• Präsident Marc Howald (Mitte) heisst das neue Ratsmitglied Marcel Murat (links) willkommen und verabschiedet Theo Steimer. · Bild: hml

05.12.2016
Langenthal

Wechsel im Burgerrat, Projekt für Forstbetrieb

Die Versammlung der Burgergemeinde Langenthal verabschiedete Burgerrat Theo Steimer und wählte Marcel Murat. Die Burgergemeinden Langenthal, Roggwil und Aarwangen wollen in einem Gemeindeverband-Projekt gegen die kontinuierlichen Defizite in der Forstwirtschaft ankämpfen.

382 Personen sind zurzeit Burger von Langenthal, 338 von ihnen stimmberechtigt, 68 an der Versammlung im Forum Geissberg dabei: 20,1 Prozent. Ratspräsident Marc Howald stellte sich – wie die Burgerräte Urs Zurlinden, Peter Siegrist und Monika Adolf – der Wiederwahl für vier Jahre, also für die Amtsperiode 2017 bis 2020. «Es ist aber mein fester Entschluss, nur noch ein Jahr zu machen», betonte Howald. Er freue sich auf 2017, das Jubiläumsjahr der Burger. «Wir planen tolle Sachen, bieten einen wunderbaren Bildband und können einen hervorragenden Burgerwein offerieren», sagte er strahlend. Alle sich der Wiederwahl stellenden Räte wurden mit Applaus in ihrem Amt bestätigt. Einstimmig wählten die Versammelten den 48-jährigen Banker Marcel Murat neu in den Burgerrat – wie gewünscht einen  Finanzspezialisten. Theo Steimer verlässt nach 14 Jahren den Rat wegen Amtszeitbeschränkung.
Vizepräsident Urs Zurlinden (Ressort Finanzen) begründete den vom Burgerrat beantragten Verpflichtungskredit von 95 000 Franken zur Finanzierung einer Übergangseinlage bei der Pensionskasse der Stadt Langenthal. Dies wegen der Neuausrichtung der Vorsorgelösung (Primatwechsel). Zurlinden unterstrich die Freiwilligkeit und Einmaligkeit. Die Versammlung stimmte dem Kredit ebenso einstimmig zu, wie der Gewährung eines «einmaligen Bonus auf den Baurechtszinsen» von 155 600 Franken. Dieser werde flächenmässig auf sämtliche Baurechtsnehmenden verteilt. Der Betrag ist nicht zufällig, weil dieser der Grundstückgewinnsteuer in Sachen Einlösung Kaufrechte Merkur Druck und Merkur Zeitungsdruck AG entspricht. Das Ganze ist eine Art Goodwill an die Baurechtsnehmenden – zum Burgerjubiläum 2017. Ein Votant setzte sich erfolgreich dafür ein, die unvorteilhafte Bezeichnung Bonus hier Rabatt zu nennen.

Forstwirtschaft – Zusammenarbeit mit Roggwil und Aarwangen
Urs Zurlinden stellte das Budget 2017 vor, in dem der Pensionskassenkredit von 95 000 Franken ebenso enthalten ist wie der Einnahmenverzicht bei den Baurechtszinsen von 155 600 Franken. Zurlinden rechnet mit einem Gesamtgewinn von 266 000 Franken – trotz des budgetierten Verlustes von 92 000 Franken in der Sparte Forstrechnung. Um diese ging es nun. Die Burgergemeinde Langenthal will die zur Gewohnheit gewordenen Defizite in der Forstwirtschaft nicht mehr tatenlos hinnehmen. Deshalb plant sie mit den Burgergemeinden Roggwil und Aarwangen, die im Forstbereich ähnlichen Probleme haben, einen Gemeindeverband. Dies mit der Unterstützung eines Büros aus Solothurn, das dafür spezialisiert ist und auch schon in Zofingen erfolgreich tätig war. Ein Ausschuss, dem der Langenthaler Burgerrat Peter Siegrist angehört, arbeitet zurzeit mit diesem Büro am Projekt und hat strategischen Ziele formuliert, die zu einer «nachhaltigen Verbesserung des Betriebsergebnisses» führen sollen.  Büro und Forstausschuss haben 12 Stärken und 13 Schwächen der drei Forstbetriebe aufgelistet. Bei den Schwächen werden primär «hohe Verluste aus operativer Tätigkeit» genannt. Bemängelt werden zudem der hohe Personalbestand, die wenig wirksamen Ergebnisorientierung und der niedrige Kostendeckungsgrad in der Holzproduktion. Die versammelten Langenthaler Burger erfuhren, wo die Chancen des geplanten Gemeindeverbandes liegen, der keineswegs einer Fusion der drei Burgergemeinden gleichkomme, sondern nur eine Zusammenarbeit im Forstbereich bedeute. Betriebsleiter Simon Rieben hatte mehrere Fragen zu beantworten. Er erwähnte diverse Möglichkeiten, wie und wo ohne  Leistungsabbau Kosten eingespart werden können. So etwa bei Kauf, Unterhalt und Nutzung von Maschinen. Im neuen Verband müsse aber einiges geschehen, weil sich die Defizite trotz des Projekts der drei Burgergemeinden «nicht einfach in Luft auflösen» würden, sagte Rieben. Die rege Diskussion zeigte das grosse Interesse der Burger an einer  kontinuierlichen Information über den Verlauf des Forstprojektes.  

Sorgenkind Hof Krummen
Präsident Marc Howald und Ratsmitglied Peter Siegrist orientierten über den Hof Krummen in Pfaffnau. Dieser gehört der Burgergemeinde Langenthal. Der Pachtvertrat, der mit der dort ansässigen Familie abgeschlossen wurde, laufe noch bis 2020/21. Die Familie habe Interesse am Kauf dieses Hofes bekundet, sehe nun aber davon ab. Für Scheune, Schweinestall und Schopf bestehe Sanierungsbedarf. Der Zustand des Wohnhauses sei gut. Verschiedene Votanten äusserten sich kontrovers zur Zukunft des Hofes. Es sei schwierig, Selbstfinanzierung zu erreichen. Den Burgern dürfe jedoch das  Schicksal der Pächterfamilie nicht gleichgültig sein. «Der Hof ist ein Fass ohne Boden – verkaufen», empfahl ein 92-jähriger Burger.
Weil Werner und Marianne Sommer das bald das AHV-Alter erreichen, kommt es bei dem von ihnen bewirtschafteten Langenthaler Burgerhof per 1. Januar 2020 zum Pächterwechsel. Entsprechende Ausschreibung und Auswahlverfahren folgen. Zum Schluss der Versammlung zählte Burgerratspräsident Marc Howald die diversen fürs Jubiläumsjahr 2017 geplanten Aktivitäten auf.

Von Hans Mathys

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