• Vor beeindruckender Kulisse konnte am Sonntagnachmittag der Königsstich stattfinden. · Bilder: Stefan Leuenberger

  • Der Höchstetter Schlägerkönig Lukas Wälti mit Freundin und Familie.

27.08.2018
Sport

Wasen-Lugenbach A schafft mit dem Trinkhorn-Gewinn einen Grosserfolg

38. Eidgenössisches Hornusserfest in Walkringen – Die Hornussergesellschaft Höchstetten bleibt die uneinnehmbare Hochburg im Hornussen: Festsieg in der Mannschaftswertung, Doppelsieg in der Einzelwertung der höchsten Stärkeklasse und Schlägerkönigstitelgewinn durch Lukas Wälti, der überraschend den Saisondominator Stefan Studer im Königsstich bezwang. Aus regionaler Sicht brillierte die HG Wasen-Lugenbach A mit dem Trinkhorngewinn in der höchsten Stärkeklasse

(3. Rang). Martin Kramer (HG Häusernmoos) wurde Einzelschläger-Champion in der dritten Stärkeklasse.

Hornussen · Ein Meilenstein in unserer Vereinsgeschichte», freute sich Simon Leuenberger, Teamchef von Wasen-Lugenbach A. «Wir sind nach einer nicht gelungenen Meisterschaft als Mannschaft zusammengerückt, haben Spezialtrainings eingeschaltet und nun die Früchte dafür ernten können.» 2006 in Bleienbach hatte Wasen-Lugenbach A im 4. Rang zuletzt an einem «Eidgenössischen» ein Trinkhorn gewonnen. Danach folgten mit den Rängen 9 (2009 in Höchstetten), 10 (2012 in Lyss) und 14 (2015 in Limpach) lauter Enttäuschungen. In Walkringen gelang nun einer der grössten Erfolge der regionalen Gesellschaft, die im Jahr 2013 Vize-Schweizermeister wurde und zudem seit Jahren immer wieder Festsiege feiern darf. Weil mit Bern-Beundenfeld A und Zuchwil A gleich zwei Mitfavoriten, die deutlich mehr Schlagpunkte erzielten als die «Wäseler», Nummern kassierten, reichte es Wasen-Lugenbach A zum ausgezeichneten 3. Rang. «Wir sind wegen des Teamerfolgs alle happy. Auch jene, die sich im Einzelschlägerklassement etwas mehr erhofft hatten», informierte Simon Leuenberger.

Höchstetter Festspiele
Der Festsieg ging – wie bereits 2015 in Limpach – an die Kronfavoriten aus Höchstetten. Mit 2933 Schlagpunkten waren die Emmentaler wie schon in der Schweizermeisterschaft eine Macht. Wäseli A (2776 Schlagpunkte) und Wasen-Lugenbach A (2590 Schlagpunkte) auf den weiteren Podestplätzen hatten keine Chance. Höchstetten bleibt das Nonplusultra in der Schweizer Nationalsportart Hornussen. Die HG Heimiswil-Berg A, die zweite regionale NLA-Hornussergesellschaft, erreichte mit 2484 Schlagpunkten den 7. Rang. «Wir wollten in die Top-7. Und dies haben wir geschafft. Ich bin stolz», freute sich Markus Hügli, Präsident und Mannschaftsführer in Personalunion.

Thöriger mit Horngewinn
In der zweiten Stärkeklasse feierte Biglen-Arni A den Festsieg. Die Thöriger Hornusser konnten im 6. Rang eines der begehrten Trinkhörner gewinnen. «Unser Ziel waren die Top-3. Doch nun sind wir glücklich, dass es zu einem Trinkhorn gereicht hat. Letztmals war dies 2002 in Hintermoos/Reiden der Fall», informierte Teamführer Lukas Känel, der auch gleich bester Einzelschläger seiner Equipe war. «Wir feiern jetzt diesen Erfolg. Unser primäres sportliches Ziel in der Zukunft heisst Aufstieg in die NLA.» Hasle A (7. Rang) und Schafhausen A (9. Rang) waren auch sehr nahe an einem Trinkhorngewinn dran. Im Wettkampf der dritten und vierten Stärkeklasse konnten die regionalen Gesellschaften nicht überzeugen. Die besten Rangierungen schafften Rohrbachgraben (10. Rang) und Huttwil (11. Rang) in der dritten Stärkeklasse. Pech hatten Lueg (19. Rang) und Schoren A (20. Rang). Ohne Nummern hätten beide regionalen Formationen in der vierten Stärkeklasse einen Podestplatz geschafft.

