• Rekrutin Géraldine Ruckstuhl absolviert derzeit die Spitzensportler-RS in Magglingen. · Bild: Christian Stähli

04.12.2017
Sport

In Spitzensportler-RS den Schliff holen

Géraldine Ruckstuhl, STV Altbüron– Die Ausnahme-Leichtathletin Géraldine Ruckstuhl vom STV Altbüron blickt auf ein äusserst erfolgreiches Jahr zurück. Derzeit bestreitet die 19-Jährige die Spitzensportler-RS. In Magglingen findet sie ausgezeichnete Trainingsbedingungen vor.

Leichtathletik · Die U18-Siebenkampf-Weltmeisterin von 2015 in Kolumbien, Géraldine Ruckstuhl vom STV Altbüron, war in diesem Jahr sehr erfolgreich. Einerseits verbesserte der Shooting-Star in der Schweizer Leichtathletik-Szene beim Meeting in Götzis mit 6291 Punkten den 32 Jahre alten Siebenkampf-Schweizerrekord von Corinne Schneider, anderseits holte sich «Géri» bei der U20-EM in Grosseto hinter der Ukrainerin Alina Shukh die Siebenkampf-Silbermedaille. Nebenbei verbesserte sie auch den Elite-Schweizerrekord in ihrer Lieblingsdiziplin, dem Speerwerfen, auf 58,31 m.

EM-Silber und Schweizerrekord
Nachdem sie einenhalb Monate später ihren nationalen Siebenkampf-Landesrekord kurzfristig an die Bielerin Caroline Agnou (6330 Punkte) verloren hatte, schlug Ruckstuhl schon bei der U20-EM in Grosseto zurück, wo sie neben der Silbermedaille auch den Schweizer-Eliterekord der Leubringerin mit 6357 Punkten zurückholte. Mit ihrem elften Platz an der Weltmeisterschaft in London im Siebenkampf in der Elitekategorie wurde auch das Schweizer Fernsehen auf die junge Kauffrau aus Altbüron, die ihre Ausbildung in diesem Sommer erfolgreich abgeschlossen hatte, aufmerksam. Dank ihrem Auftritt im Sportpanorama wurden auch viele Fans aus anderen Sportarten auf die 19-Jährige aufmerksam. Am Ende der Saison gewann «Géri» in Lausanne als Zugabe bei den Schweizer Nachwuchsmeisterschaften gleich vier Titel. Im 100 m Hürdenlauf, im Hochsprung, im Kugelstossen und in der Paradedisziplin Speerwerfen hatte keine Gegnerin eine Chance gegen die sportbegeisterte Luzernerin.
Bereits in London wurde Géraldine Ruckstuhl vom Schweizer Botschafter
Dominik Furgler für ihre ausserordentlichen Leistungen geehrt. Und auch von Swiss Athletics konnte «Géri» kürzlich neben Kariem Hussein und Lea Sprunger (Elite) und der 4 x 100 m Staffel der Frauen den Preis als bester Youngster des Jahres 2017 an einer Gala in Empfang nehmen. Bis und mit heute Dienstag kann man für «Géri» auch in der Wahl des besten Newcomers im Schweizer Sport abstimmen.
Was für eine Saison.

