• Alexandra Beate Rosmus hielt an der Klinik SGM einen interessanten Vortrag zum Thema «Sprechen ist mehr als Reden». · Bild: Hans Mathys

01.06.2018
Langenthal

Von der Wichtigkeit der Körpersprache

Die Basler Theaterpädagogin und Ärztin Dr. med. Alexandra Beate Rosmus unterstrich am Vortrag «Sprechen ist mehr als Reden» in der Klinik SGM Langenthal, wie wichtig die Körpersprache ist.

«Im Kino sind die besten Plätze jene ganz hinten – bei uns nicht», sagt SGM-Chefarzt Dr. med. Albrecht Seiler bei der Begrüssung der nahezu 80 Interessierten am öffentlichen Vortrag zum Thema «Sprechen ist mehr als Reden – ein lebendiger Beitrag zur vielschichtigen Kommunikation» mit Alexandra Beate Rosmus. Also dislozieren jene Besucherinnen und Besucher aus den letzten Reihen – wie vom Chefarzt angeregt – von hinten in die vordersten Reihen. Dies auf die Gefahr hin, weil jetzt exponiert sitzend, von der Referentin hie und da auch zum aktiven Mitmachen aufgefordert zu werden.
Albrecht Seiler notiert bei der Vorstellung der Referentin Begriffe mit dem Anfangsbuchstaben «K»: Kreativ, Kolumbien, Kabarett und Körper. Alexandra Beate Rosmus ist kreativ, lernte als erstes in Kolumbien Spanisch, ist als Schauspielerin dem Kabarett zugetan, und als eine Meisterin der Körpersprache beherrscht sie Mimik und Gestik. Sie macht gleich eine Handbewegung und lässt das Publikum raten, was diese zu bedeuten hat. Klarer Fall: «slowly», langsam. Auch der mit dem Mittel- und dem Zeigefinger angedeutete Buchstabe «V» ist dem Publikum als Victory-Zeichen bekannt – wie die Faust als Zeichen des Kampfes.

«Visual», «vokal» und «verbal»
Nochmals steht der Buchstabe «V» (wie Victory) im Mittelpunkt, jetzt aber in anderem Zusammenhang. Es geht um den 1939 geborenen iranisch-amerikanischen Psychologen und Professor Albert Mehrabian, der die nonverbale Kommunikation erforscht hat. Er habe festgestellt, dass der Anteil «visual» (das Gesehene, die Körpersprache) 55 Prozent beträgt, «vokal» (der Tonfall, der stimmliche Ausdruck) 38 Prozent ausmacht und «verbal» (der sprachliche Inhalt) nur gerade bei 7 Prozent liegt. Fazit: Bei der Kommunikation ist die Rhetorik entscheidend. Die Muttersprache der Referentin ist zwar Deutsch, doch als erstes lernte sie in Kolumbien Spanisch und in Belgien Französisch. Anhand von Fotos zeigte sie auf, ob ein Lächeln echt oder unecht ist. Man könne schlecht drauf sein und trotzdem lächeln, hielt sie fest – «aber nur gute Schauspieler können das.» Während die Stuhlnachbarn auf Geheiss der Referentin – den Augenkontakt wahrend – miteinander plaudern – hat sich Alexandra Beate Rosmus völlig unbemerkt einen roten Kimono übergezogen und verblüfft so das Publikum.

Max und Moritz auf Japanisch
Die Ärztin liefert jetzt als Beispiel unter dem Titel «Pas seulement le ton fait la musique» einen Vierzeiler aus «Max und Moritz» – mal auf Deutsch, mal auf Englische, dann auf Französisch, auf Spanisch und zuletzt «als Zückerli», wie sie sagt, sogar noch auf Japanisch. Das tönt akustisch sehr verschieden – auch bezüglich Tempo und Rhythmus. Das Publikum geniesst das Gedicht aus der Feder Wilhelm Buschs teils mit offenen, teils mit geschlossenen Augen – und ist entzückt von den diversen Klängen. «Ich will zeigen, dass beim Sprechen verschiedene Muskulaturen gebraucht werden», so die Referentin. Der Vierzeiler auf Deutsch: «Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen – wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hiessen.»

Das Gehirn eines Musikers ist anders
Die Theaterpädagogin zeigt auch die Unterschiede eines «normalen» Gehirns zum Gehirn eines Musikers auf. Dabei unterscheide sich das Gehirn eines Jazz-Musikers zudem noch von einem auf klassische Musik spezialisierten Musiker. Der Schlussapplaus des offensichtlich beeindruckten Publikums ist gross. «Kommunikation ist, was ankommt», zieht SGM-Chefarzt Albrecht Seiler kurz und bündig sein Fazit des Referats. Dass Alexandra Beate Rosmus äusserst kreativ war und weiterhin ist, unterstreichen ihr Medizinstudium, ihre Tätigkeit als Ärztin in Innerer Medizin und Psychosomatik (bis heute) sowie verschiedene Clown-Workshops. Sie lernte zudem Schauspiel-Grundlagen inklusive Maskenspiel und Pantomime kennen. 1994 entdeckte sie ihre Freude an der Improvisation und besuchte seither Kurse bei Zauberkünstlern sowie bei Claude Karfiol (Theatermacher und Kommunikationstrainer) sowie Peter Honegger (Schauspieler, Regisseur und Clown). Nach einem Spielleiter-Seminar am Theater Basel 2004/05 und verschiedenen Schnupperkursen entschied sie sich für eine berufsbegleitende Theaterpädagogik. In Freiburg im Breisgau hat sie 2010 diese Grundausbildung abgeschlossen. Neben theaterpädagogischen Fortbildungen schrieb sich Alexandra Beate Rosmus in der Autoren- und Schreibwerkstatt des Theaters Basel ein. Musik war und ist ein wichtiger Faktor in ihrem Leben. Früher war es die Geige, heute das Akkordeon und der Gesang. 2012/13 war sie Regie-Assistentin in einem Figuren-Klang-Spiel für Kinder ab fünf Jahren. Dann genoss sie bei Peter Honegger (Zürich) eine Clown-Improvisationsfortbildung mit Werkstattaufführung – unter anderem als Madame Pâtisson.
Der nächste öffentliche Vortrag in der Klinik SGM Langenthal findet nach der Sommerpause statt: Am 28. August um 17 Uhr spricht Dr. phil. Kornelia Gillhoff zum Thema «Borderline verstehen und behandeln».

Von Hans Mathys


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