Simon Erni nicht im Königsstich
Obwohl jeder Hornusser die Mannschaftsleistung ins Zentrum rückt, waren die Einzelschläger-Entscheidungen am «Eidgenössischen» vielbeachtet. Und vorerst schien alles genau so zu kommen, wie erwartet. Der Saisondominator und Kronfavorit Stefan Studer von der HG Höchstetten A erzielte in seinen acht Streichen ein noch nie erreichtes Rekordtotal von 204 Punkten, spielte an beiden Tagen in einer eigenen Liga. Die beiden letzten Streiche des 33-Jährigen «surrten» 380 m weit. Der starke Hornusser und Schwinger war der Konkurrenz hochüberlegen und holte sich in der obersten Stärkeklasse den Goldkranz. Der Gondiswiler Simon Erni, Studers Teamkollege bei Höchstetten, verpasste auf dem 12. Rang die Quali für den Königsstich. «Es schmerzte schon, nicht zur Titelverteidigung antreten zu können. Doch der erneute Festsieg mit der Gesellschaft tröstet mich darüber hinweg», meinte der 25-Jährige, der auf 169 Punkte kam und damit nur der sechstbeste der dermassen überlegenen Höchstetter Hornusser war. Der fünfte Streich – bloss ein 9er – war die Ursache. «Ich hatte fast keinen Schienenkontakt. Das Träf schlug praktisch direkt auf dem Nouss auf», bedauerte Erni. Ohne diesen Fehler hätte es ihm unter die Top-4 der ersten Stärkeklasse und damit zur Teilnahme am Königsstich gereicht.
Teambester Einzelschläger von Wasen-Lugenbach A wurde Beat Dellenbach mit 167 Punkten im 19. Rang. «Ich darf mit meiner Leistung sehr zufrieden sein. Doch nur ein Punkt fehlte mir zum Silberkranz. Dies fuxt mich ein bisschen», sagte Dellenbach, der am «Eidgenössischen» 2015 in Limpach mit 168 Punkten den Silberkranz schaffte.

Ein Schafhauser dem Sieg nahe
In der zweiten Stärkeklasse schaffte Christian Wegmüller von der HG Schafhausen A mit 172 Punkten ein Topresultat. «Mein grösster Erfolg. Ich traure auch nicht dem einen Punkt hinterher, der mir zum Sieg gefehlt hat», sagte der erst 23-jährige Schafhauser, der auf ganz spezielle Weise zum Hornussen gestossen ist: «Das Ries der Schafhauser Hornusser steht auf unserem Land. So kam ich zum Hornussen.» Einen Podestplatz verpasste der auf dem 8. Rang klassierte Jörg Erni (HG Gondiswil) wegen einem 13er. Für das Einzelschläger-Highlight aus regionaler Sicht sorgte Martin Kramer von der HG Häusernmoos mit dem Gewinn der dritten Stärkeklasse (siehe nebenstehenden Text). In der vierten Stärkeklasse schaffte Bänz Bernhard (HG Lueg) mit 151 Punkten im 4. Rang den Silberkranz als bester Regionaler. Der beste Junghornusser im «UE»-Gebiet, Dominic Aegerter (HG Thörigen), sicherte sich mit 126 Punkten die Auszeichung als bester Nachwuchsspieler der vierten Stärkeklasse.  

Nervenflattern beim Musterathleten
Vor gewaltiger Zuschauermasse im Walkringermoos fand am Sonntagnachmittag der Königsstich statt. Adrian Christen (Ferenberg, Qualisieger 5. bis 8. Stärkeklasse), Peter Berchtold (Alchenstorf, Sieger 4. Stärkeklasse), Martin Kramer (Häusernmoos, Sieger 3. Stärkeklasse), Marco Hetzel (Steinen b. Signau, Sieger 2. Stärkeklasse), Stefan Studer (Höchstetten, Sieger 1. Stärkeklasse), Lukas Wälti (Höchstetten, 2. Rang 1. Stärkeklasse), Martin Stettler (Richigen, 3. Rang 1. Stärkeklasse) sowie Florian Ruch (Bern-Beundenfeld, 4. Rang 1. Stärkeklasse) bekämpften sich im K.o.-System um die vielbeachtetste Krone. «Ich habe noch nie soviele Leute an einem Hornusserspiel gesehen», schwärmte OK-Präsident Hans Rudolf Stalder. Die acht Hornusser durften sich ein bisschen fühlen wie Rockstars. Dann passierte bei traumhaftem Spätsommerwetter, was niemand dachte. Favorit und Musterathlet Studer begann zu schwächeln. Nach Gewaltsstreichen von 27 und 28 in der Platzierungsrunde flatterten die Nerven im Viertelfinal erstmals. Studer schlug einen Nuller, profitierte aber vom Reglement, welches zwei Streiche mit drei Schlagrechten vorsah. Im Halbfinal unterlag Hornusser-Grösse Martin Stettler gegen Studer nur um einen Punkt. «Ich konnte die notwendige Konzentration einfach nicht über alle Streiche hochhalten», bedauerte Studer danach. Im Final war die Sensation perfekt: Studer legte bloss zwei 20er-Streiche vor. Sein Teamkollege und Finalgegner Lukas Wälti schnappte ihm den Schlägerkönig-Titel mit Streichen von 20 und 25 auf dem Serviertablett weg. Bitter: der meilenweit überlegene Hornusser des Jahres 2018 verpasste den Königsthron erneut. Umsomehr freute sich Lukas Wälti, der 28-jährige Nachfolger von Simon Erni: «Ein Traum wurde war. Mit der Mannschaft zu gewinnen und Schlägerkönig zu werden, ist der Gipfel. Stefan ist eigentlich der viel bessere Schläger. Ich bin einfach nur glücklich.» Der Titelgewinn des immer fröhlichen Sportlers war verdient. Der hinterletzte Hornusser hätte aber überhaupt nichts dagegen gehabt, wenn der König Stefan Studer geheissen hätte. Dies wiederum stellte den Königsstich – trotz seiner Attraktivität – ein weiteres Mal mehr als in Frage. Und es bestätigte die Tatsache, dass noch nie ein Gewinner des Eröffnungshornussens (vormals Pressehornussen) auch Schlägerkönig wurde.

Von Stefan Leuenberger

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