Rekrutin Géraldine Ruckstuhl
Als viertjüngste von 33 Männern und fünf Frauen absolviert Géraldine Ruckstuhl nun die Spitzensportler-RS der Schweizer Armee in Magglingen. Die ersten drei Wochen dieser Sportler-RS fanden in Wangen a/A und nicht mehr wie früher in Lyss statt. In den ersten drei Wochen in Wangen stand vor allem am Morgen die militärische Grundausbildung im Mittelpunkt. Neben der Sanitätsausbildung und der Fahrschule stand auch die Zugsschule mit Inspektion im Vordergrund. «Wir mussten auch die Schweizer Landeshymne singen», erzählt die Rekrutin. «Die Tagwache war bereits um 5.30 Uhr. Um 5.55 Uhr mussten wir uns zum Morgenessen besammeln. Bereits um 6.40 Uhr fand das Antrittsverlesen statt und kurz darauf begann unsere Arbeit. Das war für mich am Anfang nach einem kurzen aber intensiven Schlaf von manchmal nur fünf Stunden noch etwas ungewöhnlich», meinte Ruckstuhl. «Heute sage ich: wenn man früh aufsteht, hat man mehr vom Tag. Ich finde die Spitzensportler-RS eine tolle Sache, bei der man viel lernen kann. Es ist ein Privileg. So hatten wir auch eine Medienschulung im Programm. Positiv ist auch, dass man Sportlerinnen und Sportler aus anderen Sportarten kennenlernt, und dabei wertvolle Erfahrungen untereinander austauschen kann», erklärte das LA-Supertalent aus dem «UE»-Gebiet.

Spitzensportler-RS ein Privileg
Es bleibt in der Sportler-RS genügend Zeit, um dem Training nachzugehen. Am Nachmittag kann «Géri» in Magglingen u.a. mit Speerwurf-Nationaltrainer Terry Mc Hugh sowie mit Adrian Rothenbühler und Raphél Monachon trainieren. Ruckstuhls Headcoach bleibt aber Rolf Bättig. Seit Montag, der dritten Woche in Magglingen, steht jeden Morgen die Ausbildung zum Armeesportleiter im Vordergrund. «Das finde ich toll, da können wir auch die andere Seite kennenlernen. Überhaupt finde die Spitzensportler-RS eine sehr gute Sache. Unter uns Sportler verstehen wir uns bestens. Die zweite Woche in Magglingen war etwas ruhiger, denn einige Mountainbikerinnen und -biker waren wegen einem Trainingslager der Nationalmannschaft in Mallorca, nicht unter uns», erzählte Géraldine Ruckstuhl, die ihr Zimmer mit der Schwyzer Sportschützin Muriel Züger im ersten Stock des Grand Hotel, dem früheren Hauptgebäude der Eidgenössischen Sportschule, teilt.
In der gleichen Klasse wie Géraldine Ruckstuhl absolvieren auch die drei grossen Radsporttalente Marc Hirschi, Gino Mäder und Stefan Bissegger sowie der YB-Fussballer Djibril Sow die Spitzensportler-RS. Auch die tolle Aussicht bei schönem Wetter in Magglingen stuft Géraldine Ruckstuhl als Privileg ein. Nach zwei Wochen Weihnachtsurlaub ist die junge Luzernerin bis am 16. März 2018 im Eldorado des Schweizer Sportes anzutreffen. «Ich hoffe, nach den ausgezeichneten RS-Trainingsmöglichkeiten im nächsten Sommer mit starken Leistungen etwas zurückgeben zu können.» Ruckstuhl denkt dabei natürlich in erster Linie an die Europameisterschaft im August in Berlin.

Urlaub für Sportpreis-Verleihung
Bereits übermorgen Donnerstag bekommt «Géri» militärischen Urlaub, um bei der Vergabe des Oberaargauer Sportpreises im Parkhotel in Langenthal dabei sein zu können. Nachdem sie bereits 2016 den Juniorenpreis der Region Oberaargau in Empfang nehmen konnte, ist sie dank ihren Superresultaten, auch diesmal unter den fünf Nominierten Nachwuchssportlern.
Die allererste Sportler-RS fand übrigens im Jahre 1970 statt, allerdings noch nicht in Magglingen, sondern auf den verschiedenen Waffenpätze des Landes. Das Angebot wurde darauf von Jahr zu Jahr verbessert. In der Zwischenzeit gibt es jetzt sogar das Angebot als Zeitsoldat. Einer von diesen Soldaten hat Géraldine Ruckstuhl in Magglingen auch schon angetroffen: den Leimiswiler Mountainbike- Weltklassefahrer Mathias Flückiger. 

Von Manfred Dysli

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