• Bei seiner Minitour hat «Dabu» von Dabu Fantastic auch im Bahnhof-Restaurant einen musikalischen Halt gemacht. · Bild: Leroy Ryser

27.04.2018
Huttwil

Huttwil ist ein bisschen wie Dabus Heimat

Ein ungewöhnliches Konzert hat am Donnerstagmittag im Restaurant Bahnhof in Huttwil stattgefunden. Der schweizweit bekannte Musiker Dabu Fantastic machte auf seiner einwöchigen Tour Halt im Blumenstädtchen – weil dieses mehr Beizen, als am Sonntag Leute in der Kirche hat.

Am vergangenen Donnerstagmittag hat David Bucher ein paar erstaunte Blicke auf sich gezogen. Während der Musiker von der bekannten Schweizer Band Dabu Fantastic seine kleine, improvisierte Bühne im Restaurant Bahnhof aufbaute, waren die meisten Gäste noch beim Essen. Nicht wenige drehten das Gesicht, als «Dabu» seine Gitarre stimmte, den Verstärker ansteckte und das Mikrofon in Betrieb nahm. Nach etwa einer halben Stunde Vorbereitungszeit begrüsste er sein nur teilweise vorbereitetes Publikum. Während einzelne Gäste ganz normal zu Mittag assen, hatte es doch ein paar junge Frauen und vereinzelt Männer, die wegen den Hits des Pop-Musikers in der Gaststube einen Platz eingenommen haben.

Orte passen zu Song-Zeilen
Für David Bucher war es nicht der erste solche Auftritt in dieser Woche. Seit letzten Montag absolviert der Musiker eine sogenannte Mini-Tour, die er wegen seinem neuen Song «Miin Ort» durchführt. In diesem Song beschreibt er in unterschiedlichen Zeilen den Ort, in dem er aufgewachsen ist. So steht beispielsweise: «I däm Dorf woni här chume, isch de Fuessballclub schwach (...), het de Metzger füf Ching (...), hets es Iisfäld im Winter, wenn de Husabwart mag.» Wie ihm seine Fans verrieten, ist das aber nicht nur in seiner Heimat, dem Zürcher Oberland, so. «Deshalb wollte ich diese Orte sehen, die auch so sind. So habe ich mich entschieden, herumzureisen, Konzerte zu geben und diese Orte kennen zu lernen.» Auf Facebook hat er aufgerufen, Vorschläge für diese Besuche zu machen, woraufhin er sich ein streng getaktetes Programm mit vier Konzerten täglich zusammengestellt hat. Am vergangenen Montag hat er deshalb für Fünftliga-Clubs gesungen, danach hat er am Dienstag Metzger mit über vier Kindern besucht und am Donnerstag besuchte er unter anderem Huttwil, wo es schätzungsweise mehr Beizen, als sonntags Menschen in der Kirche gibt. «So ist jeder Tag etwas anderes. Bei den Fussballern haben wir morgens um zehn Uhr gemeinsam ein Bier getrunken, am Dienstag gab es überall Wurst zum Probieren», erklärt David Bucher begeistert. Auch wenn es wahrlich eine stressige Zeit sei, so sei die Erfahrung, die er mit dieser Tour mache, ganz speziell.

Top-Hits regen zum Mitmachen an
Ungewohnt war, wenig überraschend, sein Auftritt in Huttwil. Die Gäste des Restaurant Bahnhof forderte er bereits zu Beginn auf, sich nicht stören zu lassen. «Das will ich absolut am wenigsten – euch beim Essen stören. Aber wer will, kann gerne mitsingen.» Das taten dann vor allem die jüngeren Besucher, die sich vom Sänger mit der freundlichen, poppigen Stimme mitreissen liessen. Gerade die bekannteren Songs wie «Vo vorn» oder «Angelina» animierten zum Klatschen und Mitsingen. «Vor den Auftritten habe ich mich ein paar Mal gefragt, wieso ich das tue. Die Leute wollen doch nur essen und ich störe sie dabei», sagte «Dabu» noch kurz vor seinem Auftritt, hängte dann aber an: «Gerade während dem Auftritt macht es dann aber immer Spass. Bisher – und das ist mittlerweile mein 14. Auftritt in dieser Mini-Tour – hat es sich noch immer gelohnt.» Gleiches sollte er auch über sein 30-minütiges und wahrlich gelungenes Kurz-Konzert in Huttwil erzählen. Dieses sei ein bisschen wie erwartet gewesen. «Es hatte einen speziellen Mix. Ein paar waren wegen mir hier, andere gar nicht. Und das respektiere ich. Ich fand es sogar sehr toll», erklärte er gegenüber dem «UE».

Witzig und mit Charme
Immerhin lachen konnten auch die passiven Besucher des Konzertes, punktete «Dabu» doch hin und wieder auch mit Charme und Witz. Im Song «Angelina» spricht er von einer speziellen, wiederkehrenden Beziehung, in der es nur aufeinander, aber nicht nebeneinander funktioniert. «Das kann ja auch andersrum sein. Nebeneinander geht es, aber aufeinander nicht mehr», stellte er gefolgt von zahlreichen Lachern fest, später interagierte er auch mit kleinen Kindern, die wahrlich fasziniert von seinem Gastauftritt waren. «Gäll, du luegsch ganz genau, was ich mache, damit i s Richtige singe», meinte er zu einem kleinen Mädchen, das seinen Spickzettel am Boden entdeckte und während er sang ganz genau studierte.
Rasch war der Auftritt dann beendet. Noch am gleichen Tag standen schliesslich Auftritte im Zürcher Oberland und in St. Gallen auf dem Programm. «Ich habe einen Fahrer, dann kann ich mich zumindest unterwegs ein bisschen ausruhen», verriet David Bucher. Dennoch bemerke er die Strapazen der strengen Tage unter anderem bei seiner bereits stark beanspruchten Stimme. Diese Konzerte seien aber vielmehr als nur eine willkommene Abwechslung, führen sie ihn doch auch an seinen musikalischen Ursprung zurück. «Mittlerweile spielen wir vor über 1000 Leuten. Solche Events in Beizen sind dann sehr besonders.»
Jener in Huttwil war nach etwa anderthalb Stunden, 30-minütigem Musizieren und ein paar Gesprächen wieder vorbei. Am gestrigen Freitag war die Tour mit insgesamt 20 Kurz-Auftritten an unterschiedlichen Orten mit passenden Textzeilen bereits beendet. Wahrlich ein spezielles Programm – für David Bucher und auch seine Fans.

Von Leroy Ryser


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