• Teamcaptain Marina Züricher aus Huttwil kann mit den Brandis Ladies in der B-Liga der Frauen den dritten Titelgewinn in Serie realisieren. · Bild: Stefan Leuenberger

24.02.2017
Sport

«Holen wir den Titel, spielen wir um den Aufstieg»

Interview: Stefan Leuenberger im Gespräch mit Marina Zürcher, Captain Brandis Ladies – Die 31-jährige Huttwilerin Marina Zürcher spielt mit den Brandis Ladies um den Meistertitel in der zweithöchsten Frauen-Eishockeyliga. Gelingt der Finalsieg über die GCK Lions, fasst das Team den Aufstieg in die A-Liga ins Auge.

Eishockey · Nach dem souveränen Qualisieg wäre alles andere als der dritte Meistertitel in der zweithöchsten Frauenliga in Serie eine Enttäuschung.
Natürlich wäre es eine Enttäuschung. Wir treten an, um zu gewinnen. Allerdings ist Vorsicht geboten. Der Finalgegner aus Zürich wird ein sehr hartes Stück Arbeit und uns alles abverlangen.

Der Finalgegner GCK Lions wurde in der Qualifikation von den Brandis Ladies mit 2:0 und 3:1 bezwungen. Wo könnten die Zürcherinnen denn Ihrer Meinung nach zum Stolperstein werden?
Der Gegner verfügt über ein sehr gros­ses und sehr ausgeglichenes Kader. Die Lions verfügen über vier starke Linien und haben darum viel Dampf. Ausserdem verfügt das Team über vier Ausländerinnen und einen Goalie, der in der Qualifikation ausgezeichnet hielt.

Ich bleibe dabei: Vom dritten Meistertitel in der B-Liga für die Brandis Ladies darf trotzdem ausgegangen werden. Bei den zwei bisherigen war die Saison für die Brandis Ladies mit der Pokalübergabe und Meisterfeier beendet. Wäre dies auch heuer so?
Nein.

Dies heisst, dass die Brandis Ladies erstmals vor Playoff-Beginn beim Verband ein Formular mit Aufstiegsabsichten eingereicht haben?

Ganz genau. In den beiden vorangegangenen Saisons war dies kein Thema. Nun waren der Vorstand, aber auch die gesamte Mannschaft der Meinung, es zu versuchen. Allerdings wurde ganz klar festgelegt, dass nur mit dem B-Meistertitel im Rücken zu den Aufstiegsspielen angetreten wird. Ansonsten verzichten wir. Mit einem allfälligen Aufstieg möchten wir die Nachwuchsspielerinnen an unseren Verein binden und nicht an andere A-Clubs abgeben.

Ein Aufstieg in die höchste Spielklasse scheiterte bisher an den Finanzen und am Spielerinnen-Kader. Wie soll eine allfällige A-Liga-Saison 2017/18 gestemmt werden?

Wir müssen viele Sponsoren generieren. Eine Planung dazu ist bereits weit fortgeschritten und wird bei sportlichem Erfolg sofort in die Tat umgesetzt. Bei einem Aufstieg würde uns ein Saisonbudget von rund 50 000 Franken erwarten. Der Hauptbrocken wären natürlich die Kosten für die Eismiete.

Und wie würde das Kader A-tauglich gemacht werden?
Wir müssten wohl rund einen Block mit Verstärkungsspielerinnen besetzen. Auch diesbezüglich würden wir sofort aktiv, wenn der sportliche Erfolg geschafft ist.

Wieviele aktuelle Spielerinnen würden bei einem Aufstieg in die höchste Spielklasse den Brandis Ladies die Treue halten, sprich den Mehraufwand – mehr Trainings und intensivere Spielwochenenden warten – mitmachen?
Vom aktuellen Team hat sich der Grossteil bereit erklärt, auch in der A-Liga am Karren zu ziehen. Ein Aufstieg wäre besonders für unsere Nachwuchsbewegung wichtig.  

Und wie steht es im Hinblick auf die nächste Saison mit der Gründung einer zweiten Mannschaft in der C-Liga aus, welche allenfalls als Sprungbrett für Spielerinnen, welche den Wechsel in die A-Mannschaft schaffen wollen, dienen würde?
Dies ist kein Thema. Ein zweites Team würde weitere finanzielle Aufwände bedeuten. Wir müssen bei einem allfälligen Aufstieg aber schauen, dass wir das A-Team durchbringen.

Um den Aufstieg auch sportlich zu schaffen, wäre nach dem B-Meistertitel ein Sieg in einer Best-of-3-Serie gegen den Verlierer des A-Liga-Playouts zwischen Weinfelden und Reinach nötig. Reinach, das in der gesamten A-Saison nur einen einzigen Zähler holte, dürfte der Gegner heis­sen. Brandis wäre nicht chancenlos.
Dies ist ganz schwierig einzuschätzen. Fakt ist, dass der Sprung von der B- zur A-Liga gewaltig ist. Damit dürften alle A-Teams um ein Vielfaches stärker auftreten, als die Equipen der B-Liga. Wir haben nicht Angst, aber sicher Respekt vor dem allfälligen Gegner. Ob dieser Reinach heissen würde, bin ich mir aber nicht sicher. Die Playout-Serie steht 2:2. Heute Abend findet in Weinfelden die entscheidende Partie statt.
Die Aufstiegsspiele würden am Wochenende der Huttwiler Fasnacht stattfinden, wo die Brandis Ladies ein Partyzelt betreiben. Ein Problem?
Überhaupt nicht. Kommt es tatsächlich so weit, dann würden wir dafür schauen, dass am Spieltag keine Helfereinsätze durch Teamspielerinnen belegt sind.

In Huttwil gibt es wieder Eis. Ob B- oder A-Liga: Ist es bei den Brandis Ladies ein Thema, vermehrt auf Huttwiler Eis präsent zu sein?
Als Ausweichmöglichkeit wird das Huttwiler Eis in Betracht gezogen, weil in Hasle zu wenig Eis vorhanden ist. Die Sporthalle Brünnli in Hasle bleibt aber unser Heimstadion, wo wir sämtliche Meisterschafts-Heimspiele sowie die meisten Trainings austragen.
 
Zuletzt zwei Tipps: Wer wird Schweizermeister bei den Frauen?
Die ZSC Lions oder Lugano.

Und bei den Männern?
Am liebsten der HC Davos. Soweit wird es aber wohl kaum kommen.

Spieldaten Playoff-Final
Playoff-Final Swiss Women’s Hockey League B: GCK Lions – Brandis Ladies:  Samstag, 26. Februar, 17.45 Uhr, Kunsteisbahn Küsnacht; Samstag, 4. März, 18.30 Uhr, Sporthalle Brünnli Hasle. – Wenn nötig: Sonntag, 5. März, 19.1

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