• Dr. Andreas Kohli, Direktor SRO AG, präsentiert das T-Zertifikat. · Bild: Hans Mathys

07.09.2018
Langenthal

T-Zertifikat für Qualität und Vertrauen

Die Spital Region Oberaargau AG (SRO) hat als erste Klinik in der Schweiz das T-Zertifikat erhalten. Dieses bescheinigt einen transparenten Umgang mit ihrer Qualität und stärkt das Vertrauen der Patientinnen und Patienten.

«Wir haben Freude und sind stolz», sagte Dr. Andreas Kohli, Direktor SRO AG, bei der Begrüssung zur Medienkonferenz, um dann das Wort gleich an Dr. med. Thomas Kinsbergen, dem ärztlichen Direktor und Chefarzt Chirurgie SRO AG zu übergeben. «Der Patient geht in jenes Spital, zu dem er Vertrauen hat. Das Vertrauen unserer Patientinnen und Patienten ist unser höchstes Gut», betonte dieser und verwies auf den Konkurrenzkampf der Spitäler, der weiter zunehme. In den Medien würden Spitäler und Ärzte in den Fokus und damit in die Schlagzeilen geraten, weil ihnen zuweilen vorgeworfen werde, sie würden des Geldes wegen unnötige Eingriffe durchführen – und nicht alle Ärzte hätten das nötige Know-how beziehungsweise die erforderliche Routine, um schwierige Operationen durchzuführen. Die Diskussionen würden sich um Notwendigkeit, Wirtschaftlichkeit und Qualität drehen. In diesem Zusammenhang habe sich die Chirurgie SRO für Transparenz entschieden mit der Offenlegung des gesamten Behandlungsprozesses von der Sprechstunde bis zur Nachkontrolle.

Herausforderung des Chirurgen
Um dieses T-Zertifikat erfolgreich zu bestehen, werde der Behandlungsprozess von der Indikationsstellung bis zum Austritt geprüft, so Kinsbergen. Das Zertifikat stelle eine konsequente Weiterentwicklung der Qualitätsarbeit in der Chirurgie SRO sicher. Der Chefarzt schnitt eine besondere Herausforderung des Chirurgen an – nämlich den Entscheid, welche Behandlungsmassnahme angemessen sei. «Die Qualität der Indikationsstellung ist schwieriger als die Operation selbst», hielt Kinsbergen fest.
«Das T-Zertifikat bietet Gelegenheit, alles zu überprüfen. Da werden keine Komplikationen unter den Tisch gewischt», sagte Dr. med. Dominik Lüdi, stellvertretender Chefarzt Chirurgie SRO. Dieser nannte auch bereits die nächsten Schritte, welche die Chirurgie SRO ins Auge fasse, um künftig den Nutzen einer Behandlung noch strukturierter auswerten zu können: «Wir planen die Einführung einer sogenannten Outcome-Messung für definierte Eingriffe. Anhand von sechs Fragen wird vor dem Eingriff der Gesundheitszustand des Patienten erhoben. Die gleichen Fragen werden ihm sechs Monate nach dem Eingriff erneut gestellt. Die Wirksamkeit der Behandlung wird gemeinsam mit dem Patienten überprüft. Diese Outcome-Messung ergänzt die bereits erhobenen Qualitätsdaten wie beispielsweise das Auftreten von Komplikationen. Die erhobenen Daten sowie die Umsetzung der Qualitätskriterien des T-Zertifikats besprechen wir regelmässig im Ärzteteam und passen unser Verfahren bei Bedarf an.»

«Ein zukunftsweisender Schritt»
Weil Dr. med. Markus Trutmann, Generalsekretär des Verbandes chirurgischer und invasiv tätiger Fachgesellschaften (SMCH), kurzfristig verhindert war, die Medienkonferenz zu besuchen, verlas Dr. oec. HSG Luzi Rageth, Sekretär der T-Stiftung, das schriftlich verfasste Statement Trutmanns. Trutmann bedauert, dass beim Thema Qualitätssicherung heute, wo Tariffragen die Standes- und Gesundheitspolitik dominieren würden, Qualitätsaspekte in den Hintergrund treten und als lästige Angelegenheit empfunden würden. Trutmann: «Bis zu einem gewissen Grad kann ich das verstehen. Viele Spitäler kämpfen ums finanzielle Überleben. Die Tarifeingriffe des Bundesrates haben zahlreichen Spitälern stark zugesetzt. Dann kommen noch die Listen ambulant und stationär hinzu. Einige Kantone verlangen sogar Mindestfallzahlen bis auf die Stufe der einzelnen Chirurgen.» Trutmann bezeichnet die Verleihung des T-Zertifikats an das SRO als «zukunftsweisenden Schritt.» Es freue ihn besonders, wenn Leistungserbringer proaktiv an zukunftsweisenden Projekten teilnehmen oder diese sogar selbst initiieren.

«Transparent, sauber und klar»
«Die vielen Fake News sind für uns ein Problem», sagte der nächste Referent, PD Dr. Valentin Neuhaus, Traumatologie Universitätsspital Zürich. Der Buchstabe «T» vor dem Wort Zertifikat stehe für Transparenz – und eine solche sei notwendig. Dieses T-Zertifikat erlaube auch Vergleiche mit anderen Spitälern. Sein Besuch im SRO in Langenthal als Auditor sei sehr harmonisch verlaufen. Alles sei perfekt organisiert gewesen, «transparent, sauber und klar». Diesbezüglich lobte er Qualitätsmanagerin Evelyn Müller ebenso wie Dr. Kinsbergen und Dr. Lüdi.

«Planen, umsetzen, kontrollieren»
Die T-Zertifizierung erfolgte durch die weltweit in 140 Ländern vertretene Société Générale des Surveillance SA (SGS) mit Sitz in Genf, vertreten aber auch in Zürich. Die SGS ist weltweit eine der grössten Zertifizierungsgesellschaften. In Langenthal dauerte der Zertifizierungsprozess rund neun Monate. Das SRO – als erstes Spital in der Schweiz mit dem T-Zertifikat ausgestattet – muss dieses nach drei Jahren erneuern, wobei die Audits jährlich erfolgen. Auch andere Kliniken hätten ihr Interesse angemeldet und seien zurzeit am Evaluieren, so Elvira Bieri, Managing Director bei der SGS. «Planen, umsetzen und kontrollieren», beinhalte der ganze, in die Tiefe gehende Prozess zur Erlangung des T-Zertifikats. Die Statistiken würden dazu dienen, um noch besser und effizienter arbeiten zu können. Das T-Zertifikat verstärke zudem den internen Fokus auf Qualität und liefere wertvolle Hinweise für Verbesserungen. Abläufe würden weiter optimiert. Das T-Zertifikat stärke die Position einer Klinik gegenüber Krankenkassen und Ämtern. Das SRO mit seinem Einzugsgebiet von rund 95 000 Personen verspricht sich zudem Wettbewerbsvorteile.

«Zuverlässige Daten sind wichtig»
«Ich bin in doppelter Funktion hier», sagte Dr. med. Thomas Ruckstuhl, der letzte Referent an der SRO-Medienkonferenz – als Hausarzt und als Präsident Ärztenetzwerk Oberaargau. «Wir brauchen zuverlässige Daten. Die Patientinnen und Patienten wollen entscheiden, wohin sie gehen möchten. Das T-Zertifikat fördert unser Vertrauen zum SRO sowie jenes der Patienten», so Ruckstuhl, der das sehr gute Verhältnis zum SRO unterstrich.

Von Hans Mathys

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