• Sanna Lüdi ist nach dem Podestplatz in Innichen für weitere Höhenflüge bereit. Im Fokus steht die vierte Teilnahme an Olympischen Spielen 2022 in Peking. · Bild: Keystone

07.01.2019
Sport

Podestplatz und Bad im gefrorenen See

Sanna Lüdi, Skiclub Ahorn-Eriswil – Seit zehn Jahren ist die 32-jährige Sanna Lüdi vom Skiclub Ahorn-Eriswil im Skicross dabei. Im Dezember feierte sie im Südtirol ihren neunten Weltcup-Podestplatz der Karriere. Dieser gibt dem selbsternannten Paradiesvogel die Motivation, an der bevorstehenden WM und sogar an den nächsten Olympischen Spielen 2022 in Peking Grosses zu schaffen.

Skicross · «Was die anderen Leute über mich denken, ist mir egal. Ich übe den Sport für mich aus.» Sanna Lüdi vom Skiclub Ahorn-Eriswil, dem sie seit ihrem Karrierenbeginn im Alpinbereich die Treue hält, spricht Klartext, wenn es um ihre Person geht. «Vorurteile sind schnell gemacht. Wenn mich jemand nicht so cool findet, muss ich dies einfach akzeptieren.» Sanna Lüdi, in Leimiswil aufgewachsen, ist eine der hübschesten Sportlerinnen überhaupt. Die durchtrainierte Blondine weiss in den Medien damit zu spielen, womit sie gerade in der Schweiz mitunter aneckt. Ausserdem ist sie ein «wildes Huhn», was ihr wiederum den Erfolg in ihrer Sportart Skicross eingebracht hat.

Konstantester Winter
«Gerade der Winter 2017/18, wo ich zwar keinen Finaleinzug respektive Podestplatz schaffte, aber die konstantesten Rennen meiner Karriere schaffte, zeigte mir, wie sehr ich Skicross liebe. Es macht mich einfach glücklich, wenn ich diesen Sport ausübe. Und darum habe ich auch noch nicht genug», sagt die bald 33 Jahre alte Sanna Lüdi, welche ihren Wohnort aufgrund ihres Sports dauerhaft wechselt, derzeit aber in Zürich daheim ist.

Seit zehn Jahren dabei
Von 2014 bis 2017 bestritt Lüdi praktisch keine Rennen. Knieschäden, diverse Frakturen, Bänderrisse, Schulterprobleme, eine rätselhafte Viruserkrankung sowie eine kuriose Dopingsperre (unterlassene Aufenthaltsmeldepflicht) legten sie lahm. Kraftraum und Physiotherapie statt Skipiste waren eine grosse Strapaze und erforderten von der bewegungsfreudigen Sportlerin Nerven. Doch der Wille, den Skicross-Sport weiterhin auf höchstem Level auszuüben, war grösser. Die Hartnäckigkeit hat sich ausbezahlt. Sanna Lüdi schaffte vier Jahre nach ihrem letzten Podestplatz am 22. Dezember 2018 in Innichen im Südtirol mit dem 3. Rang ihren insgesamt neunten Weltcup-Podestplatz. Das Spezielle daran: Er passierte genau zehn Jahre und einen Tag nach Beginn ihrer internationalen Skicross-Karriere. Damals, am 21. Dezember 2008, belegte sie am Europacuprennen in Grasgehren den 10. Rang. «Krass, dass ich jetzt schon zehn Jahre dabei bin. Damit hätte ich nicht gerechnet, als ich vom Alpin- in den Freestylebereich gewechselt habe», meint Lüdi. «Allerdings fühlt es sich auch nicht wie zehn Jahre an. Ich war immer wieder verletzt. Musste deswegen sogar mehrere Saisons auslassen», berichtet die finnisch-schweizerische Doppelbürgerin.

Ausgezeichneter Saisonbeginn
Die Saison 2018/19 hat für Sanna Lüdi ausgezeichnet begonnen. Ende November schaffte Lüdi beim Saisonstart im Pitztal in zwei Europacuprennen zwei Podestplätze. Beim Heimweltcup in Arosa bekam es die Nummer 2 der Schweiz hinter Fanny Smith im Viertelfinal mit einem «Hammer-Heat» zu tun, weshalb es nicht zum Weiterkommen reichte. Im ersten Rennen von Innichen hatte Lüdi Pech. Als Qualifikations-Zweite lag sie in ihrem Viertelfinal souverän in Führung, als sich ein Ski öffnete und sie deshalb ausschied. «Beim Skicross kann immer alles passieren.» In beiden Weltcuprennen deutete die 172 cm grosse Sportlerin ihre gute Form an. Und im zweiten Weltcup- rennen von Innichen klappte es dann mit dem Podestplatz. «Dies hat mir einen unglaublichen Schub gegeben.»

Finnisches Bad im gefrorenen See
Lüdi trainierte auch über die Feiertage topmotiviert. Diese verbrachte sie bei ihren Grosseltern in Finnland. Die ausgeflippte Sportlerin, die sich selbst als Paradiesvogel bezeichnet, ging dort einer Tradition nach. «Ich pickle jeweils eigenhändig ein Loch in den gefrorenen See. Es ist Tradition, dass wir in die Sauna und danach im See baden gehen», lacht Lüdi. «Während ich in der Schweiz kalt habe, wenn ich im Winter im See baden gehe, ist das Wasser in Finnland vergleichsweise fast warm. Und zwar darum, weil die Luft  in Finnland minus 25 Grad betrug.» Neben hartem Training boten die Festtage für Lüdi damit auch familiären Spass.

Vierte Olympische Spiele im Fokus
Derzeit bereitet sich Sanna Lüdi auf der Reiteralm in Österreich in einem Trainingslager auf die bevorstehenden Renneinsätze vor. Dann führt die Reise der Sportweltenbummlerin nach Schweden, wo in Idre Fjall am 19./20. Januar ein Doppel-Weltcuprennen auf dem Programm steht. Das Hauptziel der Saison bilden aber die Weltmeisterschaften Anfangs Februar in Amerika. «Ein Podestplatz soll es werden», gibt Sanna Lüdi die klare Zielsetzung bekannt. Über allem stehen aber die Olympischen Spiele 2022 in Peking. Sanna Lüdi will dann als 36-Jährige zu ihren vierten Olympischen Spiele nach Vancouver 2010 (35. Rang), Sotschi 2014 (13. Rang) und Pyeongchang 2018 (7. Rang/Diplomgewinn) antreten. «Diesem Ziel ordne ich alles unter.» 

Von Stefan Leuenberger

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