• Werner Scheidegger – ein «Madiswiler» mit Leib und Seele. · Bild: Patrick Bahmann

27.02.2017
Oberaargau

Rücktritt eines umtriebigen Getriebenen

Werner Scheidegger gab sein letztes «Ämtli» ab. Ende 2016 trat er aus dem Redaktionsteam des «Linksmähder» aus. Er war Gründungsmitglied und begleitete die Madiswiler Dorfzeitung elf Jahre lang. Grund genug, mit ihm nochmals zurückzuschauen.

Madiswil · Die «Linksmähder»-Ausgabe vom Dezember 2016 war die letzte, die Werner Scheidegger noch vor dem Druck gelesen und korrigiert hat. Mit dem Rücktritt aus dem Redaktionsteam gab er nun sein letztes offizielles «Ämtli» auf. Der umtriebige 80-Jährige hatte seit seiner Pension vor rund 15 Jahren in Madiswil viele ehrenamtliche Aufgaben übernommen. Der ehemalige Gemeinderat war auch Präsident der Genossenschaft Zelgli, des Ortsvereins und des Männerchors. Ein Journalist habe ihn in dieser Zeit mal ironisch gefragt, ob es in Madiswil eigentlich einen Verein gäbe, in dem er nicht aktiv sei ...
Werner Scheidegger selber stand aber nie gerne im Rampenlicht. Bescheiden führte er seine Tätigkeiten gewissenhaft und mit grosser Leidenschaft aus – der Erfolg der Projekte stand für ihn im Vordergrund. Als Gründungsvater und Redaktionsmitglied war er an der Erfolgsgeschichte des «Linksmähder» massgeblich beteiligt.

Sie waren Gründungsmitglied des «Linksmähder». Wie ist es dazu gekommen?
Nach einem fast dreijährigen Abstecher ins Emmental wieder im Heimatdorf angekommen, brachte ich die Idee einer Dorfzeitung mit. Hier in Madiswil gab es damals lediglich ein einfaches ‹Gmeinsblettli› von der Gemeindeverwaltung, das ‹Madis-Info› vom Gewerbeverein ohne redaktionelle Beiträge und eine kleine Publikation der FDP. Als Präsident des Ortsvereins brachte ich dann 2004 die Idee einer gemeinsamen Publikation auf. So könnten die Vereine, das Gewerbe und die Gemeindeverwaltung ihre Mitteilungen und Veranstaltungshinweise kostengünstig publizieren. Denn bis anhin mussten die Vereine selber Flyer herstellen und verteilen lassen, was jeweils ins Geld ging.

Und die Idee, wurde sie gut aufgenommen?
Die Idee wurde im Ortsverein diskutiert und voran getrieben. Es wurde dann eine Arbeitsgruppe gegründet, eine Umfrage durchgeführt und ein Gründungsantrag gestellt. Der Gemeinderat unterstützte das Vorhaben, und Vreni Schaller, Sekretärin des Ortsvereins, übernahm die Redaktion. Bereits die erste Ausgabe überstieg mit 20 statt den vorgesehenen zwölf Seiten die Erwartungen bei weitem, und der Umfang wuchs danach stetig. So wurde die Dorfzeitung zum Bindeglied zwischen Verwaltung, Kirche, Vereinen, Gewerbetreibenden und den Menschen unserer Gemeinde.

Sie haben nun elf Jahre als Redaktionsmitglied hinter sich. Worin bestand Ihre Aufgabe?
Neben den Redaktionssitzungen und dem Korrekturlesen habe ich hin und wieder selber Beiträge verfasst. Vor allem habe ich über die Genossenschaft Zelgli berichtet, weil ich mich für das Projekt engagierte. Denn das ‹Zelgli› mit seinen Alterswohnungen, der Gruppenpraxis, der Kindertagesstätte und der Pflegewohngruppe betrifft alle Bewohnerinnen und Bewohner von Madiswil. Gerade im Blick auf die Zukunft – wir werden alle einmal alt ...

Was macht für Sie eine Dorfzeitung aus?
Den Wert einer Dorfzeitung lernte ich in den knapp drei Jahren in Oberthal kennen: Ich war dort fremd, und als Neuzuzüger erfährt man so, was läuft. Eine solche Publikation ermöglicht es den Vereinen, über ihre Aktivitäten zu berichten, was auch wieder den Zusammenhalt fördert. Die Dorffusion ist ein weiterer Grund, dass eine Dorfzeitung wichtig ist. Ich habe den Eindruck, dass der ‹Linksmähder› auch in Leimiswil und Kleindietwil gut zur Kenntnis genommen wird und Anlässe gemeldet werden.

Was ist der Grund für Ihren Rücktritt?
Mein Alter. Ich habe es auch mit anderen Ämtern so praktiziert: Man sollte aufhören, bevor jemand sagen muss, ‹es wär jetzt de Zyt› ... Ich bin jetzt über 80 und ‹jetzt längt’s›.

Was haben Sie für Pläne? Sie waren  ja immer sehr aktiv und werden wohl kaum den ganzen Tag ‹in der Stube hocken ...›
Konkrete Pläne habe ich keine mehr. Vielleicht bleibe ich weiterhin schriftstellerisch tätig. Das geplante Buch über die Bewohnerinnen und Bewohner des Zelgli habe ich fertig geschrieben, und es wird ungefähr im Frühling im Kulturbuchverlag Herausgeber.ch erscheinen.

Sie haben sich in Madiswil acht Jahre als Gemeinderat und in vielen Vereinen engagiert. Was war Ihre Motiviation?
Ich fühle mich in Madiswil immer zugehörig und engagierte mich für das Zusammenleben, auch wenn mir eigentlich manchmal die Zeit fehlte. Wir profitieren tagtäglich von den Strukturen, den funktionierenden Schulen, dem Strassenunterhalt usw. Mit solchen ehrenamtlichen Tätigkeiten kann man dem Gemeinwesen auch etwas zurückgeben, denn es baut auf engagierte Menschen.

Sie können auf eine über 80-jährige Dorfgeschichte zurückblicken. Wie empfinden Sie die Entwicklung?
Aus meiner Optik als Bauer hat sich die Gemeinde sehr stark verändert, das Wachstum ist enorm. Vor einigen Jahrzehnten gab es zum Beispiel noch 60 Milchlieferanten im Dorf, teilweise mit nur ein bis zwei Kühen. Da hätte man es sich nicht vorstellen könnnen, dass die Käsereien Mättenbach, Ghürn und Wyssbach einmal schliessen werden. Im Gässli und auf der Platte lebten 20 aktive Bauern – heute ist dort nur noch der Betrieb der Badertschers übrig. Leider haben wir nicht genügend Arbeitsplätze in und um Madiswil. Es gibt daher viel mehr Leute, die nur noch hier schlafen. Ich kann es nicht beurteilen, wie sehr sie am Dorfleben teilnehmen. Aber in Madiswil haben wir eine vergleichsweise hohe Lebensqualität. Wir haben noch eine gesunde Infrastruktur, verschiedene Läden und ein aktives Vereinsleben.

Von Patrick Bachmann

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