• Der Königsmacher Peter Lehmann hat die Krone bei der Produktion bereits aufgesetzt. · Bilder: Yanick Kurth

  • Andreas Schär holt die fertig gebackenen Dreikönigskuchen aus dem Ofen.

05.01.2018
Huttwil

Königsmacher im Dauereinsatz

Heute wird er wieder überall im süssen Brot gesucht: der König. Und jeder will ihn haben, um sich wenigstens einen Tag im Jahr wie ein König fühlen zu können. Damit aber die Dreikönigskuchen heute frisch auf dem Tisch stehen können, legten die Bäcker in der Nacht Sonderschichten ein.

Heute ist Dreikönigstag. Da darf der obligate Dreikönigskuchen nicht fehlen, schliesslich soll ja ein Familienmitglied oder ein Arbeitskollege König werden – zumindest für einen Tag. Das beliebte Hefeteiggebäck gibt es in diesen Tagen bei jedem Bäcker zu kaufen, inklusive goldenem Pappkrönchen und einer im Teig verborgenen kleinen Figur. Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück. Doch wie viel Arbeit steckt eigentlich hinter dem beliebten Gebäck? Und ist wirklich in jedem Kuchen ein König drin? Besuche bei zwei Bäckereien der Region liefern die Antwort. Heute und in den letzten Tagen produzierten die Bäckerei Schär in Huttwil und die Bäckerei Lehmann in Dürrenroth hunderte von Königskuchen. Dieses Jahr sind es etwas weniger, da der Tag auf ein Wochenende fällt und die Firmen und Schulen keine Bestellungen aufgegeben hätten.

Dutzende Kilogramm Teig
Die letzte Nacht war für die Bäcker in der Region eine anstrengende Angelegenheit. Denn neben den üblichen Brotwaren und Gipfeli waren auch Dreikönigskuchen zu backen. Dutzende Kilogramm Teig rührten die Bäckerei Lehmann in Dürrenroth und die Bäckerei Schär in Huttwil an. Mehl, Zucker, Hefe, Milch, Eier, Butter, Salz und Mandelmasse gehören hinein. Später fügten die Bäckermeister die Rosinen oder die Schokolade hinzu. Bei Peter Lehmann fanden heuer zum ersten Mal auch Aprikosen den Weg in den Dreikönigskuchen. Ob dieser gut ankomme, wisse er noch nicht.

Könige verschwinden im Kuchen
Und wie werden die Kuchen hergestellt: Riesige Teigklumpen landen auf den Arbeitstischen. Zuvor haben die Bäckermeister genau ausgerechnet, wie schwer die Teigstücke sein müssen. Eine Maschine formt nun daraus gleichmässige kleine Stücke. An-schliessend stecken die Bäcker mit geschickten Händen Königinnen und Könige in die Kuchenstücke. Während Andreas Schär den König auf den vorbereiteten Kuchen legt und diesen anschliessend in einem beliebigen Teigstück versteckt, lässt Peter Lehmann jeweils ein Teilstück im Kuchen frei. Später setzt er bei allen Kuchen das Stück mit dem König ein. So sind sich die beiden Bäckermeister – jeder nach seiner Art – auch wirklich sicher, dass in jedem Kuchen ein König versteckt ist. Lehmanns in Dürrenroth nennen den König übrigens «Chüngu».
Der noch rohe Kuchen braucht noch etwas Zeit um aufzugehen, bevor ihn Andreas Schär mit Ei bepinselt und für knapp 20 Minuten in den Ofen schiebt. Fertig gebacken wird er mit Puderzucker bestreut und ausgekühlt, bevor er von den Schleckmäulern verschlungen wird. Bei der Bäckerei Schär in Huttwil werden ausserdem zehn goldene Könige versteckt. Wer im Kuchen einen goldenen König findet, kann tolle Preise im Gesamtwert von 6500 Franken gewinnen.

Wo ist der König versteckt?
«Dass in einem Kuchen mehrere Könige versteckt sind oder auch keiner, das könne durchaus vorkommen», sagt Andreas Schär zum «Unter-Emmentaler». Je nach Wunsch des Kunden. Im Laden sind jedoch nur Dreikönigskuchen mit einem König zu kaufen. Variationen mit vier, sechs, acht, zehn oder gar zwölf Teilen sind normal. Jener mit Rosinen ist nach wie vor der Beliebteste. «Die Kinder mögen natürlich am liebsten den Dreikönigskuchen mit süsser Schokolade», sagt Bäckermeister Peter Lehmann. Für die Bäcker gehört der Dreikönigstag zu den umsatzstärksten Tagen im Januar. Einen besonderen Tipp um den König zu finden haben die beiden Bäckermeister aber nicht. Dieser sei bei fachgerechter Arbeit nämlich von aussen nicht zu sehen. Andreas Schär sagt nur so viel: «Ich lege den König jeweils in das dritte Brötchen von links.» Auch beim Umdrehen des Kuchens fällt nichts Aussergewöhnliches auf. Man ist also vom Glück abhängig und umso weniger Stücke der Kuchen hat, umso grösser die Chance, das Richtige zu erwischen.

Von Gebäckforscher Max Währen entwickelt
Laut dem Verband der Schweizer Bäcker-Confiseure werden vom «beliebtesten und am weitest verbreiteten Brauchtumsgebäck der Schweiz» rund 1,5 Millionen in der ganzen Schweiz verkauft. Der Hefekuchen, der am Festtag der Heiligen Drei Könige hergestellt wird und in dem eine kleine Königsfigur eingebacken ist, wurde zu Beginn der 1950er-Jahre vom Gebäckforscher Max Währen zusammen mit der Bäckereifachschule Richemont entwickelt.
Wenn dann auch Bäcker Peter Lehmann nach getaner Arbeit zu einem Stück Kuchen kommt, soll es bei ihm jener mit Rosinen sein. Andreas Schär hingegen ist kein Liebhaber des Traditionsgebäcks. Wenn er dann doch eines esse, sei es ebenfalls eines mit Rosinen. Und, haben sie den König schon gefunden? Nein? Dann nichts wie ran an den gluschtigen Dreikönigskuchen. Viel Glück! 

Von Yanick Kurth

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