• Journalist und Autor Walter Däpp erzählte humorvolle Geschichten. · Bild: Marion Heiniger

22.10.2018
Huttwil

Humorvolles für Feinschmecker

Die zweite Gourmet-Lesung anlässlich des diesjährigen Jubiläums der Bibliothek Huttwil in Zusammenarbeit mit der Blumeninsel Huttwil AG und dem Landgasthof Bären, Dürrenroth, zog wiederum viele Gäste an. Der Berner Journalist und Autor Walter Däpp unterhielt die Gourmets mit amüsanten Geschichten.

Ein Gourmet ist gemäss Ausführungen des Dudens ein Feinschmecker, in Österreich gar ein Genussspecht. Passend zum 40-jährigen Jubiläum der Bibliothek Huttwil hatten sich genau 40 Feinschmecker zur zweiten Gourmet-Lesung angemeldet, um gemeinsam einen unvergesslichen Abend zu erleben. Als Gastleser wurde der Autor Walter Däpp eingeladen. Bekannt wurde der 72-jährige Berner, der zuvor dreissig Jahre als Journalist für den «Bund» arbeitete, als Morgengeschichten-Erzähler am Radio SRF und durch seine humorvollen berndeutschen Bücher. Eine erste Hörprobe erhielten die Gäste bereits beim Aperitif.
Walter Däpp widmete sich kurz dem kleinen Wort «so». «So» klein, aber doch «so» wichtig in der deutschen Sprache und zog sogleich einen Vergleich zum Abend. Die einen würden das Fleisch vor dem Niedergaren anbraten, die anderen erst danach. Mal wird es «so» gemacht und mal «so». Und «sowieso», wer es genau wissen möchte, «so» solle er anschliessend den Koch fragen, so Däpp.

Essen im Blumenmeer
Zu Tisch gebeten wurde in einem der Gewächshäuser von Monika und Simon Ingold, die Besitzer der Blumeninsel AG. Die drei grossen Tische an denen jeweils 14 Personen Platz fanden, glichen einem Blumenmeer und verwandelten das ansonsten eher schlicht gehaltene Gewächshaus in einen unvergleichlichen Ort der Behaglichkeit. Das Team um Volker Beduhn des Landgasthofs Bären Dürrenroth hatte bereits vorgängig die erste Vorspeise inmitten der üppigen Blumendekorationen geschickt arrangiert. Erst auf den zweiten Blick wurde sie von den Gästen entdeckt.
Während die Gäste mit herbstlichen Köstlichkeiten aus der improvisierten Küche verwöhnt wurden, nahm Walter Däpp zwischen den Gängen auf dem für ihn bereitgestellten mintgrünen Sessel Platz und las aus seiner Geschichtensammlung vor.

Alltagsprobleme und teure Weinflaschen
So habe er einmal im Zug von Bern nach Zürich versucht «nicht zu lesen». Es sei unmöglich, wie er erkennen musste und zählte auf, wo während der Zugfahrt und am Bahnhof überall gelesen werden müsse. Es fange beim Lösen des Billetts am Billett-Automat an und höre bei den zahlreichen Werbungen während der Zugfahrt nicht auf. Er sprach über die totale Harmonie während der Wellnessferien und beschrieb humorvoll Alltagsprobleme. Ist nun eine A- oder B-Post-Briefmarke die richtige für den Brief, den man verschicken möchte und welche der vielen verschiedenen Kartoffelarten ist nun zur Zubereitung der gewünschten Speise die passende?
Immer wieder nahm er auch Bezug auf die servierten Speisen und erzählte von einer Flasche Bordeaux, welche 224 Tausend Euro kosten würde und sinnierte über die Leute nach, welche eine solche Flasche und zu welchem Anlass trinken würden.
Oder er erinnerte sich an die speziellen Pilznamen wie der essbare Kiefernzapfenrübling, wobei sich der Name nicht unbedingt appetitlich anhört, wie Walter Däpp der Meinung war. Eine andere Geschichte handelte von einem Sockenabonnement bei dem Flugmeilen gesammelt werden konnten und den vielen Kundenkarten, welche man im Portemonnaie mit sich herumträgt und beim Zahlen an der Kasse schon so manchen zur Verwirrung brachte.

Wiederholung denkbar
Mit seinen humorvollen Geschichten und der lustigen Art, wie Walter Däpp sie vortrug, brachte er die Gäste immer wieder zum Lachen. Ein gemütlicher Abend ging zu Ende und auch das Geheimnis des Niedergarens wurde gelüftet. Im Landgasthof Bären brät man das Fleisch nach dem Niedergaren an, so sieht es besser aus und erhält einen besseren Geschmack.
Die Präsidentin Mei Rettenmund und Bibliotheksleiterin Franziska Heiniger sind sich einig, dass eine Weiterführung der Gourmet-Lesungen auch in den nächsten Jahren durchaus vorstellbar sei.

Von Marion Heiniger

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