• Sie standen im Mittelpunkt des vierten Sportforums Oberaargau (von links): Fritz Aebi (Präsident Kommission Sport Region Oberaargau), OL-Läufer Florian Howald, Leichtathletin Géraldine Ruckstuhl, David Egli (Leiter Abteilung Sport bei Swiss Olympic) und Remo Rudiger (Präsident Donnerstag-Club). · Bild: Walter Ryser

10.11.2017
Langenthal

Nachwuchs-Förderprojekt für die Region

Beim vierten Sportforum Oberaargau kündigte Fritz Aebi, Präsident Kommission Sport Region Oberaargau, ein neues Förderprojekt im Nachwuchs-Leistungssport an. Damit wolle man talentierten Nachwuchsathleten eine zusätzliche Unterstützung auf ihrem Weg zu nationalem Spitzenniveau bieten.

Das Sportforum Oberaargau ist mittlerweile ein Fixpunkt in der Agenda der Region Oberaargau und stösst auf reges Interesse. So fanden sich zur vierten Austragung über 60 interessierte Personen im Foyer der Clientis Bank Oberaargau in Langenthal ein. Sie wurden von Fritz Aebi (Präsident Kommission Sport Region Oberaargau) in Kenntnis gesetzt, dass man ab nächstem Jahr neue Wege bei der Förderung von talentierten Nachwuchssportlern einschlagen will.
Aebi erwähnte, dass die Sportförderorganisationen im Oberaargau, der Donnerstag-Club, die Kommission Sport Region Oberaargau sowie der Club 88 in Huttwil eine Partnerschaft eingegangen seien und gemeinsam ab 2018 ein neues Oberaargauer Förderprojekt im Nachwuchs-Leistungssport betreiben werden. Aebi wies darauf hin, dass man für dieses Förderprojekt weitere Partner suche. Dabei denke man auch an Gemeinden und Unternehmen.

Athletenweg vereinheitlichen
Das neue Förderprojekt soll Einzelsportlern, aber auch Gruppen und Teams zur Verfügung stehen. Die einzelnen Förderprojekte seien zeitlich beschränkt (drei bis fünf Jahre) und würden spätestens bei Erreichen des 20. Altersjahres beendet.
Mit dem neuen Förderprojekt im Nachwuchs-Leistungssport verfolge man das Ziel, talentierten Jungsportlern das Erreichen des nationalen Spitzenniveaus oder den Anschluss an die nationale Spitze im Elitealter zu ermöglichen. Dabei sollen Sportler, Gruppen und Teams mit jährlichen Beiträgen zwischen 1000 und 5000 Franken pro Projekt unterstützt werden. Die finanzielle Unterstützung erfolgt dabei aus Mitteln, die von den beteiligten Partnern zur Verfügung gestellt werden. Ein Ausschuss wird jeweils prüfen, welche Projekte, beziehungsweise Sportler, Gruppen oder Teams für ein Förderprojekt in Frage kämen.
David Egli, Leiter Abteilung Sport bei Swiss Olympic, stieg danach eine Stufe höher und stellte das Fördermodell Schweizer Spitzensport vor. Er erwähnte, dass jeder Sport-Verband ein eigenes Talent-Erfassungs- und Förderprogramm habe. Nun versuche man von Swiss Olympic her den Athletenweg zu systematisieren und zu vereinheitlichen. Dabei würden zahlreiche Gespräche mit Verbänden geführt, um einen Weg zu skizzieren. «Jeder soll auf den ersten Blick erkennen können, wie der Athletenweg funktioniert. Man muss klar aufzeigen können, welche Rolle ein Verein, die Eltern, Schule, Betriebe oder die Armee spielen», betonte David Egli. Damit soll das Fördermodell Schweizer Spitzensport über einen roten Faden verfügen.
Ziel sei es, dass alle Beteiligten besser verstehen würden, was auf einen Leistungssportler zukommen wird. Damit werde einerseits die sportliche Entwicklung nachvollziehbar und könne diese gleichzeitig in allen Bereichen besser gesteuert und auch optimiert werden. Dies wiederum werde zu einer Optimierung der Kommunikation, Abstimmung, Unterstützung und Ausbildung aller Akteure im Sport führen, erwähnte David Egli. Dazu werde man den Verbänden auch erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, führte er weiter aus.

Funktion des Trainers stärken
Welche Ziele man bei der Nachwuchsförderung im regionalen Verbund verfolgt, erläuterte Egli zum Schluss. Es gelte die Funktion des Trainers zu stärken (professionelle Übungsleiter), damit diese möglichst lange im gleichen Verein oder Verband tätig seien. Davon würden die Nachwuchssportler profitieren, würden sie doch über längere Zeit von einer vertrauten Fachperson begleitet, entwickelt und betreut. Auch plädiere man dafür, bei der Talentförderung möglichst lange mit der Selektion zu warten, weil sich nicht alle Sportler gleich entwickeln würden und einige erst später grosse Entwicklungsschritte vollziehen würden.
Auch müsse man mit geeigneten Veranstaltungen dafür sorgen, dass sich Trainer verschiedener Sportarten
austauschen und voneinander profitieren könnten. Verbesserungspotenzial sieht man bei Swiss Olympic auch im Bereich der Koordination zwischen Sport, Bildung und Beruf. Hier gelte es, noch mehr leistungssportfreundliche Schulen und Betriebe zu rekrutieren. Und zuletzt müsse man versuchen, Vereine und Verbände für den Talenttransfer zu sensibilisieren und diesen zu systematisieren, damit vielversprechende Talente, die von einer Sportart zur andern wechseln möchten (beispielsweise von der Leichtathletik zum Bobfahren oder vom Radfahren zum Triathlon), nicht verloren gehen würden.
Den Abschluss des Sportforums Oberaargau bildete ein Talk mit den regionalen Spitzenathleten Géraldine Ruckstuhl (Altbüron, Leichtathletik, Siebenkämpferin) und Florian Howald (Oberönz/Winterthur, OL), die heuer bei internationalen Anlässen mit Spitzenresultaten glänzten. Beide blickten mit Genugtuung auf ihre Förderkarrieren zurück. Ruckstuhl, die aktuell die Spitzensportler-RS absolviert, erwähnte dabei, dass für sie der Schulsport  wichtig gewesen sei, weil sie hier vieles habe ausprobieren können, und Howald sagte, dass er sehr gute Erinnerungen an die Zeit im Regional-Kader habe. Mit Blick auf das nächste Jahr erwähnte Géraldine Ruckstuhl, WM-Elfte 2017 im Siebenkampf Elite, dass es für sie darum gehen werde, ihr Potenzial weiter auszuschöpfen und zusätzliche Erfahrungen zu sammeln, während Howald, 2017 WM-Bronzemedaillengewinner mit der Schweizer Sprint-Staffel, in naher Zukunft eine Einzelmedaille bei einem internationalen Grossanlass im Visier hat. 

Von Walter Ryser

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