• Viel Platz, um die Mopac-Liegenschaft sinnvoll zu nutzen: Unternehmer Hans-Ueli Müller will die Eriswiler Bevölkerung ins Boot holen und sie in der Realisierung von Projekten unterstützen. · Bilder: Liselotte Jost-Zürcher

17.03.2017
Emmental

Mopac-Liegenschaft soll «Dreieck der Freude» werden

Der Eriswiler Bevölkerung ist das Schicksal der Mopac-Liegenschaft nicht egal. Gegen 50 Leute haben am Mittwochabend den Informationsanlass von Hans-Ueli Müller, der die Mopac auf anfangs Jahr übernommen hat, besucht. Ganz klar zeichnete sich ab, dass die Liegenschaft vielfältig weitergenutzt werden soll – am liebsten gemäss der Vorstellung von Hans-Ueli Müller, als «Dreieck der Freude». Die Bevölkerung soll aber in die Nutzung eingebunden werden.

Eriswil · Schon bald nachdem bekannt wurde, dass der Banker und Unternehmer Hans-Ueli Müller die Mopac Wasen und Eriswil übernehmen und mit rund einem Drittel der Mitarbeitenden weiterführen wird, war auch klar, dass die Produktion in Eriswil eingestellt wird. Doch Hans-Ueli Müller faszinieren alte, geschichtsträchtige Gebäude. Diese einfach zurückbauen will er nicht. Dies hat der «Retter» von verschiedenen Firmen, die ins Schlingern geraten sind, mehrmals bewiesen. Unter anderem 1993 mit der FL Metalltechnik AG in Sumiswald und 2010 mit der Papierfabrik in Deisswil.
Mit scharfem wirtschaftlichem Denken, mit pädagogischem Geschick den Mitarbeitenden gegenüber und mit Respekt vor der Geschichte der jeweiligen Firmen und Liegenschaften gelang es ihm, die Unternehmen wieder in Schwung zu bringen.
Aber bereits im riesigen, vielschichtigen Areal von Deisswil fokussierte er nicht mehr allein auf Produktion. Er sammelte Ideen zur Nutzung der Gebäude, half realisieren – und freut sich heute am Sammelsurium von Projekten, die hier zusammenkamen und immer noch am Entstehen sind.
Viel Potenzial sieht er auch in den geschichtsträchtigen Gebäuden der Mopac in Eriswil. Für das Kerngeschäft der neuen Mopac Wasen AG dienen sie nicht mehr. Die neue Mopac sei Januar/Februar 2017 sehr gut angelaufen und auch der März sei vielversprechend, teilte er am Mittwochabend mit. Eben habe man wieder einen Vertrag mit einem Grosskunden ab-schliessen können, der eigentlich abspringen wollte. Die Qualität müsse stimmen; die Innovationen für die Gestaltung der Produkte ebenfalls. «Der Kunde soll wissen, weshalb er für ein Produkt der Mopac mehr bezahlt. Doch mit der Produktion von Verpackungen jeglicher Art stehen wir finanziell unter einem riesigen Druck. Wir sind auf effiziente Arbeitsabläufe und kurze Arbeitswege angewiesen», erklärte er vor den Versammelten.
Auf dem Rundgang erhielten die Besucherinnen und Besucher einen Eindruck von der Vielfalt, aber auch vom Charme der Gebäude. «Diese Möglichkeit hatten wir zuvor nie», stellte eine Frau fest. Ein Mann ging gerührt durch die Hallen und über die alten, knarrenden Treppen in das Dachgeschoss. Vor über 20 Jahren hatte er hier in der ehemaligen Textilfabrik gearbeitet. Das Untergeschoss ist massiv gebaut und mit Autos befahrbar; auch das Erdgeschoss verfügt über eine Einfahrt. Das Obergeschoss ist hell, könnte hervorragend zu Ateliers eingerichtet werden. Der Dachstock verfügt über einen massiven Aufbau und verspricht vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Die Lage der Mopac-Liegenschaften auf der Eriswiler Allmend ist traumhaft und gewährt Weitblick über die Hügel und ins Tal hinunter.
Es erstaunte deshalb nicht, dass sich bei einer konsultativen Abstimmung nur gerade eine einzige Person dafür aussprach, hier nur noch ein Warenlager zu führen. Fast 50 Hände fuhren für das – frei gestaltbare – «Dreieck der Freude» in die Höhe.
Hans-Ueli Müller verstand es, die Anwesenden zu begeistern, übersprühte sie mit Ideen und Vorschlägen.
Zündend schien die Idee, einen Ausstellungsraum mit Werkstatt und Lounge für Oldtimer zu realisieren. «Ein Treffpunkt für Oldtimerfans aus der Region, wo auch Dienstleistungen wie Pflege oder Reparatur der Fahrzeuge angeboten werden könnten», erklärte er. Die Büroräume und auch weitere Teile des Gebäudes könnte er sich als Workspace Area für Freelancer, Studierende und kleine Firmen vorstellen. Im jetzigen Produktionsteil möchte er bestehende Maschinen, die in der Mopac nicht mehr weiterbenützt werden, stehen lassen und Handwerkern oder «Homeworkern» zur Verfügung stellen.
«Für Jungunternehmer könnte ich mir Startup-Hilfe vorstellen. Es geht mir nicht darum, riesige Mieten zu verlangen. Aber ich möchte auch nicht fortlaufend Geld hineinstecken; die Projekte müssten irgendwann zu drehen beginnen.» Weiter könnte er sich eine flexibel nutzbare Eventhalle mit kleiner Bühne, Musikanlage und Beleuchtung vorstellen. Dazu ein Bistro, eventuell auch ein Wellnessbereich. Oder ein «Popup Store», wo tage- oder wochenweise günstige, aber qualitativ gute Markenartikel aus Überproduktion verkauft werden können; in der Art eines Rampenverkaufs. «Das würde ein Riesen-Erfolg», ist er überzeugt.

