Schnitzeljagden, Foxtrails, und eben, Escape-Räume. Bald war den damals noch vier Herren – Josua Badertscher gehört dem Team nicht mehr an – klar, dass sie eine Erlebniswelt entstehen lassen wollen. Ein Escape Room war ideal, weil er dem Team eine Anschrift verleiht. «Wenn wir solche Spiele herausgeben wollen, kann man sie künftig auch gleich hier beziehen. Dadurch erkennt man uns und man weiss, wer solche Spiele anbietet», sagt der Dürrenrother Emanuel Mai. Dereinst sollen nicht nur vor Ort solche Erlebnisse angeboten, sondern auch zum mit nach Hause nehmen. 


Geschick, Geduld und Fleiss

Ist die Geschichte von Murum Quartus erst einmal verstanden, geht es ans Lösen der Rätsel. Der «UE» hat dies exklusiv getestet und weit vor der Eröffnung einen Blick hinter die vierte Wand riskieren dürfen. Auf der Suche nach dem heiligen Relikt der Vorväter in der Schatzkammer der Templer, im Hinterzimmer der Taverne zu Langatun, stiess er auf verschiedenste Schlösser, deren Schlüssel meist nicht einfach zu finden waren. 

Geschick, Fleiss und Geduld sind gefragt. Das Ambiente begeistert. In der Taverne brennt ein Feuer, das sogar Rauch abgibt und im Hinterzimmer sorgt ein Licht- und Schattenspiel für rote Köpfe. Ganz clever ist die Verwendung von zahlreichen Reliquien, die das Erlebnis spannender machen.


Ausbau der Öffnungszeiten geplant

Die Gebrüder Eggimann und Ema-nuel Mai hoffen, dass ihnen diese Spiele den nötigen Schub verleihen. Ihre Arbeitspensen haben sie um 20 Prozent reduziert, um sich für das Projekt «die Vierte Wand» einzusetzen. «Wir haben einen Businessplan erstellt. Wenn die Räume gut gefüllt sind, lohnt es sich», sagt Roman Eggimann. Geplant ist vorerst am Freitag, Samstag und Sonntag zu öffnen. Wenn die Erlebniswelt grossen Zuspruch erhält, ist eine Ausdehnung auf alle Wochentage angedacht. «Das wäre unser Ziel», so Andrin Eggimann. «Wir würden gerne täglich unterschiedliche Erlebnisse anbieten. Langenthal ist dafür ideal. Es hat ein grosses Einzugsgebiet und so etwas gibt es hier noch nicht.» Ein guter Start ist für die Pioniere sehr wichtig, auch weil mit Miete und Ausstattung finanziell bereits viel investiert wurde. «Die Vierte Wand» soll dereinst profitabel sein und vielleicht sogar die derzeitigen Arbeitsverhältnisse der Initianten ersetzen. Ab sofort sind die Escape-Räume in Langenthal reservierbar. Rätselraten und Spielen können starten. 


Der Spass ist noch nicht vorbei

Ist das heilige Relikt der Vorväter einmal gefunden, heisst das noch lange nicht, dass der Spass in Langenthal vorbei ist. Einerseits ist mit «Das Syndikat» ein zweiter Raum vorhanden, andererseits bieten die Örtlichkeiten sogar genügend Raum für ein drittes Rätsel. Wenn die Erlebniswelt auf genügend Interesse aus der Bevölkerung stösst, wird dieser Raum wohl ebenfalls mit Rätseln gefüllt, vielleicht sogar im Sinne einer Fortsetzung der bisherigen Räume. 

Wahrlich hat die vergangene Stunde der Testperson Spass gemacht. Dass sie in eine ganz andere Zeit versetzt wurde, hat begeistert. Auch wenn sie es nicht in der vorgegebenen Zeit geschafft hat, sieht sie sich nun trotzdem als versiertes Mitglied von Murum Quartus. Möge das Auge mit euch sein!

Von Leroy Ryser

AUF facebook kommentieren