• Der Huttwiler Fussballer Kevin Röthlisberger im Dress des NLB-Vereins SC Kriens im Cupspiel gegen den FC Langnau. · Bild: Marcel Bieri

12.10.2018
Sport

«Ich bin bei jedem Spiel mit viel Herz dabei»

Interview: Yanick Kurth im Gespräch mit Kevin Röthlisberger, Fussballer aus Huttwil – Der 22-jährige Kevin Röthlisberger steht beim SC Kriens in der Challenge League, der zweithöchsten Schweizer Fussballliga, unter Vertrag. Im Interview mit dem «Unter-Emmentaler» erzählt der Huttwiler, was für ihn Fussball bedeutet, welche Momente in seiner Karriere die emotionalsten waren und warum er sich gerade beim SC Kriens so richtig zuhause fühlt.

Fussball · Kein Fussballer aus Huttwil spielt in einer höheren Liga als der 22-jährige Kevin Röthlisberger. Als Fünfjähriger hat er beim SC Huttwil mit dem Ballsport begonnen. Die ersten fussballerischen Grundkenntnisse bekam der am 14. Juni 1996 geborene Kevin Röthlisberger während vier Jahren bei diversen Juniorenabteilungen beim SC Huttwil mit auf den Weg. Aber auch ausserhalb der Trainings war Röthlisberger fast jede freie Minute auf dem Sportplatz Dornacker anzutreffen. Fussball gehörte eben von Anfang an zu seinem Leben. Dem Ballsportler war aber früh klar, dass er weiterziehen muss, wenn er im Fussball weiterkommen will.

Stufe um Stufe
Anschliessend ging es ziemlich schnell, da Kevin Röthlisberger viel Trainingsfleiss an den Tag legte. Er spielte bei den Junioren D von Willisau/Schötz und schaffte den Sprung in die Regionalauswahl. Ein erster
grösserer und emotionaler Schritt erfolgte beim Wechsel zur U14 des SC Kriens. Täglich pendelte der Jugendliche zwischen den beiden Kantonen hin und her, ehe er eine Wohnung in Kriens bezog. In der U16 war die Allmend des FC Luzern seine Heimat.  Mit der U17, wiederum beim SC Kriens, wurde er erstmals Schweizermeister. Kevin Röthlisberger hatte nicht lange Zeit, um sich über diesen Grosserfolg zu freuen, denn bereits stand ein weiterer Karrieresprung bevor. Der junge Huttwiler wurde vom Super-League-Verein FC Luzern verpflichtet. Dort spielte er in der U18-Auswahl auf allerhöchster Ebene. Nach dem Schritt in die U21 beim FC Luzern (Saisons 2014/15 und 2015/16), spielt er nun seit der Saison 2016/17 beim SC Kriens in der ersten Mannschaft, welche in diesem Jahr wieder in die Challenge League aufstieg. Noch sitzt der Huttwiler aber vielfach auf der Reserve-Bank. In den ersten zehn Partien kam er nie zum Einsatz. Dies allerdings vor allem, weil er derzeit verletzt ist. Nach Genesung der möchte er sich bald einen Stammplatz ergattern. Nebenbei arbeitet der gelernte Kaufmann in einer 80-Prozent-Stelle bei der Schweizer Börse. Durch seine sportlichen Tätigkeiten, die einen Grossteil seiner Freizeit in Anspruch nehmen, ist er nur noch selten in Huttwil anzutreffen. Immerhin wohnen seine Eltern Verena und Urs und sein jüngerer Bruder Reto noch im Blumenstädtchen. Die Unterstützung seiner Familie und der seiner Freundin Géraldine ist riesig. Sie besuchen fast sämtliche Spiele des jungen Fussballers. Sein Vertrag beim SC Kriens läuft noch bis im Sommer 2020. Der «UE» unterhielt sich mit dem werdenden NLB-Fussballer.

