• Nach den gelungenen Vorträgen im Vortragslokal und auf der freien Bühne erleichtert und unbeschwert draussen musizieren (von links): Beat Mader, Simona Spichiger und Oliver Marti. · Bild: zvg

15.03.2017
Oberaargau

Jungmusikantentreffen gibt «Boden» für die Zukunft

Mit nur gerade zwei von über 80 Formationen war das Verbreitungsgebiet des «Unter-Emmentaler» am letzten Sonntag am

13. Eidgenössischen Jungmusikantentreffen in Baar vertreten. Unter ihnen die «Bärnermeitschi» mit der 16-jährigen Simona

Spichiger aus Rohrbach und die «Highländlers» aus Heimisbach. Von den prickelnden Erlebnissen erzählte die Schwyzerörgeli-Musikerin Simona Spichiger.

Rohrbach · Für die teilnehmenden Formationen ist das Jungmusikantentreffen kein musikalischer Wettbewerb gegeneinander. Sie spielen jedoch vor volksmusikalischen Musikcracks wie Fränggi (Franz) Gehrig, Ueli Stump, Frowin Neff, Marcel Zumbrunn und vielen mehr, die sie konstruktiv bewerten. Für die Jungmusikantinnen und -musikanten bildet dies eine Standortbestimmung, auf welcher sie aufbauen und sich weiterentwickeln können. Das Treffen aber lebt auch mit den Vorträgen auf der freien Bühne, dem spontanen Zusammenspielen und dem Knüpfen neuer Kontakte.
Aufregend sei es gewesen, erzählt Simona Spichiger. «Aber ich wusste, dass auf ‹meine beiden Männer› sicherer Verlass ist.» Früh begann der Tag mit dem kleinen Reisebus der Sommer AG Reisen, weil «ihre Männer», Oliver Marti und der Bassist Beat Mader, unterwegs einstiegen. Ihre Einsteigeorte lagen nicht eben an der direkten Route zwischen Rohrbach und Baar.
Einmal in Baar, begann für den sehr jungen Oliver Marti und Gewinner des SRF Viva Nachwuchswettbewerbs 2017 der musikalische Marathon mit sechs Auftritten, davon drei vor Experten und der Rest auf der freien Bühne mit insgesamt 15 Stücken/Musiktiteln.
Simona dagegen hatte Zeit, um sich vorzubereiten, um andere Formationen zu beobachten und sich Vorträge von anderen Formationen vor Experten anzuhören. Erst nach dem Mittag sassen sie, Oliver Marti und Beat Mader als Formation «Bärnermeitschi» in einem der beiden Vortragslokale. Der Auftritt bereitete dem Trio grosse Freude, was sich ganz klar auf die Qualität auswirkte. Im Vorfeld hatten Simona Spichiger und Oliver Marti fleissig geübt. Der Bassist Beat Mader als vielseitiger und erfahrener Musiker gesellte sich aber erst kurz vor den Vorträgen zur Formation «Bärnermeitschi».
Trotz der minimalen Vorbereitung mit ihm zusammen klappten die Auftritte der Formation ohne Komplikationen – man kann schon fast sagen, perfekt. «Nur gerade ein kleiner ‹Wackel› im Rhythmischen wurde uns bemängelt. Ausserdem sollten wir darauf achten, kleine Details noch sauberer auszuspielen. Aber insgesamt war die Kritik von Fränggi Gehrig und Ueli Stump hervorragend», freute sich Simona Spichiger im Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler».
Umso mehr Plausch bereitete im Laufe des Nachmittags das Spiel auf der freien Bühne – und die spontanen Zusammenspiele im Instrumentendepot. «Es sind halt alles Vollblutmusiker, man kann sie nur schwer davon abhalten», stellt die Rohrbacherin fest. Und schmunzelt, wohl wissend, dass sie selbst eine dieser Vollblutmusiker ist. Mit vielen neuen positiven Eindrücken und Kontakten, aber auch mit noch viel mehr Motivation für das Schwyzerörgeli-Spiel (falls dies überhaupt noch möglich ist) kehrten Simona Spichiger und ihre Familie am Samstagabend nachhause zurück.

Unterstützt von der Familie
Sie schätzt die Unterstützung durch ihre Familie sehr. «Meine Eltern haben mich stets alles machen lassen und mir auch alles ermöglicht, was das ‹Schwyzerörgele› anbetraf. Sie ermöglichten mir Unterricht, fuhren zuweilen weite Wege zu ‹Stubeten› und anderen Anlässen. Und im richtigen Moment haben sie mich auch zum Durchhalten aufgefordert. Für all das bin ich ihnen sehr dankbar», stellt sie fest. Sie sei aber niemals zum «Erfolg» angehalten worden. Im Gegenteil: «Im musikalischen Bereich ist es wichtig, die Sporen abzuverdienen. Das zeigen Beispiele von Siegern von Casting Shows, die aus dem Nichts aufgetaucht sind, von denen man aber anschliessend in der Öffentlichkeit kaum mehr etwas gehört hat», weiss sie.
Vielmehr müsse konsequent geübt werden, die Freude am Musizieren jedoch im Vordergrund stehen. Wichtig sei auch das Netzwerk Gleichgesinnter. «Das ist es, was bei der Volksmusik Boden gibt.» Dieses Netzwerk könne sich jedoch nur bei Stubeten, Treffen und weiteren geselligen Anlässen bilden. Bei den Jungmusikatenstubeten beispielsweise, die vom Förderer und Begleiter der JungmusikantInnen Urs Liechti organisiert werden (Verband Schweizer Volksmusik), können wichtige Kontakte geknüpft und vom gegenseitigen Können untereinander ausgetauscht und profitiert werden.
Mit leuchtenden Augen erzählt Simona, wie bei den Vorträgen auf der freien Bühne Kinder zu ihnen heraufgestaunt, die Formationen bewundert haben. «Es würde mich freuen, wenn ich die Begeisterung für das ‹Schwyzerörgele› später einmal weitergeben könnte. Aber eins nach dem andern. Zuerst kommt die Lehre und im musikalischen Bereich das Sammeln von neuen Erfahrungen.» Eben Schritt für Schritt das Treppchen hinauf.

Infos: baernermeitschi.musik@gmail.com

Von Liselotte Jost-Zürcher

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