• Beat Lanz mit seiner ersten eigenen Kamera, einer Rollei mit dem Filmformat 4x4cm. · Bild: Hans-Ruedi Lanz

15.09.2017
Huttwil

Mit einer Postkarte fing alles an

Er protokolliert fotografisch das Geschehen in und um Huttwil. Dies seit Jahrzehnten. Beat Lanz ist seit 50 Jahren im Fotoclub, davon 35 Jahre Obmann, und er drückt auch ab, wenn andere die Szene als unspektakulär betrachten. Diese Motive machen seine riesige Bildersammlung speziell. Es sind die unscheinbaren Dinge im Leben, die im Mittelpunkt stehend und auf einmal grossartig wirken.

In der «Krone» Huttwil wurde am letzten Fotoclub-Monatshöck das spezielle Jubiläum gefeiert. Beat Lanz hat den Club massgeblich geprägt, weiterentwickelt und durch alle Höhen und Tiefen geführt. Der Fotoclub steht nun vor der Herausforderung, einen neuen Obmann zu suchen. «Macht euch Gedanken, ab Oktober 2018 will ich dem Club nur noch als Mitglied dienen», betonte er in seiner Dankesrede vor den Clubmitgliedern erneut. Diese wissen von den kommenden Veränderungen seit anfangs Jahr. Eines ist sicher: Es werden grosse Fussstapfen sein, in die eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger treten wird.

Die Ansichtskarten der Grosseltern
Früh schon, als Knirps bei einem Mittagessen bei den Grosseltern, hat es Beat Lanz den Ärmel für die Fotografie reingenommen. Zwei alte Ansichtskarten von Huttwil faszinierten ihn. «Wenn ich jetzt mit dem Fotografieren anfangen könnte, dann wüssten die Leute in 50, 60 Jahren auch, wie es heute im Städtli aussieht», dachte er sich. Mit hart erspartem Sackgeld finanzierte er sich den ersten Rollenfilm, den er in Vaters Box-Kamera einlegte und entwickeln liess. «Mit mässigem Resultat», wie er findet. Dank eines Nebenjobs und diszipliniertem Sparen konnte er sich 1964 die erste Rollei-Kamera kaufen. Das war drei Jahre vor seinem Eintritt in den Fotoclub. Seither hat er in unzähligen Alben und Büchern das Geschehen in der Region Huttwil vielseitig dokumentiert. Seine Liebe zur Natur ist offenkundig, auch fotografische Experimente sind auf seinen eindrücklichen Bildern verewigt.
Aber auch alte, sehr alte Fotoarchive hat er zur Ehre gezogen. Seine Sammlung umfasst zudem seit langem auch Erzählungen, Begebenheiten und Daten, die er sorgfältig festhält.

Im stillen Kämmerlein
Beat Lanz hat nicht Hunderte, sondern Tausende Stunden mit Büchern, Akten und Dokumenten im «stillen Kämmerlein» verbracht, um nach Hinweisen zu alten Bildern zu suchen. Rund 1000 alte Postkarten aus Huttwil und der nahen Umgebung, dazu unzählige alte Fotos sind es, welche seine Sammlung umfasst. Es ist wertvolles Kulturgut, das über Jahrzehnte hinweg gewachsen und sorgfältig bearbeitet und archiviert worden ist. Zum Teil findet er die Bilder und Unterlagen selber an Börsen oder im Internet. Es wird ihm aber auch viel Material von Personen zugetragen.
Dieses Material scannt er ein; dann bekommen die Eigentümer ihre Originale zurück. Ab und zu werden ihm diese überlassen. Dabei versucht er jeweils, von den Besitzern möglichst viel über die Bilder zu erfahren – und steht nicht selten unter Zeitdruck; mit dem Tod eines jeden alten Menschen gehen auch wertvolles Wissen und Erfahrung verloren. 1989 veröffentlichte der Autor den ersten Band «Huttwil – wie es einmal war» seiner alten Fotoansichten aus Huttwil, 1998 Band zwei und 2006 Band drei. Band eins ist vergriffen, Band zwei und drei sind noch erhältlich. Mit seinem vierten Foto-Bildband hat er 2011 in äusserst aufwändiger Arbeit die «Huttwiler Vergangenheit» um 218 Seiten auf 788 Seiten erweitert. Band V ist seit längerem in Arbeit. Beat Lanz ging seinen Weg konsequent und hat sein Ziel längst erreicht. Denn dank ihm kann auch die Öffentlichkeit nachvollziehen, wie die Region sich in den letzten über 50 Jahren verändert hat.

Gut zu wissen
Die Bücher «Huttwil – wie es einmal war», Band II - IV, sind beim Autor Beat Lanz, Ibachstrasse 16, Huttwil, Tel. 062 962 14 65, beatlanz.foto(at)bluewin.ch, www.beatlanz.ch sowie in regionalen Buchhandlungen zum Preis von 40 Franken erhältlich.

Von Josy Bucher / Liselotte Jost-Zürcher

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