Was bedeutet Ihnen Fussball?
Fussball ist seit längerer Zeit einer der Hauptbestandteile meines Lebens. Dank dem interessanten Ballsport stehe ich gegenwärtig da, wo ich bin. Was einst mit einem Hobby begonnen hat, ist bis heute zu meinem Teilberuf geworden. Bewusst Teilberuf, da der Lohn nicht zum Leben ausreichen würde. Doch ein Leben ohne Fussball ist für mich zurzeit undenkbar.

War Ihnen von Anfang an klar, dass Sie eine Profikarriere anstreben?
Am Anfang war es mein «Bubentraum», einmal Fussballprofi zu werden, wie vermutlich von so manchem Fussballer. Mit der Zeit rückte dieser Wunsch aber immer mehr in den Hintergrund. Ich war vom fussballerischen Talent her nicht unbedingt der Beste und musste mehr liefern als andere im Team. Trotzdem blieb ich mit vollem Elan dabei und liess nichts unversucht. Bis mich dann André «Bigi» Meier für die Sport-Sekundarschule in Kriens animiert hat. So hat beim SC Kriens damals alles angefangen.

Wie lässt sich der Sport mit Ihrem Job bei der Schweizer Börse vereinbaren?
Die Harmonie zwischen meinem Job und dem Fussball funktioniert hervorragend. Ich habe einen sehr flexiblen Arbeitgeber, der mir viel Freiraum lässt. Ansonsten wäre das nicht möglich. Wenn wir unter der Woche in Genf einen Match haben, nimmt das gut und gerne zwölf Stunden Zeit in Anspruch. Durch den NLB-Aufstieg des SC Kriens arbeite ich derzeit in einem 80 Prozent-Pensum.

Wie viele Trainings absolvieren Sie pro Woche?
Pro Woche besuche ich vier fixe Trainings, diese variieren je nach Match-Datum. Ein optionales Training findet zudem am Dienstagvormittag statt. Die Trainings sind unabdingbar, um im Fussball weiter zu kommen.

Auf dem Spielfeld wirken Sie meist gelassen, entspannt und locker. Gibt es etwas, was Sie aus der Ruhe bringen kann?
Ich bin bei jedem Spiel mit viel Herz dabei. Bisher habe ich mich immer beherrschen können (lacht). Wenn mich ein Gegenspieler aber provoziert und den Streit sucht, kann ich dann schon ein Foul begünstigen und allenfalls eine gelbe Karte kassieren. Diese eher ungünstige Umgangsform gehört nun mal zu mir.

Wie bereiten Sie sich auf einen Match vor?
Am Tag vor dem Match findet ein Abschlusstraining statt, welches immer einen fixen Ablauf hat. Auch das gemeinsame Essen mit dem Team ist ein wichtiger Bestandteil. Bei der gemeinsamen Anreise können wir uns nochmals mental auf den bevorstehenden Match vorbereiten.

Wo sehen Sie sich in ein paar Jahren?
Ich sehe mich nach wie vor beim SC Kriens. Er ist sehr familiär aufgebaut, und hier fühlte ich mich von Anfang an sehr wohl. Ein grosser Teil der ersten Mannschaft des Vereines besteht aus Junioren, die seit Jahren beim Verein Fussball spielen. Wenn dereinst von weiter oben ein Angebot kommen würde, wäre ich selbstverständlich nicht abgeneigt. Darüber mache ich mir aber keine Gedanken, weil ich in Kriens mehr als zufrieden bin.

Wie gross ist die Sehnsucht, auf der ganz grossen Bühne Fussball spielen zu können?
Dieses Gefühl kennt natürlich jeder Fussballer. Allerdings ist die ganz gros-se Bühne mehr eine Traumvorstellung als ein konkretes Ziel, da dies doch eher vermessen wäre. Wenn ich mir aber im Fernsehen die Champions-League sowie die Spiele der Schweizer Nationalmannschaft anschaue, ist da schon ein gewisses Kribbeln im Bauch.