Geboren, um Freude zu haben
Das Mopac-Areal solle nicht zuletzt ein Ort der ungezwungenen Begegnung, der Freude und des Geniessens sein. «Wir sind geboren, um Freude zu haben, um gemeinsam Projekte zu realisieren – das kittet das Volk zusammen. Wenn wir keine Projekte mehr haben, für die wir uns einsetzen können, und das Interesse verlieren, sind wir ein bisschen gestorben.»
Gemeinsames Schaffen wirke auch der Vereinsamung von älteren Menschen entgegen, die sich heutzutage immer mehr abzeichne, «eine Folge des übermässigen Medienkonsums.»
Die Diskussion unter den Versammelten lief rege. Ein Anwesender schlug vor, Möglichkeiten für «Ferien wie vor 150 Jahren» zu schaffen: Selber heizen zu müssen, eine Kuh melken, kein Handy auf sich tragen ... Solches sei heute gefragt.
Es gab auch Bedenken, etwa wegen des Lärms, der bei Veranstaltungen entstehen könnte. Er stelle sich keine Konzerte mit Riesen-Lärmpegel vor, konterte Hans-Ueli Müller. Überhaupt liege es nun an der Bevölkerung, mitzubestimmen und mitzugestalten.
Ein Versammlungsteilnehmer wies auf die prekäre Parkplatzsituation hin, die insbesondere dann entstehen würde, wenn der östliche Bereich für Tourismus mit (beispielsweise) einfachen Unterkünften usw. ausgebaut und genutzt würde. Schlagfertig erwiderte Hans-Ueli Müller auf diesen Hinweis: «Über solche Probleme würde ich mich freuen. Stellen Sie sich vor, wenn wir plötzlich so viele Autos hier hätten, dass wir sie nicht mehr parkieren können ...» Lösungen gebe es immer.
Bringe ein Projekt keinen Erfolg, «lassen wir es fallen und machen etwas anderes.»
Hans-Ueli Müller verteilte Fragebogen, will in der nächsten Zeit nun Vorschläge sammeln. Bereits im April/Mai möchte er Workshops organisieren, um Projekte, die aus diesen Vorschlägen heraus kommen, konkret anzugehen. Für ihn ist klar, dass das Unterfangen nur gelingen kann, wenn die Bevölkerung von Eriswil hinter dem Projekt oder den Projekten steht und alle zusammen an einem Strick ziehen. Damit in Eriswil eine Geschichte auf positive Art weitergesponnen wird, die das Dorf vor Jahrzehnten schweizweit bekannt gemacht hat.

Gut zu wissen
Informationen: Herr Werner Zürcher, Mopac, Projektleiter Umsetzung Vision Eriswil, Tel. 079 366 44 64, E-Mail werner.zuercher(at)mopac.ch.

Von Liselotte Jost-Zürcher

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