• Im Oberaargau gibt es genügend Wasser. Unser Symbolbild zeigt das Reservoir Rappechopf in Lotzwil. · Bild: Leroy Ryser/archiv

23.11.2018
Oberaargau

Im Langetental hat es genügend Wasser

In vielen Regionen hat der ausbleibende Regen zu Problemen bei der Wasserversorgung geführt. In Langenthal, wo der Gemeindeverband Wasserversorgung untere Langete (WUL) zuständig ist, war die Situation in keinem Moment angespannt. Oliver Schmidt, Geschäftsführer des WUL, sagt sogar, dass man davon weit entfernt war.

Oberaargau · Die Wasserknappheit ist längst ein Thema in den Medien. Auch im Gebiet des «Unter-Emmentaler» hat der lange ausbleibende Regen dazu geführt, dass Quellen versiegt sind und Speicherwerke für die Wasserversorgung angezapft werden mussten.
Im Gebiet Langenthal, wo der Gemeindeverband «Wasserversorgung untere Langete», kurz WUL, 11 Verbandsgemeinden und deren Bevölkerung versorgt, gab es auch in diesem Jahr nie ein Problem. Oliver Schmidt, Geschäftsführer des WUL, sagt sogar: «Von einer brenzligen Situation waren wir weit entfernt. Da gab es weitaus schwierigere Jahre.» Und dies, obwohl sich der Wasserverbrauch der WUL auf jährlich über drei Millionen Kubikmeter beläuft. Logischerweise drängt sich daher die Frage auf, wo denn das Wasser herkommt, wenn es über Monate hinweg eigentlich kaum regnet.

Täglich ein bis zehn Meter
Ein erstes Indiz ist die Geschwindigkeit, in der sich Grundwasser fortbewegt. Schätzungsweise legt Grundwasser am Tag zwischen einem und zehn Metern zurück. Der Langete-Grundstrom, so wird angenommen, entspringt irgendwo zwischen Madiswil und Huttwil und wird dann im Hard in einem Grundwasserbecken gefasst. Regnet es deshalb ausgangs Madiswil, legt das Wasser, nachdem es versickert ist, eine Luftlinie von etwa acht Kilometern zurück, bis es im Langenthaler Hard ankommt. Bei einer durchschnittlich geschätzten Geschwindigkeit von fünf Metern pro Tag, dauert diese Reise schätzungsweise über vier Jahre. Anders als Quellen reagiert das Grundwasser deshalb sehr träge. Selbst wenn es deshalb lange Zeit nicht regnet, wird das Grundwasserbecken im Hard auch weiterhin mit frischem Wasser gespiesen.

Winter-Niederschlag entscheidend
Viel entscheidender aber ist, dass der Grundwasserpegel auf Sommer-Niederschläge kaum angewiesen ist, verrät Florian Zurfluh, Geologe bei der «Geotechnisches Institut AG». «Wenn es im Sommer regnet, verdunstet ein Teil des Wassers gleich wieder, ein weiterer Teil wird von der Vegetation aufgebraucht. Nur ein kleiner Teil kommt überhaupt im Grundwasser an», erklärt er. Viel wichtiger sei deshalb
die Niederschlagsmenge im Winter, brenzlig werde es für dieWUL deshalb erst dann, wenn der Winter ebenfalls trocken bleibt.
 «Den Höchststand erreichte der Pegel im Jahr 2018 Ende Februar, anfangs März. Danach ist er kontinuierlich, aber langsam gesunken», erklärt Zurfluh weiter. «Fehlt dieser Höchststand, nimmt der Pegel auf einem tieferen Niveau in den Folgemonaten weiter ab. Dann könnte es mühsamer werden.» Zudem liegt dieses Grundwasserbecken insgesamt 15 Meter unter der Erde, sodass es auf Regenfälle im Gegensatz zu einer Quelle nur träge reagiert.

Pegelschwankung blieb klein
Dass die anhaltende Trockenheit in diesem Jahr Auswirkungen auf die WUL hat, glaubt Zurfluh deshalb nicht, solange die Niederschläge sich im Winter einstellen. Das ist logischerweise auch die Hoffnung von Oliver Schmidt.
«Den Sommer hindurch hatten wir ständig die Befürchtung, dass der Pegel sehr plötzlich absackt. Das ist zum Glück nicht passiert, hätte aber zu Problemen führen können.» So hat sich der Pegel insgesamt nur rund 1,5 Meter vom maximalen zum minimalen Jahresstand verändert, in anderen Jahren kann sich dieser sogar um drei Meter verändern. Dennoch würde auch das Hard-Becken von ausgiebigen Regenfällen profitieren. Diese haben, wenn sie flächendeckend fallen, schliesslich dennoch innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen einen positiven Einfluss auf den Grundwasserpegel. Aktuell besteht aber für die rund 33 000 versorgten Einwohner im Langetental kein Grund zur Sorge.

Von Leroy Ryser

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