• Rosalinde (Andrea Hofstetter) und Verehrer Alfred (Ramin Häcki). · Bilder: Roberto Conciatori

17.01.2017
Luzerner Hinterland

«Fledermaus» überzeugt das Premiere-Publikum

Standing Ovations und nicht enden wollender Beifall: Im ausverkauften Stadttheater Sursee ging am Samstagabend die Premiere der «Fledermaus» über die Bühne. Der Operettenklassiker von Johann Strauss überzeugte in jeder Hinsicht: Künstlerische Leistung, der Witz der Geschichte und die effektvollen Bühnenbilder sorgten für Spannung und Unterhaltung bis zuletzt.

Sursee · Die Fledermaus von Johann Strauss wurde 1874 in Wien uraufgeführt (Wiener Operette) und gilt in der Geschichte als Höhepunkt der Goldenen Operettenära. Die Ouvertüre ist ein kompositorisches Glanzstück des grossen Komponisten. Trotz ihrem strengen Aufbau erlaubt sie es, nach und nach musikalische Höhepunkte des Werks einzubringen und diese als wiedererkennbare Melodien unvergesslich zu machen. So etwa «Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist», «Trinke Liebchen, trinke schnell», «Ich lade gern mir Gäste ein» und andere. Musikalisch wie spielerisch fordert «Die Fledermaus» von den Darstellenden alles ab.
Die Musik- und Theatergesellschaft hatte sich mit der Operette einer besonderen Herausforderung gestellt – und erfüllt diese nun souverän.

Rache ist süss …
Gabriel von Eisenstein (Niklaus Rüegg) muss eine Arreststrafe wegen Beleidigung einer Amtsperson antreten. Da befolgt er gerne den Rat seines Freundes Dr. Falke (Serafin Heusser), sich in der Nacht noch beim Prinzen Orlofsky (Stefan Wieland) zu amüsieren. Gattin Eisenstein, Rosalinde (Andrea Hofstetter), lässt ihren Gemahl gern ziehen, als dieser angeblich ins Gefängnis aufbricht. Auch dem Kammermädchen Adele (Stefanie Gygax) gibt sie frei. Nun alleine, beginnt das Techtelmechtel mit ihrem heimlichen Verehrer Alfred (Ramin Häcki). Doch dieses wird gestört, als Gefängnisdirektor Frank (Jens Olaf Müller) den vermeintlichen Eisenstein zu seiner Strafe abholt.
Im Gartensalon beim jungen Prinzen Orlofsky treffen sich die Beteiligten unvermittelt wieder. Es kommt zu unliebsamen Begegnungen, aber auch zu peinlichen Verwechslungen. Eisenstein tritt als «Marquis Renard» auf, Adele wird als die junge Künstlerin Olga vorgestellt, und Gefängnisdirektor Frank wird als «Chevalier Chagrin» in die Gesellschaft eingeführt. Selbst die als ungarische Gräfin verkleidete Gattin Eisenstein erscheint.
Vom Champagner angeheitert erzählt Eisenstein vor allen Gästen, wie er einst Dr. Falke blamierte, als er ihn in seinem Fledermauskostüm dem Spott der Marktfrauen und Gassenbuben aussetzte. Noch merkt er nicht, dass Falke hinter den Verwechslungen steckt und sich an ihm rächen will.

Liebe zum Detail
In der Morgenfrühe will der bezechte Frank seinen Dienst als Gefängnisdirektor antreten. Der noch schwerer betrunkene Zellenschliesser Frosch (Alois Suter) versucht zu berichten, was inzwischen vorgefallen ist. Aber auch die andern Beteiligten haben die durchzechte Nacht und die Rache von Dr. Falke nicht verdaut. Unvermittelt treffen sie sich im Gefängnis wieder. Aufwändig, zeitecht und berauschend sind die effektvollen Bühnenbilder. Neben dem tollen Lichtspiel bringt ein Champagnerbrunnen aus exakt 338 Champagnergläsern, der zugleich den Thron des Königs darstellt, das Publikum zum Staunen. Auch die üppigen und aufwendigen Kostüme sind ein Blickfang.
Die Inszenierung des übermütigen Verwechslungsspiels von Regisseur Björn B. Bugiel glänzt mit beschwingter Musik und herrlichem Gesang der Solisten, mit heiterer Komik und einer augenscheinlich unbeschwerten Aufführung. Entsprechend begeistert ist die künstlerische Gesamtleiterin Isabelle Ruf-Weber. «Das Zusammenspiel der über 160 Mitwirkenden auf, hinter und unter der Bühne hat einmal mehr hervorragend funktioniert», ist ihr Statement. Bei der Premiere in Sursee liess sich Dirigent Andreas Felber, seit sieben Jahren Chorleiter, vertreten. Er wird das Stadttheater Ende Saison Richtung Hannover verlassen. Dort wird er Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien. 72 Produktionen gingen seit 1928 über die Bühne des Stadttheaters Sursee. Detailarbeit, begeisterte Inszendanten und talentierte Darstellende führten stets zum Erfolg. Erstmals wagte sich die Musik- und Theatergesellschaft Sursee nun an den anspruchsvollen Klassiker, Johann Strauss’ Fledermaus. Monatelang wurde auch dieses Mal wieder geprobt, einstudiert, gebaut, genäht, organisiert, gefeilt und geschliffen.

Riesenerfolg bereits vor der Premiere
26 Mal, noch bis Ende März, wird «Die Fledermaus» auf der Surseer Bühne aufgeführt. Schon vor dem Saison-Auftakt war sie ein grosser Erfolg; über 10 000 Tickets sind bereits abgesetzt.

Infos: www.stadttheater-sursee.ch

Von Liselotte Jost-Zürcher


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