Der schwierigste Schritt in Ihrer bisherigen Karriere?
Das war der Schritt in die Sportschule in Kriens. Ich war gerademal 13 Jahre alt und hatte in Huttwil einen guten Kollegenkreis. Ich pendelte anfangs, ehe ich in der 9. Klasse eine Wohnung in Kriens bezog. Heute bin sehr stolz darüber, damals den grossen Schritt gewagt zu haben. Dazu beigetragen hat auch Marco Schneider aus Huttwil, mit dem ich früher viele Eishockey-Spiele im ehemaligen Sportcenter besucht habe. Er hat mich immer wieder angespornt, den Schritt zu wagen. Dies ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Und welches war der emotionalste Schritt?
Der emotionalste war in der U17, als wir in Vaduz Schweizermeister wurden. Ich habe an diesem Morgen sogar verschlafen, weshalb mich der Trainer aus der Start-Elf gestrichen hat. Wir lagen zur Pause gegen Vaduz zurück. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde ich dann eingewechselt und konnte den Ausgleich erzielen. Das 2:1 entstand aus meinem Eckball heraus und beim 3:1 habe ich noch einen Penalty rausgeholt. Das Gefühl war unbeschreiblich schön. Noch heute blicke ich gerne auf diesen Tag zurück.

Der SC Kriens stieg nach dem Abstieg im Jahr 2012 auf diese Saison hin wieder in die Challenge League auf. Wie haben Sie das miterlebt?
Der Aufstieg war für uns alle eine sehr emotionale Angelegenheit. Wir haben es geschafft, den Verein wieder in die zweithöchste Liga des Schweizer Fussballs zu bringen. Sogar mein Vater hatte Tränen in den Augen. Der Start in der Challenge League ist uns gut gelungen, zwar gelten wir als Aufsteiger und einziges Amateurteam der Liga als klarer Aussenseiter. Dennoch stehen wir momentan auf dem 7. Zwischenrang relativ gut da. Wir konnten mit überzeugenden Auftritten in den ersten Spielen bereits für einige Überraschungen sorgen.

Was ist anders in der zweithöchsten Liga?
Die Professionalität ist höher als noch in der dritthöchsten Liga. Das Interesse der Medien und jenes der Zuschauer ist grösser. Es handelt sich hier bereits um eine Profi-Liga. Die Fussballer der Challenge League spielen als Profi Fussball und haben vielfach keinen Job mehr daneben – ausser jene vom Aufsteiger SC Kriens.

In Kürze wird in Kriens endlich das neue Stadion offiziell eröffnet? Gefällt es Ihnen?
Es ist ein Traum für jeden Fussballer. Die Physiotherapie, ein Fitnesscenter, ein Restaurant – alles befindet sich unter einem Dach. Sogar die Wäsche wird hier für uns gewaschen. Die Verantwortlichen haben es geschafft, ein familiäres und auf den SC Kriens zugeschnittenes Stadion zu bauen. Mir gefällt es super und ich bin überzeugt, dass wir hier den einen oder anderen sportlichen Erfolg feiern dürfen.

Sie sind derzeit verletzt. Was ist passiert?
Ich habe mich im letzten Vorbereitungsspiel am Knie verletzt und fiel für sechs Wochen aus. Im Cupspiel gegen den FC Fleurier habe ich wieder gespielt und mich erneut verletzt (Muskelfaserriss im Oberschenkel). In Kürze werde ich wieder mit den Trainings starten. Auch wenn ich wieder fit bin, ist es schwierig, einen festen Stammplatz zu erhalten. Ich habe einen starken Konkurrenten auf meinem Platz in der rechten Verteidigung. Vorerst habe ich also keinen Stammplatz. Ich werde aber alles geben, um meinen nächsten persönlichen Meilenstein in absehbarer Zeit zu erreichen. 

 

 

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