• Adrian Wüthrich: «Es ist durchaus erwünscht, dass sich der Präsident von Travail.Suisse aktiv an politischen Prozessen beteiligt.» · Bild: Leroy Ryser

23.02.2017
Huttwil

Er macht Politik für die Arbeitnehmer

Seit 18 Monaten ist der Huttwiler Adrian Wüthrich als Präsident des Arbeitnehmer-Dachverbandes Travail.Suisse tätig. Rückblickend spricht er von einem guten Start in sein neues Amt. Beim Kontakt mit den insgesamt elf Mitgliedsverbänden, die Travail.Suisse angeschlossen sind, habe er die Erwartung nach einem starken Dachverband gespürt, der auf eidgenössischer Ebene Politik im Sinne der Arbeitnehmer betreibe.

Bern/Huttwil · Im September 2015 übernahm Adrian Wüthrich das Präsidium bei Travail.Suisse (siehe auch Kasten). Er sei angefragt worden, für den Posten zu kandidieren, erwähnt der ehemalige SRG-Mitarbeiter. Er habe sich allerdings keine grossen Chancen ausgerechnet, dieses Amt übernehmen zu können. Doch die Wahl fiel auf den 37-jährigen Huttwiler SP-Grossrat. Die Ernennung zum neuen Präsidenten von Travail.Suisse bezeichnet Adrian Wüthrich als grosse Ehre. Dabei blickt er gerne auf seine ersten Tage beim Arbeitnehmer-Dachverband zurück. Er sei gut empfangen worden, habe bereits in den ersten Wochen viele erfreuliche Kontakte gehabt. «Ich war bemüht, alle elf Mitgliedsverbände zu kontaktieren, damit diese den neuen Mann an der Spitze von Travail.Suisse und seine Ansichten kennenlernen konnten», bemerkt Adrian Wüthrich. Darüber hinaus habe man bereits in seinem ersten Amtsjahr mit der Lancierung der Volks­initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» einen ersten wichtigen Impuls setzen können.

Starker Dachverband erwünscht
Damit entspreche man einem Bedürfnis der Mitgliederverbände, betont der Präsident von Travail.Suisse. «Denn bei meinen ersten Kontakten habe ich gespürt, dass sich unsere Mitglieder einen starken Dachverband wünschen, der auf eidgenössischer Ebene Politik betreibt, im Sinne der Arbeitnehmer.» Dazu sei Travail.Suisse da, weiss Wüthrich, denn kleine Verbände könnten sich ein solches Engagement gar nicht leisten. «Gewisse Rahmenbedingungen lassen sich als einzelner Verband gar nicht verändern, dazu benötigt man einen starken Dachverband im Rücken», erläutert Adrian Wüthrich. Dass er als SP-Grossrat im Kanton Bern ein politisches Amt ausübe, sei deshalb im Sinne von Travail.Suisse. «Es ist durchaus erwünscht, dass sich der Präsident des Dachverbandes aktiv an politischen Prozessen beteiligt», macht Adrian Wüth­rich klar, das sich sein politisches Amt gut mit seinem neuen beruflichen Engagement vereinbaren lässt. Angetan war der Huttwiler aber nicht bloss von den ersten Kontakten mit den Partnerorganisationen von Travail.Suisse, sondern auch von seinem neuen Arbeitgeber selbst. Er habe einen gut funktionierenden Verband angetroffen, mit einem äusserst kompetenten Team, lobt er. «Ich war überrascht, welch erstaunliche Leistung dieses kleine Team vollbringt», sagt er und weist auf die grosse Medienpräsenz von Travail.Suisse hin. Da werde sehr effizient gearbeitet.

Schwerpunkt-Themen
Selbstverständlich hat sich Wüthrich in den ersten 18 Monaten nicht bloss um Kontakte bemüht, sondern auch den inhaltlichen Schwerpunktthemen von Travail.Suisse zugewendet. Aktuell sind es zwei Themen, die bei Travail.Suisse im Vordergrund stehen. Bei der Altersreform 2020 gehe es bereits in diesem Frühjahr um die «Wurst», betont Adrian Wüthrich. Travail.Suisse setzt sich für eine AHV-Erhöhung von 70 Franken ein, damit die tieferen Renten bei den Pensionskassen einigermassen ausgeglichen werden können. Der Dachverband müsse sich am Schluss entscheiden, ob man das Referendum ergreifen wolle oder nicht. Als wichtigen Meilenstein bezeichnet der Präsident von Travail.Suisse die Einreichung der Volksinitiative für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub im Sommer.

Nationale Sozialpartnerschaft pflegen
Als ein grosses persönliches Anliegen bezeichnet er den Kontakt mit den Arbeitgeber-Verbänden. «Die nationale Sozialpartnerschaft wird nicht gelebt», bedauert er. Deshalb suche er das Gespräch mit dem Arbeitgeberverband und dem Gewerbeverband, weil er möchte, dass man wieder miteinander rede und so weit komme, dass man die nationale Sozialpartnerschaft pflegen könne, wie das in Betrieben und Branchen üblich ist.

Beruf und Familie bedeuteten Abschied von der lokalen Poitik
Abschied nehmen musste Wüthrich nach der Übernahme seiner neuen beruflichen Herausforderung von der lokalen Politik in seinem Wohnort, wo er acht Jahre als Gemeinderat gewirkt hatte. Er habe dieses Amt gerne ausgeübt, bemerkt er. Er habe aber eingesehen, dass er neben Beruf und Familie die dafür nötige Zeit nicht mehr aufbringen könne. Das politische Geschehen in der Gemeinde werde er aber weiterhin aufmerksam verfolgen. «Es interessiert mich natürlich, was der Gemeinderat macht und wie er sich bei gewissen Themen positioniert.» Deswegen werde er sich aber nicht jeden Monat «zu Wort melden», gibt Adrian Wüthrich lachend zu verstehen.

Von Walter Ryser

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